WK-Präsident Christoph Walser
WK-Präsident Christoph Walser
Kommentar

Strategie statt Taktik

WK-Präsident Christoph Walser
© WK Tirol/Frischauf

„Die Lösungs-Formel lautet: Anreize statt Verbote. Und Gesamtlösungen statt Stückwerk“, betont WK-Präsident Christoph Walser.

KOMMENTAR

Ein guter Teil der Tagespolitik ist taktisches Geplänkel: Es werden einzelne Details herausgepickt und genüsslich zerlegt. Vor allem die Oppositionsparteien lassen kein gutes Haar an so gut wie allem, was die Regierung beschließt. Den einen ist’s zu viel, den anderen zu wenig – aber passend ist’s nie. Die Folge ist ein Klein-klein in den Lösungen und ein Zwei-Schritte-vor-einer-zurück in den Prozessen. Es ist höchste Zeit, dass sich sämtliche Parteien zusammenraufen und große Lösungen für unsere großen Probleme finden – vom Kampf gegen Corona über Leistbares Wohnen bis hin zur Steuer- und Arbeitsmarktpolitik.

Anreize statt Verbote

Wir brauchen erstens: Anreize statt Verbote. Das beginnt schon beim Thema Nummer 1 der letzten Monate, bei Corona. Anstatt laut über eine Impfpflicht nachzudenken, sollten mit Aufklärung das Vertrauen in die Impfung gestärkt und unkomplizierte Impfangebote weiter ausgebaut werden, wie das in Tirol bereits gemacht wird. Ohne Eigenverantwortung geht es nicht. Im Gegenzug darf auch von Impfverweigerern verlangt werden, ihre Haltung zu überdenken und nicht auf die Solidarität zu vergessen.

Wir brauchen eine solide Durchimpfungsrate, damit uns im Herbst das Virus nicht wieder einholt. Auch bei den Steuern funktionieren Anreize: Nur eine halbwegs erträgliche Abgabenquote macht Lust auf Leistung und sorgt dafür, dass die Staatseinnahmen nachhaltig sprudeln. Auch im Stichwort „Entbürokratisierung“ steckt ein Anreiz – denn es törnt nichts mehr ab, als sich bei innovativen Projekten erst einmal durch einen Berg an Formularen und anderen administrativen Hindernissen wühlen zu müssen.

WK-Präsident Christoph Walser

Und wir brauchen zweitens: Gesamtlösungen statt Stückwerk. Das gilt zu allererst für das drängende Thema Klimawende. Nur wenn wir alle Technologien zulassen und uns nicht auf Elektro einengen, nur wenn wir die Wasserkraft tatsächlich ausbauen und nicht immer nur davon reden, nur wenn wir Verladeterminals errichten und damit den Umstieg von der Straße auf die Schiene möglich machen, nur dann wird uns die Wende gelingen.

Motivation und die ganzheitliche Sicht“, WK-Präsident Christoph Walser

Anstehende Straßenprojekte blockieren, die NoVA in die Höhe schrauben und den Diesel teurer machen – mit solchen Schüssen aus der Hüfte ist noch gar nichts erreicht. Es braucht Gesamtlösungen – auch in der Bildung (Gleichwertigkeit beruflicher mit schulisch-akademischen Ausbildungen) und bei der Belebung der Ortskerne (wo alle an einem Strang ziehen müssen). (wirtschaft.tirol berichtete: Sieben Standortfaktoren für lebendige Ortszentren)

Wenn wir es schaffen, bei unseren großen Themen sowohl auf Motivation (Anreize!) als auch auf die ganzheitliche Sicht (Gesamtlösungen!) zu schauen, dann werden wir tragfähige Ergebnisse erzielen. Wenn nicht, gelingen bestenfalls vereinzelte Etappensiege, die für keinen der Beteiligten zufriedenstellend sind. Mit anderen Worten: Wir brauchen Strategie statt Taktik.

E christoph.walser@wktirol.at

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