Multichannel ist die Zukunft des Handels

Lesezeit 3 Minuten
Symbolbild Digitalisierung
© NicoElNino - stock.adobe.com

Branchensprecher Markus Schwarzenberger sieht in Sachen Digitalisierung noch großen Aufholbedarf in der Tiroler Handelslandschaft.

Das zweite Jahr in Folge wird das für den Handel so wichtige Weihnachtsgeschäft von einem Lockdown massiv beeinträchtigt. „Für kaum eine Händlerin und kaum einen Händler ist das leicht zu stemmen. Besonders dramatisch ist es aber für jene, die voll und ganz auf den Verkauf direkt im Geschäft angewiesen sind – und das sind nach wie vor zu viele“, stellt Markus Schwarzenberger, Obmann des Versand- und Internethandels in der Tiroler Wirtschaftskammer fest.

Zu wenige sind „online-fit“

Die aktuelle Situation ist auch ein Beweis dafür, dass es in Sachen Digitalisierung noch viel ungenütztes Potenzial in der Tiroler Handelslandschaft gibt. „Im Lockdown vor einem Jahr hatten viele Handelsbetriebe damit zu kämpfen, dass ihnen die Voraussetzungen gefehlt haben, um Waren online zu verkaufen, Bestellungen online abzuwickeln oder auch nur online für potenzielle Kundinnen und Kunden sichtbar zu sein. Ein Jahr später, im vierten Lockdown, den kaum jemand von uns für möglich gehalten hat, stehen die allermeisten Händlerinnen und Händler wieder genau vor den gleichen Problemen. Zu wenige haben ihr Geschäft zwischenzeitlich ,online-fit‘ gemacht“, so Schwarzenberger.

Markus Schwarzenberger
Markus Schwarzenberger

Digitalisierungsschritte unerlässlich

Diesen Umstand sieht er nicht nur im Zusammenhang mit dem aktuellen Lockdown kritisch. Vielmehr betont er, dass es in der Handelswelt von heute ganz generell wichtig ist, Digitalisierungsschritte zu setzen und sich möglichst breit aufzustellen: „Der E-Commerce hat das Konsumverhalten in den vergangenen Jahren extrem verändert. Vor allem junge Leute sind es gewohnt, immer und überall online einkaufen zu können. Und sie nutzen diese Möglichkeit auch. Das heißt nicht, dass der stationäre Handel keine Zukunft hat. Aber er muss seine unbestrittenen Stärken wie Kundennähe, Service- und Beratungsqualität mit Multichannel-Verkaufsstrategien ergänzen, um seine Kundinnen und Kunden weiterhin bestmöglich zu erreichen.“

Professionelle Unterstützung

Dabei ist dem Branchensprecher durchaus bewusst, dass es gerade für kleinere Handelsbetriebe schwierig ist, den digitalen Einstieg zu schaffen. Oft fehlen ihnen das Know-how und die Ressourcen. Deshalb rät er, sich bei Bedarf professionelle Unterstützung zu holen – beispielsweise im Rahmen des „Digital-Lotse“-Projektes: „Mit dieser Intitative haben die Wirtschaftskammer und das Land Tirol ein kostenloses und niederschwelliges Beratungsangebot geschaffen. Dabei besuchen regionale Digitalisierungs-Profis die Unternehmerinnen und Unternehmer auf Wunsch direkt im Betrieb, um unmittelbar erste Digitalisierungsmaßnahmen zu besprechen und umzusetzen.“

Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen

Die Notwendigkeit sich in der digitalen Welt breiter aufzustellen, sieht Obmann Schwarzenberger im Übrigen nicht nur für die einzelnen Betriebe sondern für den Tiroler Handel im Allgemeinen. „Der Wettbewerb wird immer härter. Wenn wir Umsätze und Kaufkraft im Land halten wollen, ist jammern der falsche Ansatz – wir müssen handeln und dafür die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen. Aus Kundensicht machen die bekannten Online-Riesen vieles verdammt gut. Es liegt an uns, den Tiroler Konsumentinnen und Konsumentinnen zu signalisieren, dass wir das auch können und vor allem wollen.“

Weitere Informationen: Projekt Digital-Lotse