Ofen von Fliesen Kachelofen Ewald Grasl
Ofen von Fliesen Kachelofen Ewald Grasl
Alles Unternehmen

100 Jahre zwischen Ofen und Fliesen

Öfen sind längst nicht nur ein Heizungselement, sondern vielmehr ein Möbelstück, das einen Blickfang darstellt.
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Die Unternehmergeschichte begann mit Ewald Grasl und selbst hergestellten Kacheln in der Kufsteiner Römerhofgasse. Heute, 100 arbeitsreiche Jahre später, leitet Ururenkel Christoph Grasl den Familienbetrieb.

Mein Ururgroßvater hatte genau eine Form und drei Farben zur Verfügung. Blau, Braun und Grün“, erzählt Christoph Grasl. Am 31. Dezember 2018 übernahm der Kufsteiner das Familienunternehmen von seinem Vater Ewald Grasl. Große familiäre Fußstapfen. Generation für Generation wurde der Betrieb ausgebaut. „Schon mein Ururgroßvater begann bald einmal seine produzierten Kacheln selbst zu verarbeiten. Unser Betrieb war in dieser Art der erste in der Region.“ Der Stolz auf das Engagement seiner Vorfahren schwingt mit jedem Wort mit.

„Das Kriegsende löste damals einen Bauboom aus und ließ unser Unternehmen stark wachsen.“ Mit dem Ansteigen der Aufträge stieg auch die Zahl der Mitarbeiter. Das Herzstück des Betriebs. Damals wie heute. „Unsere langjährigen Mitarbeiter sind sicher eines unserer Markenzeichen und unsere Stärke. Mein derzeit ältester Angestellter begann bei meinem Vater seine Lehre und ist inzwischen seit sagenhaften 35 Jahren bei uns im Einsatz.“ Kein Einzelfall. 33, 25, 20 Jahre Betriebszugehörigkeit. Zahlen, die sich sehen lassen können und vielerorts Alleinstellungsmerkmal haben.

Urkunde für 100 Jahre

Ortswechsel. Wirtschaftskammer Kufstein. Joe Freisinger und Arno Mück, Funktionäre für Gewerbe und Handwerk der WK-Bezirksstelle Kufstein, haben sich genauso wie Manfred Karl Hober, Landesinnungsmeister der Hafner, Platten- und Fliesenleger und Keramiker, zur Ehrung der Familie Grasl eingefunden. Die feierliche Übergabe der Urkunde zum 100-Jahr-Jubiläum: „Ein Betrieb, der seit 100 Jahren besteht, eine Tatsache, die für sich spricht und alles andere als selbstverständlich ist. Immer wieder sperren Betriebe für immer zu, weil die nächste Generation kein Interesse am Familienunternehmen hat. Die Übergabe von einer Generation auf die nächste wird oftmals zum unternehmerischen Stolperstein. Umso mehr freut uns das langjährige Bestehen der Firma Grasl“, zeigen sich Joe Freisinger und Manfred Hober beeindruckt.

Arno Mück weist währenddessen auf die Relevanz der Handwerksbetriebe für die Region hin. „Der Tourismus ist bei uns ein starkes Standbein, doch gerade die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass ein Standbein alleine sehr schnell ins Wanken geraten kann. Handwerksbetriebe wie die Firma Grasl bilden eine wichtige Ergänzung. Auch in puncto Lehrlingsausbildung sind Handwerksbetriebe wichtige Eckpfeiler.“ Im Traditionsbetrieb Grasl sind derzeit vier Lehrlinge in der Ausbildung. Für Christoph Grasl die Investition in die Zukunft. „Wie überall, herrscht auch bei uns ein Fachkräftemangel. Gerade deshalb ist es naheliegend, diese selbst auszubilden.“

