Den über 100 Mitarbeitern von Holzbau Saurer die Arbeit zu „sichern“, war eine der Haupttriebfedern für den Beschaffungs-Kraftakt.
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Regionaler Beschaffungs-Kraftakt

Den über 100 Mitarbeitern von Holzbau Saurer die Arbeit zu „sichern“, war eine der Haupttriebfedern für den Beschaffungs-Kraftakt.
© Holzbau Saurer/Fotostudio Rene

Holzbau Saurer ist es gelungen, den plötzlich so teuer wie rar gewordenen Baustoff Holz regional zu beschaffen. Quasi über Nacht wurde eine durch und durch nachhaltige Lösung initiiert.

Es ist irrsinnig, durch und durch irrsinnig, was die Baubranche seit eineinhalb Jahren stemmen muss. Als wäre die Corona-Pandemie an sich nicht genug, infizierte das Virus die Preise für Baumaterialien und trieb sie in schwindelerregende Höhen. Trotzdem sich die Lage im Sommer 2021 leicht entspannte, bleibt die Welt des Bauens von neuen Dynamiken beherrscht. Holz, Stahl, Zement, Dämmmaterial und Kunststoffprodukte sind zur hart umkämpften Mangelware geworden und bizarr wirkt, dass die in Europa oder in den USA für den Aufschwung der angeschlagenen Wirtschaft geschnürten, milliardenschweren Infrastrukturpakete die Material-Lage eher verschärfen als verbessern.

Guter Rat bleibt teuer, doch gibt es beispielhafte Lichtblicke, richtig tolle Lichtblicke, die aufzeigen, dass dem globalen Irrsinn ein Schnippchen geschlagen werden kann. Und das nicht nur clever, sondern auch regional und nachhaltig. „Etwas Positives gibt es immer“, sagt Christian Saurer, Prokurist des Familienunternehmens Holzbau Saurer in Höfen. Er macht neugierig. „Das ist eine tolle Geschichte. Wir haben die Stärken der Region, die Stärke des Außerfern ausgelebt, damit uns die äußeren Einflüsse nicht behindern“, sagt Wolfgang Winkler, Leiter der WK-Bezirksstelle Reutte, und verstärkt die Neugier auf das, was da jenseits des Fernpass‘ gelungen ist.

Holzbau-Profis seit fast 60 Jahren

Wie überall, so hatten die Lieferengpässe am Bau, die parallel zum ersten Lockdown so richtig eng wurden, auch im Außerfern beziehungsweise dem Bezirk Reutte voll zugeschlagen. Und wie alle Holzbauunternehmen, so wurde auch Holzbau Saurer davon kalt erwischt. „Wir hatten unserem Nachbarn in Höfen, Koch Media, eine Halle angeboten, die wir nicht machen hätten können, weil wir das Material nicht bekommen haben“, sagt Christian Saurer. Er ist nicht nur Prokurist und für Personal wie Beschaffung verantwortlich, sondern auch Mitglied der dritten Saurer-Generation im 1963 gegründeten Holzbau-Unternehmen, dessen Beitrag zu den ständig wachsenden Möglichkeiten mit dem ständig nachwachsenden Rohstoff enorm ist.

Mit angemessener Hochachtung muss dabei zwingend ins Jahr 1995 zurückgeblickt werden, in dem Manfred und Wolfgang Saurer – die zweite Generation an der Spitze des Familienunternehmens – bislang für unmöglich Gehaltenes möglich gemacht hatten. Mit dem Bau der Sporthalle in Reutte hatte das Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes Dimensionen gesprengt und bewiesen, dass mit dem natürlichen Baustoff auch groß gedacht werden darf. Die Außerferner hatten es geschafft, mit dem vielseitigen, leichten und natürlichen Baustoff in die Domäne des Massivbaus einzudringen.

Seither hat Holzbau Saurer mit bemerkenswerter Dynamik die Welt des Holzbaus verändert – und das weltweit. Ein Highlight war und bleibt der Bau des Design-Centers für Aston Martin, den britischen Sportwagenhersteller in dessen Stammsitz in Gaydon. Gaydon liegt nahe Birmingham, mitten in England im District Stratford on Avon – wo William Shakespeare zur Welt kam und auch starb. Jedenfalls ist Gaydon weit weg von Höfen und es ist recht unverfänglich zu behaupten, dass sich vor und nach 2007 wohl noch nie so viele Außerferner auf einmal in der Geburtsstadt der schnittigen James Bond-Autos tummelten.

Christian Saurer
Christian Saurer

Lieferkette als Herausforderung

Es folgten – neben vielen Einfamilienhäusern aus Holz – zahlreiche weitere, herausfordernde Bauvorhaben. In die Schlagzeilen schaffte es 2019 etwa die mobile „Rückzugszone“ für die Formel I-Teams von Red Bull – eine Ingenieursleistung der Sonderklasse, wurde für die „Energy Station“ doch ein Baukastensystem umgesetzt, das ein bisschen an Lego erinnert. Für das von Holzbau Saurer gebaute Generationenhaus im norwegischen Stavanger erhielten die Architekten im Herbst 2020 den norwegischen Staatspreis für Architektur.

Knapp ein halbes Jahr vor dieser Ehrung durch die Hintertür, war Holzbau Saurer meuchlings von der plötzlichen Holzknappheit überrumpelt worden. „Den ganz großen Auftrag dieser Zeit – das Ceratizit-Gebäude im Breitenwanger Ortsteil Kreckelmoos – hatten wir preislich fixiert und unser Leimbinderhauptlieferant ist zu dem Preis gestanden. Er konnte uns aber kein frisches Material liefern, weil er selber nichts hatte“, erinnert sich Christian Saurer an diese für Bauunternehmen wie Bauherren heiße Zeit der gigantischen Preissteigerungen und Lieferengpässe.

