Freiseurmeister der alten Schule: Anna Pilsinger in ihrem Salon in Innsbruck
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Über dem Altersschnitt: Friseure der alten Schule

Technik macht die Meisterin. Anna Pilsinger führte über 60 Jahre ihren eigenen Salon.
Technik macht die Meisterin. Anna Pilsinger führte über 60 Jahre ihren eigenen Salon.
© WK Tirol/Tschackert

Anna Pilsinger ist seit 60 Jahren selbstständige Friseurin. Präzise Technik und stetige Schulungen sind für sie ebenso wie für den erfahrenen Friseurmeister Ernst Jantschitz der Schlüssel zum Erfolg.

Der Salon Anni ist im Innsbrucker Stadtteil Hötting eine Institution. Seit 60 Jahren betreut Anna Pilsinger ihre Kundschaft, schneidet und färbt Haare. Dabei kommt es ihr auf das Zwischenmenschliche an. Die Dankbarkeit der Kundschaft ist ihr täglich Brot. „Ich habe nie sehr an das Geld gedacht, sondern Freude daran gehabt die Kundschaft schön zu machen“, erklärt sie ihr Unternehmenskonzept, „dafür sind manche Kundinnen 40 bis 50 Jahre bei mir geblieben. Da baut man ein richtiges Vertrauensverhältnis auf.“

Bereits Pilsingers Vater war Friseurmeister. Von Kindesbeinen an wuchs sie mit dem Handwerk auf und half schon in jungen Jahren, wenn auch manchmal widerwillig, im väterlichen Laden aus. Ursprünglich wäre sie gerne Schneiderin geworden, doch die Familientradition holte sie ein. Eine Perfektionistin mit der Schere ist sie dennoch geworden. Nach über sechs Jahrzehnten, in denen Pilsinger am liebsten neue Farben in die Haare ihrer Kundinnen zauberte, zieht sie nun einen Schlussstrich. „Ich möchte in Zukunft viel sporteln und die Freiheit genießen. Langweilig wird mir sicher nicht.“ Anfang Jänner 2022 wird sie ihren Salon schließen.

Ernst Jantschitz und seine Tochter Christine Kern im Salon Biosthetik in Innsbruck
Kann es immer noch nicht lassen. Ernst Jantschitz mit seiner Tochter Christine Kern.
© WK Tirol/Tschackert

Ernst Jantschitz kann es hingegen immer noch nicht lassen. Auf den ersten Blick sind die Hände das einzige Indiz für sein Alter. Sie zeigen die Spuren eines gesamten Arbeitslebens und sind gerade dunkel verfärbt, von der Farbe, welche die letzte Kundin nun in den Haaren trägt. Ansonsten macht Jantschitz nicht den Eindruck eines 91-Jährigen. Seine Augen versprühen Tatendrang. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Tu ich nichts mehr, kann ich nur noch ins Gasthaus gehen und mir da die Gesundheit verderben oder ich bin im Salon unter Leuten und habe Kontakt. Das ist mir lieber“, erklärt er und ein Lächeln umspielt seine Mundwinkel.

Der altgediente Friseurmeister steht im Salon, den seine Tochter Christine Kern bereits übernommen hat. Seit seinem 20. Lebensjahr schneidet Jantschitz bereits Haare. Eigentlich hätte er Elektriker werden sollen, zumindest wenn es nach seinem Vater gegangen wäre. Doch schon nach kurzer Zeit wusste Jantschitz, dass er lieber Haare schneiden will und ist bis heute dabeigeblieben. An seinem Beruf schätzt er vor allem den Kontakt mit der Kundschaft. So kommen bis heute treue Stammgäste zu ihm, um sich frisieren zu lassen. „Die Kunden sind ja eigentlich schon alte Freunde. Da kennt und schätzt man sich, erzählt Persönliches. Da musst du zuhören und kannst dir dann deinen Teil denken. Es gibt ja auch eine gewisse Schweigepflicht“, beschreibt Jantschitz sein Vertrauensverhältnis zur Stammkundschaft, die ihm bis heute die Treue hält.

Karriere mit Schere

Um sich mit dem eigenen Salon aus der breiten Masse abzuheben, braucht es neben dem guten Verhältnis zur Kundschaft vor allem eine gute Technik. Da sind sich die Friseurmeister Jantschitz und Pilsinger einig. Dabei kommt es vor allem auf Genauigkeit an. Haarschnitte wie sie Mireille Mathieu trug, sind eine hohe Form der Kunst und erfordern äußerstes Geschick mit der Schere. „In all den Jahren ist viel Handwerkstechnik verloren gegangen“, bedauert Anna. Darum sei es wichtig, Lehrlinge sofort mit dem Beginn ihrer Lehre zu fördern und zu fordern. „Immer, wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt, hat man die Chance, von Grund auf zu lernen damit umzugehen“, weiß Pilsinger.

In der Lehrzeit sollten vor allem die Grundtechniken perfektioniert, aber auch die eigene Kreativität gefördert werden. Dafür seien Weiterbildungen und Schulungen unerlässlich. Für eine Karriere mit Schere raten Jantschitz und seine Tochter potenziellen Berufseinsteigern, fleißig zu arbeiten. „Es kommt auf den jeweiligen Lehrling drauf an. Wir haben viele gute Lehrlinge gehabt, nur muss man in diesem Beruf sehr tüchtig sein“, meint Jantschitz. Doch um als Friseur gut abzuschneiden, scheint die Freude an der Arbeit noch wichtiger als der Fleiß. Sie ist essentiell und brachte Pilsinger und Jantschitz dazu, bis ins hohe Alter ihrem Gewerbe nachzugehen. Man darf diese Freude nie verlieren, nicht einmal nach sechs Dekaden im Beruf oder mit 91 Jahren.

Weitere Informationen: Karriere mit Schere