Peter Pfeifer in der SPURart Werkstatt, wie er gerade die Bindungen auf ein individualisiertes Paar Ski montiert.
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Ski wie ein Maßanzug

Peter Pfeifer weiß worauf es bei einem guten Ski ankommt. Die Bindungsmontage übernimmt der Chef selbst.
Peter Pfeifer weiß worauf es bei einem guten Ski ankommt. Die Bindungsmontage übernimmt der Chef selbst.
© WK Tirol / Tschackert

Einzigartig designte Ski mit einem auf den eigenen Bedarf zugeschnittenen Shape, sind schwer zu finden. Bei SPURart in Innsbruck wird dieser Traum wahr.

Begonnen hat alles mit der Liebe zu den Bergen, hohen Ansprüchen an die eigenen Bretter und einer Schnapsidee. Peter und Michael, beide passionierte Skifahrer, beschlossen gemeinsam in Innsbruck qualitativ hochwertige Ski und Snowboards herzustellen. „Die ursprüngliche Idee war es, coole Bretter zu bauen, die einfach gut funktionieren. Design und solche Dinge kamen dann erst später“, erzählt Peter. „Heute würde ich mich das nicht mehr trauen, denn bis darauf, dass wir wussten wie ein guter Ski funktioniert, haben wir uns das alles selber beigebracht“, grinst er. Doch der Plan ging auf.

Seit nun elf Jahren fertigen Peter und Michael gemeinsam mit ihrem bergbegeisterten Team Wintersportgeräte auf Anfrage. Neben der Liebe zu den Bergen verbindet das bunt gemischte SPURart-Team ein freundschaftliches Miteinander und das Auge fürs Detail. Vieles passiert hier noch von Hand, sodass jeder Ski und jedes Board genau an die individuellen Vorlieben angepasst werden kann. Deshalb wird bei SPURart nur auf Anfrage gefertigt, kein Ski wird nur für die Auslage gebaut. Besonders spannend sind daher die Wochenend-Workshops. Hier wird die Freude am „Selber-Werkeln“ weitergetragen. In entspannter Atmosphäre können die Teilnehmer hier, unter Anleitung und Beratung, ihre eigenen Ski oder Snowboards bauen.

Belag und Kanten eines neuen individuellen Paar Ski liegen bei SPURart bereit um beim nächsten Workshop verwendet zu werden.
Vom Belag an entstehen bei SPURart individuelle Ski und Snowboards.
© WK Tirol / Tschackert

Brettl selber bauen

Wenn am „Freitog auf’d Nocht“ andere die Ski aufs Auto montieren, richtet Peter alles für den Workshop am Wochenende her. Einzelpersonen oder Gruppen designen, sägen und pressen hier zwei Tage lang ihre eigenen Sportgeräte. Dafür, dass die Ski am Ende des Workshops auch gut laufen, sorgen die versierten Mitarbeiter. Sie begleiten den Kurs und stehen stets mit Rat und Tat zur Seite, sodass jedes Brett gelingt. Auch auf spezielle Wünsche kann eingegangen werden. „Vom Riesenslalom-Rennski bis zum Splitboard können wir hier alles fertigen“, erklärt Peter.

Mit Hilfe fachkundiger Beratung entstehen so Meisterwerke, die je nach Größe, Gewicht und bevorzugtem Fahrstil perfekt auf den Kunden angepasst werden. „Wir produzieren Ski auf den Kunden zugeschnitten wie ein Maßanzug“, schmunzelt Peter. Auch in Designfragen ist bei SPURart alles möglich. Von Kunststoff-Topsheets mit Blättern, Kronkorken oder Laugenstangerln darauf, bis hin zum edlen Holzfurnier, dem Klassiker bei SPURart, bleibt kein Wunsch unerfüllt. „Der Kreativität ist bei uns keine Grenze gesetzt. Mittels Lasergravur können wir die Holzbeläge individuell verzieren oder durch Intarsien eine Mosaik-Optik entstehen lassen“, erklärt der Profi.

Nach der Fertigstellung des eigenen Sportgeräts werden in der Werkstatt noch die Kanten geschliffen, Bindungen montiert und der Belag gewachst. Als Endergebnis bekommt der Kunde einen fertig einsatzfähigen Ski. So entstehen Wochenende für Wochenende neben technisch brillanten Ski und Boards auch neue Freundschaften. Nicht für die breite Masse, sondern für einzelne Liebhaber, die das Produkt zu schätzen wissen. „Wir produzieren ein individualisiertes Nischenprodukt, ein Produkt, das Spaß macht und glauben, damit den Zeitnerv getroffen zu haben“, schmunzelt Peter.

Fachkundig und mit viel Liebe zum Detail werden die Bretter veredelt.
Fachkundig und mit viel Liebe zum Detail werden die Bretter veredelt.
© WK Tirol / Tschackert

Work-Life Balance

Neben dem Ernst der Arbeit darf bei SPURart auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Im rotierenden System tauschen die zehn Mitarbeiter den Wochenenddienst in der Brettlwerkstatt, damit jeder genug Zeit hat, die Freizeit zu genießen und im Winter selber zum Skifahren zu kommen. „Wir können nur solange gute Ski bauen, solange wir das Material auch testen und neue Sachen kreieren. Wenn wir uns keine Zeit nehmen würden, um selbst manchmal auf den Berg zu fahren, verlieren wir irgendwann unsere Authentizität“, weiß Peter.

Ein guter Handwerker muss schließlich die Stärken und Schwächen seines Endprodukts kennen. Aber auch die betriebswirtschaftliche Seite vernachlässigen die Unternehmer nicht. Elf Monate im Jahr bietet SPURart Workshops an, verstärkt viel Betrieb herrscht in den Wintermonaten. In die Zukunft schaut Peter trotz der Pandemie gelassen Von Kundenseite scheinen individuell gestaltete und selbst gefertigte Produkte hoch im Kurs zu stehen. „Es kommen immer wieder Unternehmer zu uns, die das Konzept gerne abkupfern wollen. Wir helfen ihnen dann“, sagt Peter.

„Es ist wie in einem guten Wirtshaus. Am Ende entscheiden immer der Koch und der Wirt, wie das Essen schmeckt. Wenn man versucht, es nachzukochen, ist es meistens nicht dasselbe.“ So ist davon auszugehen, dass Peter und Michael noch lange ihre Wochend-Workshops anbieten werden. Sie trumpfen mit ihrem immensen Fachwissen und ihrer sympathischen Art. So werden in Zukunft immer mehr Bretter mit der unverwechselbaren Edelholzoptik auf den Hängen Tirols und weit darüber hinaus kunstvoll ihre Spuren in den Schnee ziehen.

Website: SPURart