Bemerkenswerter Kraftakt

Im April 2020 war der komplette Lieferstillstand eingetreten. „Da habe ich sogar in meinem eigenen Wald Holz geschlagen und zu unserem Sägewerks-Partner gebracht, damit wir wenigstens irgendwas zum Arbeiten hatten“, skizziert Christian Saurer die Lage. Sie war per se schon extrem und wurde richtig brenzlig, als klar wurde, dass für den Bau der großen Logistik-Halle des Nachbarn Koch Media kein beziehungsweise nicht ausreichend Holz zu bekommen war. Es war mehr als eine Frage der nachbarschaftlichen Treue oder der traditionsunternehmerischen Ehre, die Christian Saurer dazu animierte, nicht nur mit Holz aus dem eigenen, kleinen Wald die Knappheit zu kompensieren, sondern den Außerferner Wald ins Auge zu fassen.

„Das wichtigste war, dass unsere Mitarbeiter immer Arbeit haben“, sagt er. Aktuell sind 104 Menschen bei Holzbau Saurer beschäftigt und dass sie bereits Mitte Mai 2020 wieder normal arbeiten konnten, liegt an einem bemerkenswerten Kraftakt. Als die Lieferketten gerissen waren, versuchte Christian Saurer Holz in der Region zu bekommen und das Material selber zu organisieren: „In Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer und der Bezirksforstinspektion Reutte ist uns das gelungen.“

Holzbau Saurer hat international und regional vielfach schon bewiesen, dass mit dem Baustoff Holz auch richtig groß gedacht werden kann.
Holzbau Saurer hat international und regional vielfach schon bewiesen, dass mit dem Baustoff Holz auch richtig groß gedacht werden kann.
© Holzbau Saurer/Fotostudio Rene

Noch mehr auf Regionalität schauen

WK-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler erinnert sich: „Auf kurzem Weg haben wir einen runden Tisch zusammengebracht – mit Christian Saurer, Bezirksforstinspektor Josef Walch und mir.“ Diese kleine Runde stellte sich die Frage, wie das Problem gelöst werden könnte und als die Eckpunkte klar waren, ging es ratzfatz. „Die Bezirksforstinspektion gab grünes Lichtung und unterstützte mit ihren Möglichkeiten das Anliegen des Unternehmens“, berichtet Winkler. Im ersten Streich konnte „frisches“ Rundholz sichergestellt werden. Nicht minder kurz waren die Wege, um Lagerflächen in den Gemeinden Höfen und Ehenbichl zu bekommen, wo das Holz zwischengelagert wurde.

Saurer konnte mit zwei wichtigen Partnern des Unternehmens – der Firma Theurl Holz in Osttirol und der Firma best wood Schneider im Allgäu – vereinbaren, dass sie das Außerferner Holz veredeln. „Das macht auch ökologisch Sinn, weil die Lkw, mit denen wir beliefert werden, nicht leer zurückfahren“, erklärt Christian Saurer den nachhaltigen Effekt, der durch die Verhinderung der Leerfahrten groß ist. Innerhalb von zwei Wochen ist es gelungen, einen Rundholzhandel zu organisieren, dessen Vorlaufzeit unter „normalen“ Bedingungen Jahre dauert. „Das war echt ein immenser Kraftakt. Es ging ja nicht nur darum, Rundholz einzukaufen, sondern es auch weiterzubringen“, lässt Saurer die logistische Meisterleistung erahnen, die unter anderem in der bald fertig gestellten Halle von Koch Media greifbar wird.

Auch wenn sich die Lage am Baustoff-Markt wieder normalisiert, soll diese regionale Lösung nicht aufgegeben werden. „Für uns war es eine Lehre, noch extremer auf die Regionalität zu schauen“, sagt Christian Saurer. Für Wolfgang Winkler ist dieser Beschaffungs-Kraftakt nicht nur eine tolle Geschichte, sondern ein Zeichen für die Stärke des Außerfern: „Je größer die Verwaltungseinheit, umso schneller lösen derartige Ideen ein Achselzucken aus. Es ist die Stärke einer kleinen Region, dass man sich kennt, Vertrauen hat und sich auf Augenhöhe begegnet, um Dinge zu lösen.“ Die Region hat der globalen Situation ein Schnippchen geschlagen. Ein Schnippchen mit nachhaltigem Mehrwert.

Weitere Informationen: Holzbau Saurer

Fakten: Holzbau Saurer

Ganz am Anfang der Geschichte von Holzbau Saurer steht Franz Saurer, ein passionierter Zimmermeister aus dem Lechtal, der seine Passion weitergab. An seinen Sohn Herbert Saurer, der 1963 das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Gretl gründete. Zwischen der Konzentration auf Parkettbau und der Tatsache, dass Holzbau Saurer heute ein dynamisches Generalunternehmen in der Holzbranche ist, dessen Spektrum von Einfami-lienhäusern bis hin zu großen Gewerbe-, Sport- und Industriebauten reicht, liegen einige richtungsweisende Entscheidungen und viel Mut. Wolfgang und Manfred Saurer haben die Führung des Unternehmens im Jahr 1992 übernommen und die dritte Generation steht in den Startlöchern, um weiter zu zeigen, was alles möglich ist – mit dem Baustoff Holz.

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