WK-Präsident Christoph Walser
Kommentar

„Jeder Lockdown ist einer zu viel!“

WK-Präsident Christoph Walser
© WK Tirol/Frischauf

„Es braucht dringend Unterstützungen der öffentlichen Hand für betroffene Branchen“, fordert WK-Präsident Christoph Walser.

KOMMENTAR

Wir alle haben erwartet, dass sich die Corona-Situation im Herbst wieder verschärfen wird. Dass wir neue Rekorde brechen, übertrifft jedoch die schlimmsten Befürchtungen. Plötzlich ist alles wieder da: Überlastete Intensivstationen, Reisewarnungen, kompletter Regelungs-Wirrwarr. Kennen wir leider alles schon. Die Bundespolitik hat die vergangenen Monate definitiv verschlafen. Die Wirtschaftskammer hat dazu immer eine klare Haltung kommuniziert und betont, dass alle Mittel ausgeschöpft werden müssen, um Lockdowns zu verhindern. Das können beispielsweise flächendeckende PCR-Tests sein oder verstärkte Anreize zum Impfen wie etwa eine steuerfreie Impfprämie oder Impflotterien wie im Burgenland. Egal was – Hauptsache es wirkt. Denn: Jeder Lockdown ist einer zu viel!

Jetzt ist es aber doch passiert. Wir haben den vierten Lockdown. Und eine Impfpflicht. Ich nehme diese demokratisch legitimierte Entscheidung zur Kenntnis. Allerdings muss die Politik diesen eingeschlagenen Weg so gehen, dass die Betriebe nicht ständig ins Stolpern kommen. Am dringendsten sind Unterstützungen der öffentlichen Hand für betroffene Branchen. Wenn die Gasthäuser leer sind, wenn Familienurlaube abgesagt werden, wenn die Weihnachtseinkäufe an internationale Onlineplattformen verloren gehen – dann wird es höchste Zeit, den Betrieben bei der Eindämmung des Schadens unter die Arme zu greifen. Das Auf und Ab der letzten zwei Jahre hat die Reserven aufgebraucht, zahlreiche Firmen stehen mit dem Rücken zur Wand.

WK-Präsident Christoph Walser

Zudem braucht es bei vielen Details Klarheit und Regelungen mit Hausverstand. Dass das Saisonnierskontingent aufgestockt wird, ist erfreulich – der Start ab 1. Jänner ist für die Betriebe zu spät; dass es über die bei uns bekannten Impfstoffe hinaus weitere Hersteller gibt, ist hilfreich – aber wir brauchen die Anerkennung dieser Impfstoffe, sonst fehlt uns ein Teil vorwiegend osteuropäischer Arbeitskräfte und Gäste; dass die großen Lebensmittelketten wieder einmal auch Fernseher, Blumen und Sportartikel verkaufen dürfen, mag bequem sein – aber es ist gegenüber den zugesperrten Fachgeschäften absolut unfair.

Unfair – das ist auch das Stichwort für die Stimmung im Land. Die Geimpften finden die Ungeimpften unfair und umgekehrt. Wir müssen jetzt aufpassen, dass Corona unsere Gesellschaft nicht dauerhaft spaltet und sollten daher bei Wortmeldungen nicht auf den nötigen Respekt vergessen. Wir werden uns alle wieder zusammenraufen müssen – denn letztlich können wir die Pandemie nur gemeinsam überwinden. Mit viel Eigenverantwortung, mit frühzeitigem Handeln und mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen: endlich wieder „Normalität“ zu erreichen.

E christoph.walser@wktirol.at

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