Blockchains sind bereits Realität in Tirol

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Blockchain-Lösungen ermöglichen dezentralen Datenaustausch, Dokumentenbeglaubigung und Speicherung auf höchst fälschungssichere Art.
Blockchain-Lösungen ermöglichen dezentralen Datenaustausch, Dokumentenbeglaubigung und Speicherung auf höchst fälschungssichere Art.
Blockchain-Lösungen ermöglichen dezentralen Datenaustausch, Dokumentenbeglaubigung und Speicherung auf höchst fälschungssichere Art.
© denisismagilov - stock.adobe.com

Es ist höchste Zeit, sich für die Blockchain-Technologie zu interessieren. Es winken riesige Effizienzgewinne. Wirtschaftskammer und Uni Innsbruck bieten erste Blockchain-Netze an.

Blockchains sind vielen nur im Zusammenhang mit den extrem schwankungsfreudigen Kryptowährungen Bitcoin oder Ethereum ein Begriff. Tatsächlich aber kann die Blockchain-Technologie das gesamte Wirtschaftsleben auch in Tirol revolutionieren. Und sie wird es auch tun. Erste Lösungen für heimische Unternehmen stehen bereit, wenngleich noch in einer Anfangs- und Pilotphase. Es könnte sich aber lohnen, sich hier einzuklinken.

Große Versicherungsunternehmen oder Buchungskonzerne nützen die diese Technologie bereits, aber sie ist nicht nur etwas für Großunternehmen, sondern sie ist gerade für Klein- und Mittelbetriebe eine große neue Chance. Das wurde bei einem jüngsten Webinar der Wirtschaftskammer Tirol zum Thema „Blockchain-Anwendungen“ deutlich.

Was ist eine Blockchain?

Eine Blockchain ist ein dezentrales Datennetzwerk, über das viele Geschäftsabwicklungen laufen können, von der Buchung über die Bestellung bis zur Bezahlung. Diese Vorgänge erhalten einen digitalen Fingerabdruck und werden auf verschiedenen kryptografisch verschlüsselten Wegen bestätigt sowie als „Block“ den bisherigen Datenblöcken angefügt. Alle Netzwerkteilnehmer sehen den digitalen Fingerabdruck (nicht jedoch den Inhalt der Daten) und sorgen so dafür, dass niemand einen Datensatz an einer Stelle ändern oder manipulieren kann.

Die Vorteile dieser Technologie:

1. Der Teilnehmer ist nicht von einer zentralen Instanz abhängig, benötigt bei Kauf- oder Bezahlvorgängen auch nicht einen Dritten (Bank, Notar), der die Echtheit der Daten bestätigt oder den vereinbarten Geschäftsvorgang auslöst.

2. Die Datensicherheit bei richtiger Konzeption der Blockchain ist sehr hoch. Die Daten sind nicht rückwirkend manipulier- und veränderbar.

3. Die Blockchain ermöglicht einen hohen Grad an Automatisierung in der Buchhaltung, der Lagerhaltung, sogar bei Kundenbindungsmaßnahmen. Das spart Geld und eröffnet neue Netzwerkchancen. Ganze Produktions- und Lieferketten können so massiv vereinfacht werden, wie Univ.-Prof. Michael Felderer vom Institut für Informatik der Uni Innsbruck sagt.

Solche Anwendungen sind in Österreich schon umgesetzt, vor allem im Bereich „Datenzertifizierung“. So können etwa Studenten und Mitarbeiter der Wirtschaftsuni Wien wissenschaftliche Arbeiten oder Dokumente in einer Blockchain beglaubigen lassen. Die Wirtschaftskammer Österreich arbeitet mit der WU Wien und anderen Partnern (u. a. Bundesrechenzentrum, Kontrollbank) an einer „Austrian Public Service Blockchain“ (APSB), über die alle Unternehmer in Österreich sich Daten zertifizieren und beglaubigen lassen können.

Gerichtlich anerkannt

Das ist wichtig, um alle Arten des geistigen Eigentums zu sichern, von Warenmustern über Designs, Dokumente, Verträge usw. Wichtig ist es vor auch, um die volle Rückverfolgbarkeit von Daten zu garantieren, wie Christian Baumann von der WKO-Standardisierungsinitiative AUSTRIAPRO sagt. Über www.wko.at/service/mein-wko.html können sich Unternehmer einklinken.

