Christine Pernlochner-Kügler ist Bestatterin und Psychologin.
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Abschied mit passendem Rahmen

Christine Pernlochner-Kügler ist Bestatterin und Psychologin.
© Gerhard Berger

Bestattung und mehr. Christine Pernlochner-Kügler und ihr Team begleiten Menschen durch die erste Zeit nach dem Tod eines Angehörigen. Dafür braucht es Feinfühligkeit, Klarheit und viel Empathie.

Trauerzentrum steht in großen Lettern auf dem unscheinbar wirkenden Gebäude im Innenhof der Schöpfstraße 37 in Innsbruck. Mit Trauer verbindet man für gewöhnlich schwarz oder grau, dunkle und düstere Farben jedenfalls. Man würde nicht vermuten, dass in diesem Gebäude lichtdurchflutete und sehr ansprechend eingerichtete Räume liegen. „Unsere Räumlichkeiten sind hell und freundlich, weil wir wissen, wie dunkel es in einer Familie wird, wenn ein Mensch stirbt“, sagt Christine Pernlochner-Kügler, Geschäftsführerin der Bestattung I. Neumair.

2012 hat die Philosophin und Psychologin das Bestattungsinstitut gemeinsam mit dem zweiten Geschäftsführer Markus Ploner übernommen. „Dass ich einmal Bestatterin werde und eine eigene Firma habe, das hätte ich mir nie gedacht“, schmunzelt die Unternehmerin. Über Fortbildungen, die die beiden für Tiroler Bestatter angeboten haben, haben sie schließlich selbst in der Branche Fuß gefasst.

Wahrheit, Klarheit und Struktur

Eine Besonderheit des Bestattungsinstituts I. Neumair ist die Verabschiedung am offenen Sarg. „Wir bieten das den Angehörigen proaktiv an und es hat sich inzwischen etabliert“, sagt Pernlochner-Kügler. Wie kann man sich eine Verabschiedung am offenen Sarg vorstellen? Im Abschiednahmeraum ist der Verstorbene aufgebahrt. Mitglieder der Familie und Freunde können einzeln hineingehen, den Verstorbenen ein letztes Mal sehen, berühren und ihm oder ihr auch noch etwas sagen, was bisher ungesagt blieb. Dabei werden sie immer von einem Mitarbeiter des Bestattungsinstituts begleitet.

„Es ist ganz wichtig, dass der Abschied am offenen Sarg gut begleitet wird. Wir bleiben aktiv bei den Angehörigen dabei und behalten jeden einzelnen im Blick. Bei Bedarf können wir rechtzeitig reagieren und die Angehörigen dann aus der Situation herausholen“, beschreibt die Psychologin und erklärt weiter: „Angehörige brauchen in Krisensituationen Wahrheit, Klarheit und Struktur. Sie müssen im Vorfeld wissen, was sie erwartet und der Ablauf muss gut strukturiert sein. Dann wird der Abschied als tröstlich erlebt, die Trauer wird aufgehellt und wir ermöglichen damit einen gesunden Start in den Trauerprozess.

Im Abschiednahmeraum können sich Angehörige am offenen Sarg verabschieden. Dabei werden sie immer begleitet.
Im Abschiednahmeraum können sich Angehörige am offenen Sarg verabschieden. Dabei werden sie immer begleitet.
© Fotowerk Aichner

Individuelle Alternativen

Die moderne Verstorbenenversorgung – Thanatopraxie genannt – ist gängige Praxis bei der Bestattung I. Neumair. Christine Pernlochner-Kügler und Markus Ploner haben sie österreichweit thematisiert und schließlich eingeführt. Thanatopraxie ermöglicht auch in schwierigen Situationen, zum Beispiel nach einem Unfall, einen friedlichen Abschied vom Verstorbenen. „Ziel ist ein gepflegtes und friedliches Aussehen des Verstorbenen. Die Maßnahmen richten sich nach dem Zustand des Verstorbenen. So reichen die Versorgungstätigkeiten von einer erweiterten Körperpflege des Verstorbenen, den Techniken der Wundversorgung bis hin zum Modern Embalming – zur Konservierung für Überführungen ins Ausland“, sagt die Landesinnungsmeister-Stellvertreterin der Bestatter.