Bei der feierlichen Überreichung des Ehrendiploms der Tiroler Wirtschaftskammer: Sabine Grasl, Josef Freisinger (WK-Bezirksausschuss), Ewald Grasl, Arno Mück (WK-Bezirksausschuss), Innungsmeister Manfred Hober, Fachgruppen- geschäftsführer Christian Ladner sowie Christoph und Stefanie Grasl (v.l.).
Bei der feierlichen Überreichung des Ehrendiploms der Tiroler Wirtschaftskammer: Sabine Grasl, Josef Freisinger (WK-Bezirksausschuss), Ewald Grasl, Arno Mück (WK-Bezirksausschuss), Innungsmeister Manfred Hober, Fachgruppen- geschäftsführer Christian Ladner sowie Christoph und Stefanie Grasl (v.l.).
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Unternehmenszukunft Lehrlinge

Seit zwei Jahren ist Christoph Grasl Lehrlingswart der Tiroler Innung der Hafner, Platten- und Fliesenleger und Keramiker. „Die Lehre hat allgemein trotz Lehrlingsoffensive noch nicht den Stellenwert in der Gesellschaft, den sie haben sollte. Die verschiedenen Gewerbe müssen auf jeden Fall aktiv werden, ein attraktives Programm bieten.“ Christoph Grasl selbst organisiert für seine vier Lehrlinge eigene Workshops, stellt ihnen Material und Arbeitsflächen zum Trainieren zur Verfügung und hat darüber hinaus bereits Ideen hinsichtlich zusätzlicher Ausbildungsmöglichkeiten.

„Mein Vater hatte schon einmal eine Initiative gestartet, um Jugendlichen die Möglichkeit für weitere Praxiserfahrungen zu bieten. Hier möchte ich ansetzen.“ Der Unternehmer weiß, wovon er spricht, hat er doch selbst im elterlichen Betrieb die Lehre absolviert. „Als Chef eines Handwerksbetriebs muss man die Arbeit selbst erlernt haben. Ich war auch sehr gern auf den Baustellen im Einsatz, seit der Übernahme des Betriebs habe ich jedoch kaum noch Zeit, selbst die Blaue anzuziehen. Organisation, Kundenakquise, das alles nimmt viel Zeit ein. Umso wichtiger sind gute Mitarbeiter vor Ort.“

Familie mit im Boot

„Ich kann mich noch an meine Lehrzeit erinnern. Damals waren Fliesen mit 15 mal 15 Zentimeter durchaus üblich. Inzwischen reichen die Größen bis hinauf auf 1,5 mal 3 Meter. Diese Entwicklung mitzugehen, immer vorauszudenken, das ist sicher einer unserer Erfolgsfaktoren. Schon unsere Vorfahren haben so gehandelt. Ja, ich bin dankbar und stolz auf deren Leistung und freue mich, Teil dieser Unternehmensgeschichte zu sein“, erzählt Ewald Grasl, der heute noch als Sachverständiger im Einsatz ist. Mit der Auswahl an Fliesen wuchs natürlich der Beratungsbedarf. Planungen nehmen einen immer wichtigeren Stellenwert ein, da Fliesen und Öfen zu einem Wohnaccessoire avancierten, nicht mehr nur Mittel zum Zweck sind. Die klassischen grünen Ofenkacheln, sind heute noch beliebt.

Alte Kacheln werden vom Grasl-Ofenteam schon einmal aufgearbeitet und wieder eingesetzt. Generell hielt im Ofenbau zur optimalen umweltbewussten Wärmenutzung die Technik Einzug. Der Trend hin zum nur halbhoch gefliesten Bad erweiterte das Arbeitsspektrum des Unternehmens. So kommen jetzt auch Spachteltechniken zum Einsatz, wie Christoph Grasl anführt. „Wir sind heute noch ein echter Familienbetrieb. Meine Frau arbeitet mit im Unternehmen und unser ältester Sohn hat bereits großes Interesse an der Materie. Am Entstehen von Wohnraum mitzuwirken, ist aber auch etwas Schönes. Wobei unsere Kunden vom Häuslbauer über Bauträger bis hinein in den Großbau und die Industrie reichen.“

Weitere Informationen: www.ewald-grasl.at