Mädchenpower bei Luzian Bouvier. Am Unternehmensstandort in Imst absolvieren derzeit drei Mädchen die Lehre zum Installateur: Sabrina Laup aus Roppen, Lea Schattow aus Landeck sowie Jasmin Plazotta aus Wald im Pitztal (v.l.).
Perspektiven

Mädchen in typischen Männerberufen – na und?

Mädchenpower bei Luzian Bouvier: Sabrina Laup aus Roppen, Lea Schattow aus Landeck sowie Jasmin Plazotta aus Wald im Pitztal (v.l.).
© WK Tirol

Mädchen in der Technik und in typischen Männerberufen sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Das Installationsunternehmen Luzian Bouvier bildet am Standort Imst gerade drei Mädchen gleichzeitig aus.

Bohren, dübeln, hämmern, schleppen: Jasmin liebt die Abwechslung. Die 17-Jährige aus Wald im Pitztal hat lange überlegt, welchem Lehrberuf sie nachgehen soll. Von Bestatterin über Schlosserin bis hin zur Mechatronik ist ihr vieles in den Sinn gekommen. Schlussendlich entschied sie sich, Installateurin zu werden. Beim Unternehmen Luzian Bouvier in Imst hat sie einen Arbeitgeber gefunden, der keine Vorurteile gegenüber Frauen in Männerberufen hat. Denn immer mehr Frauen wagen sich in einen typischen Männerberuf und machen eine Lehre im handwerklichen oder technischen Bereich. So auch Lea aus Landeck und Sabrina aus Roppen, die beide bereits im zweiten Lehrjahr sind.

Die drei jungen Frauen wissen, dass der Anblick einer Frau auf einer Baustelle manch einen verwundern mag. Und ziehen ihr Ding trotzdem durch. Auch wenn es mal staubt und stinkt. „Ich habe mich irgendwie daran gewöhnt“, sagt die Installateurin Lea. „Ich fühle mich sogar richtig gut dabei. Mich schreckt das nicht mehr.“  Die drei unerschrockenen Ladies schrauben Solaranlagen zusammen, säubern Wasserkanister, sägen Abluftrohre auf Maß.

Berufsbild & Co

Die Lehre dauert vier Jahre. In der Lehrausbildung zum Installations- und Gebäudetechniker wird vermittelt, welche Prüf- und Messmethoden es gibt und wie man sie anwendet, wie Anlagen richtig eingestellt werden und wie man die Kunden in die Bedienung der Anlagen einweist. Neben einer Grundausbildung entscheiden sich die Lehrlinge für mindestens ein Hauptmodul: Gas- und Sanitärtechnik, Heizungstechnik oder Lüftungstechnik. Dadurch können sich die Jugendlichen schon im Laufe der Lehre auf eine Fachrichtung spezialisieren. Die Berufsschule besuchen die Mädchen einmal jährlich zehn Wochen geblockt in Innsbruck. „Hier haben wir schon Kolleginnen“, erzählt die 18-jährige Lea amüsiert. „Das zeigt, dass sich immer mehr Mädchen in diesen Beruf trauen.“

Die drei Lehrlinge haben ihren Traumberuf gefunden. Sie schrauben Solaranlagen zusammen, säubern Wasserkanister, machen Badinstallationen oder sägen Abluftrohre auf Maß.
Die drei Lehrlinge haben ihren Traumberuf gefunden. Sie schrauben Solaranlagen zusammen, säubern Wasserkanister, machen Badinstallationen oder sägen Abluftrohre auf Maß.
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Auf Augenhöhe

Drei Mädchen in einer klassischen Männerdomäne. Gelegentlich noch ein wenig ungelenk. Aber mit viel Motivation und Spaß. „Mir macht es Freude, auf der Baustelle meinem Gesellen zu helfen und ihn unterstützen zu können“, sagt Jasmin. „Auch mal einen defekten Wasserhahn auszuwechseln.“ Sabrina ergänzt: „Ich fühle mich einfach gut, wenn die Arbeit gemacht ist und alles gut geklappt hat. Dann bin ich stolz auf mich. Und natürlich auch auf die Mädels hier, meine Kolleginnen.“