Eine Datenzertifizierung ist auch über www.bc-init.at möglich – eine Initiative der Blockchain Initiative Austria. Was sind diese Blockchain-Zertifizierungen und -beglaubigungen wert? Laut Baumann werden sie gerichtlich voll anerkannt als Beweis der Authentizität, wenn die Blockchain sauber aufgebaut wurde.

Christian Baumann (AUSTRIAPRO)

Die Daten-Zertifizierung ist aber nur der einfachste Bereich, den Blockchains abdecken können. Das ist nur die Basis, um komplexere Anwendungen nutzbar zu machen. Diese können beispielsweise dazu dienen, Verträge manipulationssicher im Netz zu speichern („smart contracts“) oder die Zustellung von geschäftlichen Dokumenten zu protokollieren, Frachtdokumente entlang internationaler Transportwege digital verfügbar zu machen und vieles mehr.

Ein Pionierprojekt dazu hat bereits die Universität Innsbruck gestartet – ein Netzwerk für Tourismusregionen namens „touri.chain“: Unternehmen von Tourismusdestinationen (Hoteliers, Seilbahner, Taxis, Skiverleiher, Getränke- und Speisegroßhändler etc.) können über ein Blockchain-Netzwerk alle Geschäftsvorgänge in hohem Maß automatisiert und mit voller Daten-Dokumentation abwickeln.

Der Urlauber scannt sich z. B. im Eingangsbereich des Hotels über einen QR-Code in die Blockchain ein, registriert sich damit mit seiner eigenen ID, mit der dann viele Funktionen verknüpft werden können. Die Blockchain kann alle Urlaubsprozesse abbilden, von der Hotelsuche (gleich auch kombiniert mit Informationen über die tatsächliche Verfügbarkeit) über die Skikarte, den Skiverleih, das Taxi, ganze Packages, aber auch die Bestellungen der Hoteliers bei ihren Lieferanten, wie Tourismusexperte Robert Eller vom Forschungszentrum Tourismus & Freizeit der Uni Innsbruck erklärt.

Stark wachsendes Interesse

Je mehr Anbieter in der Tourismusdestination mitmachen, desto attraktiver und wertvoller wird das Netzwerk für alle Teilnehmer, erklärt Erler. Er lädt Tiroler Unternehmer ein, sich über die ausgearbeitete Blockchain-Lösungen zu informieren und Kooperationen zu suchen. Der Link dazu: www.bigchain.link.

Eller glaubt, dass es in Tirol stark wachsendes Interesse für solche Blockchain-Lösungen geben wird, auch weil sie größere Unabhängigkeit von internationalen Buchungs-, Verkehrs- und Handelsunternehmen bedeuten können: „Die Unternehmen wollen ihre Abhängigkeit reduzieren.“

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Ausführliche weitere Informationen

Grundlegende Informationen bietet die Wirtschaftskammer mit einem Ratgeber (ratgeber.wko.at/blockchain/ bzw. über wko.at/service/netzwerke/blockchains-oesterreich.html).
Sowohl die „Austrian Public Service Blockchain“ als auch ihr Pendant im B2B-Bereich „Blockchain-Infrastruktur für die Privatwirtschaft“ befinden sich bereits im Echtbetrieb. Unternehmen, die an dieser Blockchain-Infrastruktur teilnehmen bzw. darauf Anwendungen betreiben möchten, können sich hier informieren: wko.at/service/mein-wko.html.

Weitere Informationen gibt es dazu im Rahmen des Arbeitskreises Blockchain. Im AUSTRIAPRO-Newsletter wird laufend zu Resultaten aus dem Arbeitskreis berichtet (Newsletter bestellen per Mail an austriapro@wko.at). Seit Jänner 2021 ist darüber hinaus der Verein BCI (bc-init.at) mit dem Ziel tätig, als Plattform zur Weiterentwicklung von Blockchain-Themen zu dienen.

Weitere Informationen gibt auch der Digital Innovation Hub West (dih-west.at). Er will Unternehmen mit dem Wissen von Hochschulen, Interessenvertretungen und Tech- & Digitalisierungsunternehmen in Vorarlberg, Tirol und Salzburg zusammenbringen.

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