Kleiderbügel von bobs-fashion
Alles Unternehmen

Mode designed & made in Osttirol

Die Kollektionen, die man nur im Shop in Lienz oder im Webshop erhält, sind handgefertigte Kleinserien.
© carpe lucem photography Stephan Moschini

Stylisch, nachhaltig und regional. Dafür steht Barbara Schusteritsch mit ihrem Label bobs – fashion. Die Kollektionen bestehen aus legerer, bequemer Lifestyle-Mode mit Mut zu Mustern und Farbe.

Mit 23 Jahren hat Barbara Schusteritsch mit einer kleinen Schneiderwerkstätte in der Lienzer Schweizergasse den Sprung in die Selbstständigkeit  gewagt. „Ich hatte zwar immer schon den Wunsch, mich einmal selbstständig zu machen – aber erst später. Nach der Matura an der fünfjährigen Höheren Lehranstalt für Mode und Design in Hallein habe ich einen geeigneten Job in Osttirol gesucht.

Die wenigen Kleidermacherbetriebe haben damals niemanden gebraucht, aber auch meine Bewerbungen für Verkäuferjobs in Modegeschäften hatten keinen Erfolg, da man mich für überqualifiziert hielt. Es ergab sich dann die Möglichkeit, als Designassistentin und Geschäftsleiterin für einen Salzburger Designer zu arbeiten. Die Rückkehr nach Osttirol blieb aber immer mein Ziel. Nach vier Jahren – im Frühjahr 2009 – kam es zur Betriebsgründung“, berichtet die Unternehmerin über ihren beruflichen Werdegang.

Mit Vielseitigkeit punkten

„Doch nicht mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise“, zeigte sich Barbaras Vater über den Entschluss seiner Tochter besorgt. „Ich aber dachte, was soll schon groß passieren. Die Miete für das 37m2-Lokal war niedrig, die Anfangsinvestitionen blieben überschaubar. Dass der Gründungsberater, den mir damals das AMS vermittelte, meine Idee, mich ganz breit aufzustellen und vom Design über Maßanfertigungen, Trachten- und Brautmode bis zur Änderungsschneiderei alles zu machen, als zum Scheitern verurteilt ansah, konnte mich nicht aufhalten.

Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich gerade durch Vielseitigkeit bei den Kunden punkten könne und so war es dann auch. Außerdem hatte ich von Anfang an eine tolle Unterstützung durch die Wirtschaftskammer in Lienz, wobei Bezirksstellenleiter Reinhard Lobenwein bis heute sozusagen mein Mentor ist.“

Lieblingsstücke, die man mit gutem Gewissen tragen kann – das ist der Anspruch, den Barbara Schusteritsch an ihre Kreationen stellt.
Lieblingsstücke, die man mit gutem Gewissen tragen kann – das ist der Anspruch, den Barbara Schusteritsch an ihre Kreationen stellt.
© L.A. Photography - Louise Angerer

Webshop, Kooperationen und Mitarbeiter

Natürlich wollte sich Barbara Schusteritsch nicht nur als versierte Handwerkerin, sondern auch als Designerin einen Namen machen, weshalb sie sich an zahlreichen Wettbewerben beteiligte und als Höhepunkt nach erfolgreichen Nominierungen und Finaleinzügen im Jahr 2011 die Siegestrophäe des „Haute Couture Austria Award“ im Wiener Rathaus entgegennehmen konnte. „Die mit diesen Erfolgen verbundene mediale Präsenz hat mir weitere Türen geöffnet und hilfreiche überregionale Kontakte ermöglicht“, erinnert sich die junge Modemacherin.

So konnte sie sich an einen bedeutenden Entwicklungsschritt heranwagen – eine eigene Kollektion, die 2015 unter dem Label „bobs UP“ auf den Markt kam und die Einstellung der ersten Mitarbeiterin möglich machte. Zeitgleich wurde der Webshop shop.bobs.at eingerichtet und zunächst auch eine Kooperation mit Nähereien in Osttirol und in Kroatien beabsichtigt, um größere Stückzahlen produzieren und so österreichweit Boutiquen beliefern zu können.

„Diesen Plan habe ich rasch wieder aufgegeben – einerseits wäre meine Mode für die Zielgruppe, die ich anspreche, kaum mehr leistbar gewesen, andererseits hätte mein USP ‚zu 100 Prozent entworfen und handgefertigt in Osttirol‘ dann nicht mehr gestimmt. Ich wurde auch oft gefragt, warum ich es mir nicht einfach mache und meine Kollektionen in Billiglohnländern nähen lasse. Für mich war das nie eine Option – schließlich wollte ich hier in meiner Heimat jungen Leuten, die wie ich für hochwertige und gleichzeitig ‚coole‘ Mode brennen, eine Jobchance geben – ich habe ja noch gut in Erinnerung, wie schwer das für mich nach meiner Ausbildung war.“

Die bobs-Kollektionen, die man nur im Shop in Lienz oder im eigenen Webshop erhält, beinhalten immer auch Herren-Lifestyle-Mode.
Die bobs-Kollektionen, die man nur im Shop in Lienz oder im eigenen Webshop erhält, beinhalten immer auch Herren-Lifestyle-Mode.
© carpe lucem photography Stephan Moschini

Inzwischen beschäftigt Barbara Schusteritsch bereits drei Mitarbeiterinnen, wobei sich diese Haupttätigkeitsbereiche ergeben haben: Je eine Frühling/Sommer- und Herbst/Winter-Kollektion für Damen und Herren – in begrenzter Stückzahl; Hotel- und Gastronomieausstattungen – von der Mitarbeiterbekleidung bis zum Interieur – und schließlich Unikate und Maßanfertigungen für Kunden, die auf Außergewöhnliches und Exklusives Wert legen.