Nach wie vor entscheiden sich junge Frauen vornehmlich für typische Frauenberufe wie Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Friseurin. Die Arbeit und das Leben auf der Baustelle bedarf Durchhaltevermögen: Es ist körperlich anstrengend, der Umgangston ist oft rauer, es ist kalt, dann wieder heiß und auch mal nass. In ihrem Freundeskreis sind Jasmin, Lea und Sabrina die einzigen Mädchen, die einen typischen Männerberuf gewählt haben. Finanziell betrachtet aber kein Nachteil, im Gegenteil, wie die Mädchen bestätigen. „Was wir verdienen, ist im Vergleich zu anderen Lehrlingen schon ein großer Unterschied.“

Am Unternehmensstandort in Imst absolvieren derzeit drei Mädchen die Lehre zum Installateur: Sabrina Laup aus Roppen, Lea Schattow aus Landeck sowie Jasmin Plazotta aus Wald im Pitztal (v.l.).
Am Unternehmensstandort in Imst absolvieren derzeit drei Mädchen die Lehre zum Installateur: Sabrina Laup aus Roppen, Lea Schattow aus Landeck sowie Jasmin Plazotta aus Wald im Pitztal (v.l.).
© WK Tirol

Kommunikation

Für den Lehrlingsausbilder Heiko Heiseler sind Jasmin, Lea und Sabrina die ersten weiblichen Lehrlinge. Um von Anfang an Ungereimtheiten aus den Weg zu räumen, brauchte es die richtige Kommunikation im Team: „Sabrina war die erste der drei Mädchen, die bei uns eine Lehre gestartet hat. Da wurde im Team zuvor darüber geredet und besprochen, wie wir das bestmöglich bewerkstelligen können. Auch Zweifel und Skepsis der männlichen Kollegen konnten hier gleich zu Beginn geklärt werden.“

Die Mädchen durchlaufen bei ihrer Lehre  verschiedene Stationen, welche sämtliche Installationsarbeiten umfassen. Auch die Projekte variieren von der Klein- bis zur Großbaustelle. „So bekommen die Lehrlinge schnell einen Überblick und lernen ihre Stärken kennen. Gestartet wird mit Material- und Werkzeugkunde und dann werden schon erste Erfahrungen auf der Baustelle gesammelt. Dort läuft alles über Leistung und es wird einem schnell klar, ob der Installations-Beruf die richtige Wahl ist oder nicht.“

Zukunft

Die jungen Frauen sind fleißig, arbeiten sehr genau, sind integriert und bringen ihre Kraft genauso ein wie die Männer. Mit ihrer Wahl einen männderdominierenden Beruf auszuüben, leisten die Mädchen Pionierarbeit und sorgen für ihre Zukunft vor: „Die Mädchen lernen hier die Härte des Baus kennen. Wenn sie die Lehre bis zum Abschluss durchziehen, können sie stolz auf sich sein“, so der Lehrlingsausbilder und fügt hinzu: „Sollten sie nach der Lehrabschlussprüfung lieber  im Innenbereich arbeiten, sind die Mädchen nebenbei noch perfekt ausgebildete Bürokauffrauen: Sie kennen sich mit dem Material aus, wissen, was auf der Baustelle gebraucht wird und falls sie einmal Familie haben, können sie Beruf und Familienleben perfekt miteinander vereinbaren.“

Weitere Informationen: www.bouvier.at

Tipp: Es gibt auch Förderungen

Das Arbeitsmarktservice fördert die Aufnahme von Mädchen in Lehrberufen mit geringem Frauenanteil (z. B. Kfz-Techniker, Elektriker, Tischler). Diese Beihilfe für Lehrbetriebe ist allerdings nur dann möglich, wenn vor Aufnahme des weiblichen Lehrlings ein Beratungsgespräch mit dem zuständigen Berater des
AMS erfolgte.

Übrigens: Interessierte Betriebe haben am jährlichen Girls Day die Möglichkeit, Mädchen in ihren Betrieb zum „Schnuppern“ einzuladen.

Nähere Informationen:
Bildungsabteilung der WK Tirol
T 05 90 905-7301,
E bildung@wktirol.at

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