Stühle von Hussl
Alles Unternehmen

Stühle und Tische vom Umlberg

© Gregor Sailer

Der Familienbetrieb Hussl ist auf die Produktion von Designermöbel spezialisiert. 15 Mitarbeiter fertigen hier hunderte Stühle in Serie an. Seit einiger Zeit bekommen sie Hilfe von Kollege Roboter.

Kindergärten, Seniorenheime, Universitäten, Unternehmen, Restaurants, Sitzungszimmer und sogar die Wiener Hofburg – alle diese Einrichtungen haben eines gemeinsam: Sitzmöbel vom Umlberg. Seit 1976 befindet sich in idyllischer Lage auf einem Hochplateau östlich von Innsbruck die Werkstätte der Hussl GmbH. „Mein Vater, Rudolf Hussl, hat das Unternehmen als herkömmliche Tischlerei gegründet, doch schon bald erfolgte die Spezialisierung der Produktion auf Designerstühle und Tische aus Massivholz. In den ersten Jahren war der Betrieb nahezu ausschließlich als Zulieferer tätig. Doch um aktiver und selbstbestimmter die Firmenentwicklung zu steuern, bauten wir eine eigene Marke auf“, erzählt Peter Hussl von den Anfängen. Kurz nachdem er seine Matura an der HTL Imst absolvierte, stieg Peter in den Familienbetrieb ein und führt seit mittlerweile knapp 20 Jahren gemeinsam mit seiner Schwester Beate das 15-köpfige Team an.

Die Entwicklung ihrer optisch ansprechenden wie komfortablen Produkte erfolgt in Kooperation mit namhaften Designern, aber immer anhand klarer Vorgaben von Hussl selbst. Durchschnittlich alle zwei bis drei Jahre kommt eine neue Linie auf den Markt. Nicht nur die Formgebung, sondern auch die Produktionsart und die dafür benötigten Materialien müssen zur Unternehmensführung passen. „Aus dem natürlichen Rohstoff Holz werden von uns Möbel entwickelt und erzeugt, die traditionelle handwerkliche Qualitäten mit modernen Anforderungen verbinden. Unsere Stühle und Tische sind grundsätzlich funktional und haben einen eigenen Charakter. Dabei wollen wir nicht, dass sie mit aller Gewalt etwas Neues darstellen, aber sie dürfen auch nicht 0815 sein.“ Geliefert werden die Möbelstücke über den deutschsprachigen Raum hinaus unter anderem nach Holland, England, Frankreich, Japan und Australien.

Geschäftsführer Peter Hussl hat ein Gespür für Möbel mit Charakter.
Geschäftsführer Peter Hussl hat ein Gespür für Möbel mit Charakter.
© WK Tirol

8.000 Stühle pro Jahr

Von jeder einzelnen Stuhlreihe werden große Stückzahlen gefertigt. Bis zu 8.000 Stühle entstehen pro Jahr – eine ordentliche Serienproduktion, für diesen entlegenen Standort, welcher auf Kunden übrigens eher beeindruckend als abschreckend wirkt. Auch die Logistik funktioniert einwandfrei, Lieferungen werden ohne Schwierigkeiten an- und abtransportiert. Standardprogramme, die sich immer gut verkaufen, sind im Lager vorrätig. Größere Aufträge – dabei handelt es sich meist um mehrere hundert Stühle – werden je nach Projekt produziert. Das bedeutet dann jede Menge anstrengende und monotone Handarbeit beispielsweise an der Kreissäge, die gleichzeitig auch sehr gefährlich ist.

Peter Hussl hat in den vergangenen zwei Jahren deshalb viel Geld in Digitalisierung und Automatisierung investiert. „Beim Zusägen der Stuhlbeine werden wir nun von einem neuen Kollegen unterstützt – einem kollaborativen Roboter. Die Arbeit mit dieser Maschine ist spannend und interessant. Es braucht erfahrene Handwerker, um den sogenannten Cobot störungsfrei zum Laufen zu bringen“, erklärt Hussl. Der agile Roboterarm nimmt per Saugnapf Holzstücke von einem Stapel und platziert sie vor der Kreissäge. Diese sägt sie dann in Form, bevor der Cobot das fertige Holz wieder aufgreift und auf einen neuen Stapel legt. Im Anschluss werden die Teile händisch verleimt.

Roboter ersetzen keine Mitarbeiter

Neben diesem Gerät ist ein klassischer Industrie-Roboter für das Lackieren von Stühlen zuständig. Und auch die CNC-Maschine, die einen Tag nach dem Rolling Stones Konzert in Imst, am 1. Juni 1999, ins Haus geliefert wurde – wie sich Hussl lebhaft erinnert – ist nach wie vor eifrig im Einsatz und wird von Firmenchefin Beate Hussl selbst bedient.

„Wir wollen uns mittelfristig das Leben einfacher machen und versuchen, anstrengende Arbeit zu vermeiden. Fachleute zu bekommen, ist schwer und die Arbeitszeit, die durch die Roboter frei wird, können wir besser nutzen, indem wir beispielsweise Produkte entwickeln oder individuelle Vorrichtungen bauen. Dass Roboter meine Mitarbeiter eines Tages ersetzen könnten, kann ich mir nicht vorstellen“, sieht Hussl motiviert in die Zukunft.

Weitere Informationen: www.hussl.at