Mit der Versteigerung zweier Trachten gelang es Maria Feistmantl, (3.v.r.) 1.585 Euro für das Projekt „Das Christkind hat mich nicht vergessen“ zu sammeln.
Aktuelles

Tiroler Trachten: Tradition zum Vererben

Mit der Versteigerung zweier Trachten gelang es Maria Feistmantl, (3.v.r.) 1.585 Euro für das Projekt „Das Christkind hat mich nicht vergessen“ zu sammeln.
© Parasiliti

Mit größter Sorgfalt fertigt Maria Feistmantl im Stubaital traditionelle Kleidung. Am liebsten Tiroler Trachten. Mit ihrem Fachwissen bietet sie Nnähkurse an, um ihr Können weiterzugeben.

Trachten zu nähen ist Handarbeit und Tradition. „Ich mach das einfach gern“, sagt Maria Feistmantl und nickt zufrieden. Die gebürtige Stubaitalerin hat ihr Leben dem Schneiderhandwerk verschrieben. Kunstvoll und mit einem Auge fürs Detail näht sie in der ehemaligen Frühstücksstube ihrer Pension nach überliefertem Vorbild. „Meine große Liebe gehört den originalen Trachten. Je älter, desto besser“, beschreibt Feistmantl ihre Passion. Maria ist vielseitig ausgebildet. Nach der Schneiderfachschule in Innsbruck absolvierte sie die Ausbildung zur Schnitttechnikerin in München, bildete sich mit einer Trachtenausbildung weiter und lernte das Kassetl nähen.

Ihr ganzes Know-how zahlt sich heute aus. Neben ihrer Hauptarbeit für Tiroler Vereine ist Maria auch zur Anlaufstelle für viele im Tal geworden, um ihre Lieblingskleidungsstücke reparieren zu lassen. Ihre Fertigkeiten haben die Fachfrau für Trachten mittlerweile weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannt gemacht. Neben den heimischen Vereinen stattete die Schneiderin bereits eine kanadische Volkstanzgruppe mit der Wipptaler-Tracht aus. In Japan hingegen liegt das traditionelle Hochzeitsgewand der Tiroler Braut hoch im Trend. Ein elegantes Dirndl, das exotisch anmutet und nach der Hochzeit auch zu weiteren Anlässen getragen werden kann, ist beliebt. Darum bekommt Maria im Haus Hintner auch immer wieder Besuch aus Fernost. In ihrer gemütlichen Stube bietet sie Nähkurse an, um ihre Freude am Schneidern weiterzugeben. Auf die alte Art, von Hand und sehr genau.

Trachten-Nähkurse

Die vielen kleinen Nadelstiche sind für Maria keine Belastung. Von Kindestagen an wollte sie schon immer Schneiderin werden. Die Freude an der Arbeit mit Textilien gibt sie nun an interessierte Trachtenliebhaber weiter. Zumeist Frauen aus dem ganzen Inntal kommen zu ihr in die gemütliche Stube, um alte Trachtenschätze auf ursprüngliche Art umzunähen und auf die Maße der nächsten Generation anzupassen. Trachten sind schließlich Familienerbstücke, die man weitergibt. Unter Marias fachkundiger Beratung werden aber auch neue Gewänder geschneidert. Natürlich nur aus traditionellen Stoffen und Materialien wie Seide, Loden und Rosshaar aus europäischen Webereien, mit denen Maria authentische Stoffkreationen entwickelt hat. „Für eine Tracht ist das beste Material gerade gut genug“, erklärt die versierte Schneiderin.

Zusätzlich ist Maria stets auf der Suche nach alten Stücken und Stoffen. Wird eine besonders alte Tracht auf einem Dachboden entdeckt, fährt sie schon mal durch ganz Tirol, um den Fund zu begutachten. Dadurch sind viele gute Kontakte entstanden, sodass Maria aufgrund des großen Interesses längst nicht mehr nur im Stubaital Nähkurse anbietet. „Kein Kleidungsstück der Welt lässt sich so oft und so viel verändern wie eine Tracht. Solche Arbeiten kann man nicht in Stunden aufrechnen, da gehört viel Liebe dazu und der Wille, es hinzukriegen“, weiß Maria. Darum schätzen ihre Kunden vor allem ihre Expertise und Erfahrung. In der Haupttourismuszeit lädt die Trachtlerin auch die Gäste im Tal am Nachmittag zum Nähkurs ein. Die Mischung aus der alpinen Natur und der heimeligen Atmosphäre beim Trachtenschneidern macht das Stubai-Erlebnis aus.

Maria Feistmantel setzt auf traditionelle Stoffe von Webereien aus Europa, mit dnenen sie eigene Kreationen entwickelte.
Maria Feistmantel setzt auf traditionelle Stoffe von Webereien aus Europa, mit dnenen sie eigene Kreationen entwickelte.
© Parasiliti

Bis zur letzten Naht

Die Arbeit mit Textilien zieht sich wie ein roter Faden durch Marias Leben. In ihrer Freizeit findet man sie oft in der Natur. Ansonsten stickt Maria gerne, entwickelt neue Modelle oder flickt die Lieblingskleidung ihrer Bekannten. An sich näht sie alles gern, außer Sportsachen die sind ihr zu grob. Deshalb sehnt sie sich auch nicht nach dem Ruhestand. „Ich möchte bis ich 109 Jahre alt bin arbeiten“, lacht Maria. Im Sommer bei einer Trachtenschau auf der Hinterhornalm präsentierte sie ihr Lebenswerk. Dabei ließ sich die Vielseitigkeit ihrer Werke in Gänze bestaunen. Vereine mit Nord-, Süd-, Ost- und Welschtiroler Tracht, alle der Nadel der Stubaier Schneiderin entstammend, versammelten sich für den festlichen Anlass.

Abgerundet wurde die Schau durch Blumenschmuck, tolle Frisuren und das schöne Ambiente der Alm, festgehalten von einer Fotografin. Am Ende der Veranstaltung gab es eine Versteigerung der Blumen und zweier Dirndl für einen guten Zweck. Einen Knopf an ihre Karriere möchte Maria damit aber noch nicht machen. „Gerade bei den Welschtiroler Trachten finden sich noch ein paar sehr spannende Arbeiten, die mich brennend interessieren“, schmunzelt Feistmantl. Für die Trachtenschneiderin gibt es noch immer Neues zu entdecken und zu lernen.

Weitere Informationen: Schneiderei Maria