Coding4Kids: Unmögliches möglich gemacht

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Das Projekt „Coding4Kids“ macht Initiatoren, Vortragenden und teilnehmenden Kinder sichtlich gleichermaßen Spaß.
Das Projekt „Coding4Kids“ macht Initiatoren, Vortragenden und teilnehmenden Kinder sichtlich gleichermaßen Spaß.
© Coding4Kids/Thomas Steinlechner

Auch im fünften Jahr waren die kostenlosen Coding4Kids-Sommercamps ausgebucht. Die Kinder auf spielerische Weise für Digitalisierung zu begeistern, funktioniert auf beeindruckende Weise.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten, heißt es. Im Alten Testament kommt diesem Satz eine eher fatalistische Bedeutung zu, so nach dem Motto: Böses rächt sich. Die eher üble Dramatik lässt sich aber auch umdrehen, positiv sehen im Sinn von „wer ernten will, muss säen“. Ja, das stimmt eben schon immer und es trifft auch schon immer auf das Lernen zu, das Neugier wecken und die Bewegung ankicken. So betrachtet ist es super, wenn ein Sturm geerntet wird, ein Sturm der Begeisterung, der einen Turbo zündet.

Genau das ist es, was bei den Sommercamps Coding4Kids passiert. Seit fünf Jahren können in den kostenlosen einwöchigen Kursen 10- bis 14-jährige Kinder spielerisch in die Welt der Digitalisierung eintauchen, sich darin tummeln und orientieren, die Möglichkeiten kennenlernen, anwenden und nutzen. Damit wird ein Turbo gezündet, der den Kindern selbst, aber auch dem Wirtschaftsstandort Tirol jenen Schub verleihen kann, der über die Zukunft entscheidet. Nicht weniger.

„Im Moment wird davon gesprochen, dass uns 25.000 IT-Fachkräfte fehlen. Weil wir diese Arbeitsplätze noch nicht haben, wird das nicht als Bedrohung wahrgenommen, doch es ist eine ernste Bedrohung. Weil es Unternehmen hemmt, Aufgaben bewältigen zu können und weil Wertschöpfung verhindert wird“, sagt Mario Eckmaier. Die Last der fehlenden Fachkräfte ist keine virtuelle, sie ist eine sehr konkrete. Zu konkret eigentlich.

In kostenlosen einwöchigen Kursen können 10- bis 14 Jährige bei „Coding4Kids“ spielerisch in die Welt der Digitalisierung eintauchen.
In kostenlosen einwöchigen Kursen können 10- bis 14 Jährige bei „Coding4Kids“ spielerisch in die Welt der Digitalisierung eintauchen.
© Coding4Kids/JulianHoeck

Digitale Ur-Lücke

Dass Mario Eckmaier Digitalisierungsbeauftragter der WK Tirol ist, kommt nicht von ungefähr. Er bewegt sich seit über 20 Jahren schon in der digitalen Welt, ist Head of Digital der Agentur Factor und begleitet Unternehmen und Organisationen bei der Umsetzung digitaler Projekte. Zusammen mit seinem Agenturpartner Matthias Lechner hat er eine fatale digitale Ur-Lücke erkannt und begonnen, sie mit Coding4Kids zu schließen.

„Es gab und gibt nicht wirklich eine strukturierte, flächendeckende Möglichkeit für junge Menschen, die digitale Grundbildung zu bekommen, die sie für ihr Leben und vor allem für ihr Arbeitsleben brauchen. Die Welt wird immer digitaler und eröffnet sehr viele positive Chancen, doch kein Mensch bereitet unsere Kinder darauf vor. Das hat uns gewurmt und wir sagten, wir müssen da etwas machen“, blickt Matthias Lechner in jene Zeit zurück, als der Ärger über den folgenschweren Mangel von ihm und Mario Eckmaier nicht runtergeschluckt, sondern in eine Vision transformiert wurde. Die Vision, die Tiroler Kinder in den Sommerferien „zu schnappen“, um ihnen das digitale Einmaleins beizubringen und sie dafür zu begeistern.

Vision wird Realität

„Es gab damals viele kritische Stimmen, die sagten, dass das nicht funktionieren wird, dass die Kinder sich nicht in ihren Ferien vor den Computer setzen und das auch noch ganztägig, eine Woche lang“, erinnert sich Mario Eckmaier. Dass es auch Stimmen gab, die an der Bereitschaft der Kinder in den Bezirken beziehungsweise „am Land“ zweifelten, hatte ihn, der selbst ein Landkind ist, besonders geärgert. Mit einem hohen Maß an Sturheit, Energie und Zielorientierung arbeiteten die beiden Initiatoren an einem pädagogischen Konzept, fanden Mitstreiter, die bereit waren, ehrenamtlich als Trainer zu arbeiten, und sie fanden finanziell potente, bestens vernetzte Unterstützer.

