Fuckup Nights Landeck 2021: Janik von Lerchenfeld, Uli Huber, Bettina Wenko, Hansjörg Steixner (vorne v.l.); WK-Bezirksobmann Michael Gitterle und Roger Klimek (Raiffeisenbanken im Bezirk Landeck) (hinten v.l.)
Landeck

Fuckup Nights Landeck #2

Fuckup Nights Landeck 2021: Janik von Lerchenfeld, Uli Huber, Bettina Wenko, Hansjörg Steixner (vorne v.l.); WK-Bezirksobmann Michael Gitterle und Roger Klimek (Raiffeisenbanken im Bezirk Landeck) (hinten v.l.)
© Foto Sandra

Von Brandkatastrophen und Wasabi-Zicken. Bereits zum zweiten Mal wurde Landeck Teil der weltweiten Bewegung der Fuckup Nights.

In vielen Großstädten ist die Community der Fuckup Nights bereits seit 2012 aktiv, um dem Scheitern eine Bühne zu geben. Nein, eigentlich nicht dem Scheitern. Viel mehr dem, was wir daraus lernen können. Auf Einladung der WK-Bezirksstelle und Junge Wirtschaft Landeck sowie der Raiffeisenbanken im Bezirk Landeck  kamen annähernd 100 Besucher im Schloss Landeck in den Genuss, von den Erfahrungen dreier Gescheiterter zu lernen.

Dass Fehler zum Leben gehören und uns weiterbringen können, davon erzählten Uli Huber, Janik von Lerchenfeld und Hansjörg Steixner emotional und durchaus auch mit viel Humor. Denn wo Start-ups gegründet, Unternehmen geführt, Projekte umgesetzt und Leben gelebt werden, da passieren Dinge. Gute und eben auch vermeintlich schlechte. Richtig schlecht sind sie aber nur dann, wenn wir nichts daraus lernen. Fazit des Abends: Solange du offen mit deinen Fehlern umgehst und nach Lösungen suchst, wirst du nicht scheitern. Durch den Abend führte Bettina Wenko, die das Reden übers Scheitern mit diesen Events seit 2015 in Tirol salonfähig macht.

Nach dem besten Weg suchen

Der Landecker Uli Huber, Co-Gründer und Chef-Produktentwickler bei Almut von Wildheim erzählte uns in mehreren Episoden, dass ein Start-up Leben geprägt ist von „Fuckupalen“. Diese verzögerten nicht nur den Erfolg des mittlerweile erfolgreichen Lampen-Labels, sondern brachten das Unternehmen auch immer wieder ernsthaft ins Straucheln. Wir erfuhren, dass im Prototypen-Bau schon mal Feuer ausbrechen kann, die Post bei der Produktentwicklung eine gewisse Rolle spielt und an den Tag gelegte Start-up-Arroganz („Wir können das alles besser!“) dem Erfolg nicht immer zuträglich ist.

Bereits sehr jung hat Janik von Lerchenfeld den Familienbetrieb mit 40 Mitarbeitern in die Insolvenz begleiten müssen. So eine Erfahrung prägt und verändert alles. Für ihn war damals klar, er würde den Kopf in dieser schwierigen Situation nicht in den Sand stecken, den Prozess mit Würde tragen und nach dem besten Weg suchen – wenn schon Insolvenz, dann die beste, die jemals abgewickelt wurde. Sein Tipp: Stelle dir die Frage, was ist das Schlimmste, was dir am Ende passieren kann und wer kann dir helfen? Denn es ist nie so schlimm, wie du es dir im Vorfeld ausmalst, und es gibt immer Menschen in deinem Umfeld, die dich unterstützen.

Hansjörg Steixner ist Projekt-Junkie und Ideen-Euphoriker. Neben dem Brotjob – den er durchaus leidenschaftlich ausübt – jucken ihn immer wieder unternehmerische Projekte, die meistens … tja, schief gehen. Sein liebster Fehlschlag aber war sein Ausflug als Wasabi-Bauer. Die süß-scharfe Knolle in Tirol für den japanischen Markt anzubauen, war Ziel der Unternehmung. Gemeinsam mit dem heimischen Gemüsebauer Sepp und einem japanischen Partner und viel Unwissen ging es an die Wasabi-Aufzucht. Jedoch, das empfindliche Pflänzchen war zickig und kam mit dem Tiroler Klima nicht zurecht, kulturelle (Sprach)-Barrieren erschwerten die Kommunikation, das Ergebnis war schlussendlich eher „schiach“.

Verständnis fürs Scheitern

Gastgeber Michael Gitterle (Bezirksobmann der WK Landeck) und Roger Klimek (Raiffeisenbanken im Bezirk Landeck) zeigen sich von der Veranstaltung überzeugt und freuen sich auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr. Der Zuspruch des Publikums war überwältigend groß.

Roger Klimek fördert das Verständnis fürs Scheitern: „Nachdem wir Raiffeisenbanken im Bezirk Menschen begleiten, begleiten wir auch das mögliche Scheitern. Es ist uns umso wichtiger, dass scheiternde Projekte kein Scheitern des Unternehmers als Mensch bedeutet und man auch nach möglichen Rückschlägen nach vorne blickt. Die Offenheit der Speaker zeigt, wie man aus diesen Fehlern lernt und dadurch auch besser werden kann.“

Michael Gitterle ist vom Format der Veranstaltung begeistert: „Uns ist es einfach wichtig, dass wir die Offenheit haben, auch über das Scheitern zu sprechen. Scheitern ist erlaubt und sollte nicht verurteilt werden. Es war sehr spannend, den Speakern zuzuhören. Der Abend war geprägt von Emotionen, von den Erfahrungen, warum es sich unter dem Strich nicht ausgegangen ist, bis hin zur Erkenntnis, dass man daraus fürs Leben und den weiteren Erfolg lernen kann. Perspektiven eröffnet auch die berufliche Weiterbildung und da ist unser WIFI Tirol in der Aus- und Weiterbildung mitunter an der ersten Stelle.“

Fehlerfreundliche Kultur

JW-Obmann Patrick Schwarz zur Veranstaltung: „Fuckup Nights sollen dazu animieren, eine konstruktive Fehlerkultur besonders für Gründerinnen und Gründer zu schaffen. Eine fehlerfreundliche Kultur ist für Gründer essentiell und ein Misserfolg bedeutet nicht automatisch das Ende einer Karriere. Oft muss man nur den richtigen Weg finden, denn scheitern ist die Möglichkeit, es noch einmal besser zu machen.“

„Vielleicht waren die Einsichten, Erkenntnisse und Erfahrungen, die an diesem Abend geteilt wurden, nicht bahnbrechend. Die Emotionen und Konsequenzen, die mit Niederschlägen verbunden sind, kennen wir ja alle. Die Offenheit, mit der darüber auf der Fuckup Nights Bühne gesprochen wird, ist es für mich aber immer wieder. Und genau das ist es, was die Bewegung so erfolgreich macht. Der ehrliche, reflektierte und mitunter auch humorvolle Umgang mit dem Thema bringt uns so viel weiter als ein Unter-den-Teppich-Kehren,“ so fasst Bettina Wenko, Initiatorin der Fuckup Nights Tirol, den Abend zusammen und freut sich, dass die Fuckup Nights in Landeck auch beim zweiten Mal so viel Anklang finden.

Weitere Informationen: Fuckup Nights

Kategorie(n)