Workation: Ein Trend bekommt Flügel

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Symbolbild - Workation: Frau arbeitet in einem Park an einem Laptop
Als Verbindung von Urlaub und Arbeit ist Workation ein Beispiel für neue Arbeitsmöglichkeiten in der sich wandelnden Berufswelt.
Als Verbindung von Urlaub und Arbeit ist Workation ein Beispiel für neue Arbeitsmöglichkeiten in der sich wandelnden Berufswelt.
© Taras/stock.adobe.com

Aus dem großen Pool der neuen Begrifflichkeiten sticht Workation als kleiner Leuchtturm hervor. In der Kombination aus Arbeit und Urlaub steckt mehr als ein Trend.

Firmen in Tirol, Österreich und der ganzen Welt haben festgestellt, dass der digitale Abstand möglich ist“, hatte Herwig Zöttl, Geschäftsführer von Heumandl-Media und Mitgründer des Coworking Space „Raum13“ in Innsbruck, im Mai 2020 gegenüber der Tiroler Wirtschaft festgehalten. Kurz nach dem ersten Corona-Lockdown war das und im Zustand der allgemeinen Ängstlichkeit, Verwirrung und Unsicherheit hatte sich eine im Zwang geborene Tatsache als positiver Treiber für neue Arbeitsmöglichkeiten herausgestellt: Das Arbeiten fern der Firmenzentralen beziehungsweise der Arbeitgeber.

Seitdem sind viele erstaunlich produktive Monate ins Land gezogen, in denen klar wurde, dass ein Zurück zur Arbeitswelt vor dem 15. März 2020 nur bedingt – in erster Linie branchenbedingt – geben wird. Eine im März 2021 veröffentlichte, vom österreichischen Bundesministerium für Arbeit in Auftrag gegebene Studie hatte den tiefgreifenden Wandel bestätigt und Arbeitsminister Martin Kocher stellte dazu fest: „Klar ist, Homeoffice ist gekommen um zu bleiben und wird uns auch nach der Pandemie im Arbeitsleben weiter begleiten.“

Work & Vacation

Während Firmenchefs und Personalverantwortliche landauf landab die Homeoffice-Möglichkeiten für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fix in die Unternehmensorganisation integrieren und damit den über Nacht so alltäglich gewordenen Bedürfnissen und den positiven Erfahrungen Rechnung tragen, befeuern diese Entwicklungen auch Trends, in denen multiple Chancen stecken – vor allem für das Tourismusland Tirol.

Workation ist ein Wort, das aus dem großen Pool der neuen Begrifflichkeiten hervorsticht. Es setzt sich auch den englischen Worten Work, also Arbeit, und Vacation, also Urlaub, zusammen und letzteres ist es, in dem die Chancen stecken.

Würfel mit der Aufschrift Freizeit Arbeit
Workation ist eine Hybridversion eines Urlaubsaufenthaltes, der auch Arbeitsphasen beinhaltet.
© Fokussiert/stock.adobe.com

Workation ist anders als Coworkation, das ja nicht zwingend mit Urlaub verbunden ist. Coliving ist jedenfalls ein Teil des Trends, ist für Workation doch eine Unterkunft nötig. Von den digitalen Nomaden grenzt Workation der Umstand ab, dass von diesen erwartet wird, länger zu reisen. Workation ist vielmehr die Hybridversion eines Urlaubsaufenthaltes oder einer kürzeren Reise, die auch Arbeitsphasen beinhaltet und jedenfalls wird Workation als neue Form des MICE-Tourismus (Meetings, Incentives, Conventions & Events) beschrieben.

Vieles vorhanden

In den letzten Jahren sind derart viele neue Bezeichnungen auf den digitalen Acker entstanden, dass die Orientierung manchmal schwerfällt. Leicht erschließt sich aber der Reiz, der für Tourismusregionen in Workation steckt. Jenen eine Destination zu bieten, die Arbeit mit Urlaub verbinden können, wollen oder sogar sollen.

„Workation hat den Vorteil, dass vieles was es dafür braucht, in Tirol schon vorhanden ist. Das heißt Unterkünfte, Freizeitangebot und auch Arbeitsplätze – zum Beispiel in Coworking-Spaces“, hielt Julia Scharting, Standort- und Regionsentwicklerin bei der Standortagentur Tirol jüngst gegenüber TTR (TirolTourismResearch) fest und meinte zur Corona- beziehungsweise Homeoffice-bedingten Workation-Nachfragesituation: „Man merkt, dass durch die Pandemie das Thema in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist. Die Nachfrage von unterschiedlichsten Akteuren hat daher stark zugenommen.“

Dass sich für den Tourismus durch das Bespielen des mobilen und „fernen“ Arbeitens neue Möglichkeiten auftun, gegebenenfalls leere Räume und Zeiten zu nutzen, die Nebensaisonen zu füllen und nachfrageschwache Lücken zu schließen, wurde nicht nur erkannt, sondern bereits umgesetzt. Der bereits im Jahr 2019 mit dem New Work Award ausgezeichnete Mesnerhof-C in Steinberg am Rofan zählt dabei in Tirol zu den hervorstechenden Vorreitern. Und der Mesnerhof-C zeigt auch, dass für ein verlockendes Workation-Angebot mehr nötig ist, als eine schnelle Wi-Fi-Verbindung oder ein gemütlicher Bürostuhl. Workation ist eine neue Chance, aber auch eine Herausforderung. Eine spannende.