Ein echter Familienbetrieb: Sebastian jun., Sebastian und Julian Hölzl (v.r.).
Ein echter Familienbetrieb: Sebastian jun., Sebastian und Julian Hölzl (v.r.).
Alles Unternehmen

Erfolg mit neuem und altem Holz

Ein echter Familienbetrieb: Sebastian jun., Sebastian und Julian Hölzl (v.r.).
© Gmedia

Von der Garage zur stattlichen, 20 Mitarbeiter starken Zimmerei Hölzl in Reith bei Kitzbühel. Eine 50-jährige Unternehmensgeschichte zwischen Weitblick, Nachhaltigkeit und der Liebe zu Holz.

4K 2. Stock“ ist auf der Palette in weißer Schrift zu lesen. Darüber stapeln sich Balken und Bretter. Die nächste Palette. „3K 2. Stock“. Noch mehr Balken. Fein säuberlich aufeinander geschlichtet, teilweise zu größeren Einheiten zusammengebunden. „Die Stapel hier sind ein Bauernhof“, erklärt Sebastian Hölzl jun. im Vorbeigehen. „Sind ein Bauernhof“, nicht „sind von einem Bauernhof“ – ein entscheidender Unterschied. „Ja, hier liegt ein ganzer Hof. Fein säuberlich abgetragen und nummeriert, um ihn in der nächsten Zeit an seinem neuen Standort wieder aufzubauen“, so der Geschäftsführer der Zimmerei Hölzl in Reith bei Kitzbühel. Eine Spezialarbeit des Unternehmens, das 2021 sein 50-jähriges Jubiläum beging.

Weitblick

Es ist das Jahr 1971. Sebastian Hölzl sen. ist der jüngste Zimmermeister Tirols. Voller Tatendrang gründet er gemeinsam mit seiner Frau Brigitte in der Garage die Zimmerei Hölzl. Nicht im Entferntesten ahnen die beiden, wie sich ihr Betrieb entwickeln wird. Als Sebastian Hölzl sen. Zwei Jahre später von einem Bauern ein Betriebsgrundstück kaufen kann, schlägt er zu. Der neue Standort für die rasch wachsende Firma ist fixiert. Eine von zahlreichen Entscheidungen und Wagnissen, die der Unternehmensgründer eingeht.

„Mein Papa war schon immer sehr innovativ und engagiert. So kaufte er etwa schon vor zwanzig Jahren eine CNC Abbundanlage. Wir waren hier in der Gegend damit einer der ersten Betriebe. Dieser Weitblick und dieses Engagement habe ich schon als Jugendlicher bewundert und bewundere ich heute noch.“ Sebastian Hölzl jun. übernahm vor 15 Jahren die Zimmerei und trat mit großer Leidenschaft in die Fußstapfen seines Vaters. „Es ist der Baustoff, der mich fasziniert, und dieses greif- und sichtbare Ergebnis, wenn wir mit unserer Arbeit fertig sind.“

Holzbau Hölzl: Holz aus der Region wird im eigenen Sägewerk geschnitten, sortiert, getrocknet und gehobelt.
Holz aus der Region wird im eigenen Sägewerk geschnitten, sortiert, getrocknet und gehobelt.
© Hubert Dorfstetter

 

Nachhaltig mit Säge und Hackschnitzel

Der Unternehmer öffnet die Türe zu einer der beiden Holz-Trockenkammern. Warme, feuchte Luft und der charakteristische Holzduft strömen heraus. Neue Bretter werden hier genauso wie das Altholz der Höfe erhitzt, um eventuelle Schädlinge abzutöten und das Holz zu trocknen. An der Trockenanlage vorbei geht es hinein in eine der Hallen. Die Zugluft wirbelt einige Holzspäne durch die Luft. Rechts hinten steht die Blockbandsäge. Einer der Mitarbeiter ist gerade dabei, alte Holzbalken zu spalten.

„Früher hatten alle Zimmereien ein kleines Sägewerk. Die meisten haben es jedoch aufgegeben, da es sich nicht rechnet. Das kam für meinen Vater und auch jetzt für mich nicht in Frage. Denn so haben wir die Möglichkeit, Altholz zu schwarteln. Wir kaufen immer wieder alte Gebäude auf, reißen sie ab und nutzen das Holz. Es wird von uns ausgenagelt, gewaschen, getrocknet, gebürstet, farblich sortiert und dann wiederverwendet. Abgesehen von der schönen Holzstruktur ein äußerst nachhaltiger Prozess.“ Auf Nachhaltigkeit setzt die Familie auch bei der Energiegewinnung. Seit 2005 verwandeln sie ihre Holzabfälle in Hackschnitzel für die Biomasse-Heizung.

Generation Nummer 3

Im Werkstattgebäude gleich neben dem Bürotrakt sind einige von Sebastian Hölzls Mitarbeiter gerade in eigener Sache aktiv. Personalwohnungen sind im Entstehen. Mit ganz viel Holz und Kaiserblick. „Bei uns arbeiten immer wieder Holländer, Deutsche oder auch Franzosen. Vor allem in Frankreich ist es üblich, dass ausgebildete Facharbeiter ein Jahr ins Ausland gehen, um dann in der Heimat die Meisterschule abzuschließen. Bei dem in Tirol herrschenden Fachkräftemangel sind dies wertvolle Arbeitskräfte. Wenn du diesem potenziellen Mitarbeiter eine ansprechende und kostenfreie Unterkunft bieten kannst, erhöhst du natürlich die Attraktivität deines Unternehmens.“

Stolz ist der Zimmerer und Baumeister auf seine Mitarbeiter, vor allem auf die zahlreichen langjährigen Holzexperten in seinem Team, die dem Betrieb zum Teil schon seit Jahrzehnten die Treue halten. Die Türe geht auf. Der Seniorchef blickt kurz herein, holt ein paar Unterlagen, bevor er gemeinsam mit einem Mitarbeiter zu einer der Baustellen fährt. Obwohl der Seniorchef die Leitung des Unternehmens abgegeben hat, ist er genauso wie seine Frau immer noch im Einsatz. Ein echter Familienbetrieb, in dem zudem Sebastian Hölzls Frau, die Schwester und der Cousin aktiv sind. Arbeit gibt es auf jeden Fall genügend. „Die Nachfrage nach Holzbauten steigt seit Jahren. Holz als ökologischer, klimafreundlicher und vor allem auch nachwachsender Baustoff ist mit Sicherheit der Baustoff der Zukunft“, ist sich Sebastian Hölzl jun. sicher.

„Mein Ziel ist es, die Philosophie meines Vaters fortzusetzen. Innovativ agieren, vorausschauend reagieren und investieren. Größer zu werden, ist keine Option, natürlich könnten wir mehr Aufträge annehmen, doch ich möchte alles im Überblick haben. Die Qualität muss erhalten bleiben.“ Die Unternehmerfamilie wächst jedenfalls sehr stark weiter. Mit dem 14-jährigen Julian steht schon die dritte Generation in den Startlöchern.

Weitere Informationen: Holzbau Hölzl

Zimmermannsarbeiten aus Altholz, beispielsweise Dachstühle, gelten als Markenzeichen des Unternehmens Hölzl.
Zimmermannsarbeiten aus Altholz, beispielsweise Dachstühle, gelten als Markenzeichen des Unternehmens Hölzl.
© Christoph Vögele