„Wir als die Sparte Information & Consulting der WK Tirol haben das Potenzial von Coding4Kids von Anfang an erkannt und die Initiative als Partner der ersten Stunde tatkräftig unterstützt. Es ist extrem wichtig, Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die digitale Welt zu ermöglichen und sie mit dem Grundwissen auszustatten, das sie für ihre Zukunft brauchen. Das stärkt sie und das stärkt den Wirtschaftsstandort Tirol“, stellt Dietmar Hernegger, Obmann der Sparte Information & Consulting, fest.

Dietmar Hernegger, Obmann Sparte Information und Consulting
Dietmar Hernegger, Obmann der Sparte Information & Consulting

Mit Rückendeckung auch des Landes Tirol und weiterer Institutionen und Unternehmen konnten vor fünf Jahren die ersten Sommerkurse angeboten werden. „Wenn aus einer Vision Realität wird, ist das einfach total schön“, sagt Mario Eckmaier. Heute kann er über die Zweifler schmunzeln: „Das ist ähnlich, wie bei der Hummel, von der Wissenschaftler sagen, sie könne gar nicht fliegen. Aber sie fliegt ganz einfach.“ Stimmt. Coding4Kids brummt regelrecht, denn die Kurse sind in jedem Bezirk ausgebucht und heuer wurden bereits Einheiten für Fortgeschrittene angeboten – für Kinder, die im Rahmen ihrer ersten Coding4Kids-Woche mit dem digitalen Begeisterungsvirus infiziert worden waren.

Diesen Virus auf allen Ebenen „spreaden“ zu lassen, ist der Schlüssel für die digitale Zukunft. Die IT-Sommerakademie für Lehrlinge am WIFI zählt nicht minder dazu. „Das ist ein ganz wunderbarer Puzzlestein, der in der Alterspyramide ein Stückchen über Coding4Kids anzusiedeln ist“, sagt Eckmaier.

Unmögliches möglich

Mit großem Spaß beobachtet er, wie die Kinder jedes Jahr aufs Neue beweisen, dass scheinbar Unmögliches möglich ist. „Sie nehmen substanzielles Wissen über die digitalen Basistechnologien mit. Sie nehmen die Challenge an, haben auch kein Problem damit, im Kurs zu schwitzen und finden cool, was sie da lernen“, weiß Eckmaier, der sich extrem gerne an einen Jungen erinnert, der beim diesjährigen Coding4Kids-Reigen dabei war.

Der Junge hatte sich vorgenommen, ein Supermario-ähnliches Spiel zu programmieren. „Seine Figur musste über Hindernisse hüpfen, beschleunigen und auch abstürzen können. Dafür brauchte er die beiden Faktoren Beschleunigung und Schwerkraft. Sein Trainer brachte ihm die theoretischen Konstrukte von Beschleunigung und Schwerkraft unter anderem auf mathematischer Basis bei und zwei Stunden später hatte der Junge sie in sein Spiel eingebaut“, erzählt Eckmaier fasziniert von Faszinierendem.

Coding4Kids 2021
© Coding4Kids/Thomas Steinlechner

Diese Dynamik ist es, die mittlerweile fast 2.000 Kinder in Tirol und Südtirol erlebt haben. Eine stolze Zahl, die das fünfjährige Jubiläum krönt. Diese Dynamik ist es auch, die zu weiteren Schritten anregt. „In einem Pilotprojekt wollen wir Fortgeschrittenenkurse während des Schuljahres anbieten, damit die Kinder weiter an ihren Projekten arbeiten können. Sie sollen sich alle zwei Wochen virtuell treffen“, erklärt Matthias Lechner.

Alle vier bis sechs Wochen – so der Plan – sollen sich die Kinder gemeinsam bei einem Unternehmen der Region treffen, bei dem es einen IT-Schwerpunkt gibt. „Und wo die Kinder Einblicke bekommen, was es bedeutet, mit diesen Technologien zu arbeiten“, führt Mario Eckmaier das jüngste Projekt weiter aus. Interessierte Unternehmen lädt er ein, sich beim Coding4Kids-Team zu melden: „Wir schlagen die Brücke und wollen damit im Herbst schon starten.“ Denn wer Wind sät, wird Sturm ernten – den Sturm der Begeisterung.

Weitere Informationen: Sommercamps Coding4Kids

Coding4Kids 2021
© Coding4Kids/Christian Knapp

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