„Wir sind aber dem Motto, möglichst niemanden, der zu uns kommt, sozusagen im Regen stehen zu lassen, treu geblieben und machen weiterhin auch Änderungen und Reparaturen. Nur aus der Brautmoden- und Trachtenschneiderei haben wir uns weitgehend zurückgezogen“, berichtet die Unternehmerin, die mit ihrem Modelabel „bobs“ längst ihren eigenen, unverwechselbaren Stil gefunden hat.

Hochwertige und langlebige Materialien

„Da Menschen mit meinem Sternzeichen ‚Wassermann‘ besondere Kreativität nachgesagt wird, haben ich den Dreizack in mein Logo aufgenommen. Meine Kollektionen bestehen aus legerer, bequemer Lifestyle-Mode mit Mut zu Mustern und Farbe, wobei nur hochwertige, pflegeleichte und langlebige Materialien verarbeitet werden. Ich kann dafür garantieren, dass alle Stoffe aus Europa kommen. Es gibt auch Stoffe, die nach meinen Entwürfen exklusiv für uns in Deutschland produziert werden.“

Vor knapp drei Jahren hat „bobs“ den neuen Standort bei der Pfarrbrücke – vis à vis des Campus Technik Lienz – bezogen. Im maisonettartigen Lokal hat ebenerdig ein großzügiger Showroom Platz gefunden; im Atelier im Obergeschoss gibt es optimale Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen.

Social Media und Videoberatung

Als im Vorjahr Corona weite Teile der Wirtschaft lahmlegte, stellte sich natürlich auch für Barbara Schusteritsch die Frage, wie es weitergehen solle. „Ich habe ganz spontan mit Swarovski-Steinen aufgepeppte und mit unseren Namenszügen versehene Masken genäht und ein Teamfoto auf Facebook gepostet. Das Echo war gewaltig. Wir konnten uns kaum mehr vor Anfragen retten – jeder wollte plötzlich so eine Maske haben. Also haben wir die Frühjahrskollektion zunächst einmal zurückgestellt und in den nächsten Monaten nur mehr Masken genäht und überallhin verschickt – der Laden war ja zu. So wurde das Corona-Jahr 2020 zu unserem bisher erfolgreichsten“.

Sehr hilfreich erwies sich auch die intensivierte Social-Media-Präsenz. „Wir sind auf allen Kanälen vertreten. Besonders bewährt hat sich die Videoberatung – persönliche Betreuung lässt sich so auch über die Distanz anbieten. Damit kann ich mich noch stärker von den ‚großen‘ Labels abheben. ‚Wer sich nicht verändert, wird verändert‘ – diese Aussage des Change-Experten Ingo Stefan beim diesjährigen JW-Glockner-Summit hat sich mir eingeprägt. An Ideen für die Zukunft mangelt es mir nicht. Flexibel sein und offen bleiben für Neues, rasch reagieren und ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Kunden haben – das ist der Weg, den ich konsequent weitergehen möchte.“

Weitere Informationen: bobs.at

Porträtfoto Barbara Schusteritsch
Funktionärssteckbrief Barbara Schusteritsch
Porträtfoto Barbara Schusteritsch

Was hat Sie dazu motiviert, Funktionärin zu werden?

Ich war bei meiner Betriebsgründung noch recht jung, hatte viele Fragen und war sehr froh, dass mir die Wirtschaftskammer von Anfang an mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist. Meine positiven Erfahrungen kann ich nun in meiner Funktion als JW-Bezirksobfrau weitergeben. Außerdem glaube ich, etwas bewegen zu können.

Worauf sind Sie in Ihrer Funktionärstätigkeit stolz?

Besondere Freude macht mir die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe für das Jugendprojekt „Gemmas on“, das aus dem Prozess „Vordenken für Osttirol“ heraus entstanden ist und junge Menschen dabei unterstützen soll, die Zukunft ihres Heimatbezirkes aktiv mitzugestalten. Dazu läuft eine Bestandsaufnahme ihrer Wünsche und Ideen, auf deren Ergebnisse ich schon sehr gespannt bin.

Welche Ziele verfolgen Sie als Funktionärin?

Für Osttirol sind die Themen Abwanderung und Überalterung von großer Bedeutung. Es gilt, jungen Menschen zu vermitteln, wie sich der Bezirk bereits zum Positiven verändert hat und welche beruflichen und persönlichen  Perspektiven sich ihnen mittlerweile eröffnen. Außerdem ist es mir ein Anliegen, die Betriebe vor Ort zu stärken.