Symbolbild: Lockdown muss enden - Weihnachtsshopping kann starten
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„Betriebe müssen wieder aufsperren!“

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Das vierte Zusperren der Betriebe kostet in Tirol rund eine halbe Milliarde. WK-Präsident Walser erklärt, was im Lockdown dringend zu verbessern ist und warum der Öffnungstermin halten muss.

Lockdown und Adventszeit – die beiden werden auch im zweiten Anlauf keine Freunde mehr. Schon wieder vermiest uns Corona die Weihnachtsstimmung, begleitet von einem massiven wirtschaftlichen Schaden. Zwischen 150 und 180 Millionen Euro sind es, die sich wöchentlich aufgrund des Lockdowns allein in Tirol in Luft auflösen. Bis zum 12. Dezember summiert sich dieses Finanzloch auf rund eine halbe Milliarde. Und jetzt wird schon wieder darüber diskutiert, ob der Lockdown in die Verlängerung gehen könnte.

Präsident Christoph Walser lehnt dies klar ab: „Vor der Verhängung des Lockdowns sind nicht alle Mittel ausgeschöpft worden. Umso wichtiger ist es, dass das jetzt geschieht und der von der Politik angekündigte Termin hält“, fordert Walser. Zum einen, um den Menschen eine halbwegs normale Weihnachtszeit zu gönnen, zum anderen, um vor allem Handel und Tourismus ein Desaster zu ersparen. Zudem würde eine Verlängerung des Lockdowns katastrophale Effekte für den Arbeitsmarkt mit sich bringen: Aktuell versuchen viele Betriebe, mit Urlaub oder Kurzarbeit über die Zwangspause zu kommen und Mitarbeiter zu halten.

Betriebe schauen durch die Finger

„Bei einer Verlängerung geht den Betrieben die Luft aus und die Arbeitslosigkeit würde explodieren“, warnt Walser. Daher müssen alle Branchen am 13. Dezember wieder öffnen. Die bewährte FFP2-Maskenpflicht für Kunden und Mitarbeiter sowie die erprobten Präventionskonzepte der Betriebe können die nötige Sicherheit gewährleisten, betont der Präsident.

„Wenn die Wirtschaft schon mit dem schärfsten zur Verfügung stehenden Mittel, dem Lockdown, belastet wird, dann müssen zumindest die Rahmenbedingungen dafür passen“, so Walser. Das ist etwa bei den Unterstützungsleistungen nicht der Fall, da diese nur mangelhaft auf die herrschende Situation eingehen. Viele Coronahilfen greifen erst bei Umsatzrückgängen von 40 Prozent und mehr. Mit der Folge, dass viele Betriebe bei den Unterstützungen durch die Finger schauen. Daher fordert die WK Tirol, den für die Inanspruchnahme einer Unterstützungsleistung erforderlichen Umsatzrückgang auf 30 Prozent zu senken.

WK-Präsident Christoph Walser
WK-Präsident Christoph Walser

Erschwerend kommt für die Unternehmen dazu, dass sich Mitarbeiter, die aufgrund eines positiven Testergebnisses in Quarantäne müssen, derzeit „aus Kapazitätsgründen“ nicht mehr nach fünf Tagen freitesten können. „Das ist ein massives Problem für die Firmen, das schleunigst gelöst werden muss“, fordert Walser. Wenn Mitarbeite­r länger fehlen als unbedingt nötig, und vor allem ungeplant, kommen Betriebe unnötig in größte Schwierigkeiten.

Standort zukunftsfit machen

„Die große Herausforderung für die kommenden Monate wird es sein, nach dem Brechen der vierten Welle die Zahlen nachhaltig auf niedrigem Niveau zu halten. Dafür muss die Politik ein wirksames Paket mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Maßnahmen schnüren. Das ist unangenehm, aber weitaus besser als der nächste Lockdown“, erklärt Walser.

Vor allem braucht es ein rascheres und effektives Gegensteuern, als es im Herbst der Fall war. Für den Präsidenten ist es höchst an der Zeit, Ruhe in die Betriebe zu bringen und den Standort für die Herausforderungen der Zukunft fit zu machen. Die Klimavorgaben, der weitere Ausbau der Digitalisierung sowie der Fachkräftemangel sind drei zentrale Herausforderungen, denen sich die Politik mit voller Kraft widmen muss.

Spaltung der Gesellschaft verhindern

Wie wir die kommenden Tage bewältigen, hängt in hohem Maße auch von den Konsumentinnen und Konsumenten ab. Der Präsident weist darauf hin, dass viele Betriebe über eigene Onlineshops verfügen und mit Click & Collect die Wertschöpfung in Tirol gehalten werden kann. „Nur wenn Kunden und Betriebe, Wirtschaft und Gesellschaft, Politik und Behörden, Geimpfte und Ungeimpfte zusammenhalten, wird es uns gelingen, eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern und diese Pandemie nachhaltig zu überwinden“, ist Walser überzeugt.

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Was kostet der Lockdown die Tiroler Wirtschaft?

Der Lockdown verursacht einen Schaden von 150 bis 180 Millionen Euro pro Woche. Je näher die Wintersaison kommt, desto höher wird dieser Wert, weil für das Tourismusland Tirol wichtige Umsätze nicht lukriert werden können. Das wirkt sich dann auch auf weitere Branchen aus.

Welchen Unterschied macht eine Öffnung am 13. Dezember oder später?

Einen großen, weil es sich um ein sensibles Datum handelt. Nur im Fall der angekündigten Öffnung können die Handelsgeschäfte zumindest einen Teil des Weihnachtsgeschäfts retten. Dasselbe gilt für den Tourismus, der dann noch einen einigermaßen verkraftbaren Saisonstart hinlegen kann.

Wie problematisch sind kurzfristige Entscheidungen für die Betriebe?

Waren einkaufen, Lagerbestände auffüllen, Mitarbeiter finden und anstellen – das alles ist für die Betriebe ohne ein Mindestmaß an Planungssicherheit nicht machbar. Auch die Konsumenten brauchen diese Berechenbarkeit und Perspektive, speziell wenn es um größere Kaufentscheidungen geht.

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