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Konsumstimmung durch Unsicherheit getrübt

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Die Konsumstimmung in Tirol bewegt sich entlang des Pandemieverlaufs in Wellen. Der neuerliche Lockdown kühlt die Stimmung laut der aktuellen Konsumentenbefragung deutlich ab.

Seit dem Jahr 2009 erhebt die Wirtschaftskammer, gemeinsam mit der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) und der Tiroler Tageszeitung, regelmäßig die Stimmungslage in der Tiroler Bevölkerung. Stefan Garbislander stellte Anfang der Woche die Konsumentenbefragung für Herbst/Winter 2021 vor. Neben der Konsumeinstellung wurde auch die Meinung zur Impfpflicht und zum Umgang mit der anhaltenden Corona Pandemie erhoben. Gegenüber der letzten Erhebung im April 2021 herrscht eine angespanntere Stimmung. Obwohl die wirtschaftlichen Kennwerte als stabil empfunden werden, schürt der gegenwärtige Lockdown und die damit einhergehende Planungsunsicherheit Sorgen in der Gesellschaft.

Verhaltenes Konsumklima

Während die eigene finanzielle Lage und die gegenwärtige Großwetterlage der Wirtschaft, von der Mehrheit der Befragten als eher stabil eingeschätzt wird, steigt die empfundene Unsicherheit. Die allgegenwärtige Planungsunsicherheit im anhaltenden Lockdown senkt die Erwartungen für die Zukunft, besonders für die Entwicklung des Arbeitsmarktes. „In der Konsumstimmung Tirols lässt sich eine Wellenbewegung feststellen, die sich an den jeweils gültigen Maßnahmen orientiert,“ erklärt Stefan Garbislander. Der Tiroler Konsumklimaindex fällt daher im Dezember wieder auf null. Mit Ende des Lockdowns könnte es demnach zu einer Verbesserung der Konsumstimmung kommen.

Dennoch bleibt die Konsumbereitschaft im mittleren Segment vor Weihnachten ungebrochen stabil. Etwa ein Viertel der Bevölkerung möchte in den nächsten zwei bis drei Monaten eine Anschaffung bis zu 700 Euro tätigen. Obwohl etwa 35% der Bevölkerung eine Inflation von mehr als 3% erwarten und momentan nicht zum Sparen raten, führt diese Erwartung nicht zu einem erhöhten Konsum von Gütern des gehobenen Preissegments. „Große Anschaffungen werden derzeit aufgeschoben“, so Garbislander, „der allgemeinen Unsicherheit geschuldet, verharren die Konsumenten in einer Warteposition.“

Garbislander, Stefan, WK Tirol Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik, Innovation und Strategie
Stefan Garbislander, WK Tirol Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik, Innovation und Strategie

Lockdown polarisiert

Diese Unsicherheit lässt sich auch in der Einstellung zu den Covid-Maßnahmen beobachten. Während das Krisenmanagement der Regierung kritisch betrachtet wird, sinkt das Maß der Skepsis gegenüber April 2021. Allerdings wird die Arbeit der Bundesregierung in Tirol im Schnitt negativer bewertet als in den anderen Bundesländern. Den vierten Lockdown empfinden etwa ein Drittel der Bürger als wenig einschränkend, 45 % fühlen sich hingegen stark eingeschränkt. Vier von fünf Menschen können ihre Freizeit nicht mehr nach den eigenen Wünschen gestalten.

Währenddessen steigen die Existenzsorgen in der Bevölkerung. Jeder Fünfte macht sich demnach Sorgen um die Zukunft. Das Meinungsbild differenziert sich allerdings anhand des Impfstatus. Während vollständig Immunisierte eher gelassen in die Zukunft blicken, fühlen sich ungeimpfte Personen besonders eingeschränkt und von der Politik im Stich gelassen. Insgesamt lässt sich ein allgemeiner Vertrauensverlust in die wirtschaftliche Lösungskompetenz der Institutionen beobachten. Die Tiroler Landesregierung büßt hier, vor allem bei der Gruppe der Ungeimpften, am meisten Vertrauen ein.

Diese Diskrepanz lässt sich auch bei der Befürwortung des Lockdowns beobachten. Während etwa 80% aller Geimpften für einen „Lockdown für alle“ bis zum 12. Dezember plädieren, befürworten das nur 30% der bisher nicht Geimpften. Die Zustimmung zu den Maßnahmen steigt mit dem Alter und dem Bildungsgrad. Eine allgemeine Impfpflicht befürworten etwas mehr als zwei Drittel der Bevölkerung, was ungefähr der momentanen Impfquote entspricht. Etwa jeder zehnte ist in dieser Frage bisher noch unentschlossen.

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