Ein besonderer Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf individuellen Trauerfeiern. „Eine Trauerfeier soll zum Leben des Verstorbenen passen und den Bedürfnissen der Angehörigen gerecht werden“, ist Pernlochner-Kügler überzeugt. Sei es eine Abschiedsparty mit Catering und Getränken im Trauerzentrum oder eine Verabschiedung an einem Ort, der dem Verstorbenen sehr wichtig war – das Team der Bestattung I. Neumair ist für alles offen und kümmert sich um die gesamte Organisation. Die Mitarbeiter des Bestattungsinstituts leiten auch weltliche Trauerfeierlichkeiten und fungieren als Trauerredner. „Wir können beobachten, dass in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach Alternativen zu den traditionellen kirchlichen Feiern stark gestiegen ist“, erzählt die Unternehmerin.

Porträtfoto Christine Pernlochner-Kügler
© Gerhard Berger
Funktionärssteckbrief Christine Pernlochner-Kügler
Porträtfoto Christine Pernlochner-Kügler
© Gerhard Berger

Was hat Sie dazu motiviert, Funktionärin zu werden?

Michael Carli ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, bei der Grünen Wirtschaft aktiv mitzuarbeiten. Er hat gemeint: „Probier’s halt mal.“ Ich wurde tatsächlich in den Ausschuss gewählt und wenig später wurde ich auch zur Landesinnungsmeister-Stellvertreterin bestellt.

Worauf sind Sie in Ihrer Funktionärstätigkeit stolz?

Stolz bin ich darauf, dass ich die einzige Grüne im Ausschuss bin. Im Team haben wir ein super Einvernehmen, wir ziehen alle an einem Strang. Mir ist es sehr wichtig, den Umweltgedanken einzubringen und ich bin hier sicher ein Vorbild für die Branche. Wir verwenden ausschließlich Baumwoll- und Leineneinbettungen, bei den Hüllen setzen wir auf vergängliches Zellulosematerial.

Welche Ziele verfolgen Sie als Funktionärin?

Der Hauptfokus ist zurzeit die Kollegen durch Corona zu begleiten. Wir müssen alle Verordnungen im Auge behalten und rechtzeitig für Klarheit sorgen, denn nicht immer ist alles ganz klar formuliert. Ansonsten steht für mich die Umwelt im Vordergrund und ich bin für alle Anliegen meiner Kollegen da.

Wissen weitergeben

Seminare sind ein weiterer Geschäftszweig. „Für das Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe in Innsbruck gebe ich schon sehr lange Seminare. Studierende aus allen Pflegeausbildungen haben einen Halbtages-Workshop bei uns. Wir bringen ihnen das Thema Verstorbenenversorgung näher und sie bekommen von uns Tipps für den Umgang mit Verstorbenen in ihrer Arbeit als Pflegerinnen und Pfleger. Das ist sehr wichtig für die Studierenden, dadurch können sie Ängste abbauen und sind gerüstet für den Fall, dass sie in der Arbeit mit einem Verstorbenen zu tun haben. Außerdem können all jene, die das wollen, in einem Sarg probeliegen“, fasst die Unternehmerin zusammen.

Christine Pernlochner-Kügler gibt ihr umfassendes Wissen gerne weiter. Auch einige Krimiautoren, darunter der Tiroler Bernhard Aichner, klopfen bei der Innsbrucker Bestatterin an und holen sich fachliches Know-how für ihre Bücher. Wie ist ihre persönliche Sicht auf den Tod? „Als Bestatterin lernt man eine professionelle Distanz gegenüber dem Tod einzunehmen. Und aus Erfahrung weiß ich: Die Angst vor dem Tod wird schnell kleiner, je sachlicher man sich informiert und sich konkret mit dem Tod auseinandersetzt.“

Anfang Oktober ist Pernlocher-Küglers erstes Buch erschienen. Es trägt den Titel „Du stirbst nur einmal. Leben kannst du jeden Tag.“ Darin erzählt die Bestatterin von ihrem Beruf und gibt Ratschläge, wie Hinterbliebene den Verlust besser verarbeiten können und welche Trauerrituale dafür hilfreich sind. „Der Verlag ist auf mich zugekommen und hat mich zu diesem Buch überredet. Der erste Lockdown hat mir dann auch die Zeit verschafft. Das war in dieser Zeit ein positiver Aspekt“, resümiert Pernlochner-Kügler.

Weitere Information: www.neumair.rip

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