Interview Mit WK-Präsident Christoph Walser zur Wirtschaft Tirols
Interview Mit WK-Präsident Christoph Walser zur Wirtschaft Tirols
Aktuelles

„Wirtschaft ist nicht das Problem, sondern Teil der Lösung“

„Wir schaffen die Energiewende nicht mit Schnellschüssen, sondern nur mit ganzheitlichen Lösungen.“
© WK Tirol/Die Fotografen

WK-Präsident Christoph Walser wagt einen Blick auf die Entwicklung im Herbst, erläutert die Haltung der Wirtschaft in der Klimafrage, berichtet vom Feedback der Betriebe zum Angebot der WK Tirol.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Im Sommer war wie auch letztes Jahr das Thema Corona „auf Standby“. Was erwarten Sie für den Herbst?

Christoph Walser: Erfahrungsgemäß verschärft sich die Situation in der kalten Jahreszeit. Wir müssen aufpassen, dass wir bei negativen Entwicklungen früh genug gegensteuern, wie das etwa in Osttirol geschehen ist. Lokal begrenzte und damit treffsichere Maßnahmen sind das Mittel der Wahl. Wir müssen alles tun, um Lockdowns zu verhindern, die enorme Probleme für die Betriebe und den Arbeitsmarkt mit sich bringen. Der Schaden speziell für das Tourismusland Tirol wäre riesig, Stichwort Wintersaison. Dazu kommen massive Bildungsdefizite – Home Schooling ist eine Notlösung, kein Dauerzustand. Wir haben inzwischen so viel Erfahrung mit dem Virus, dass es anders gehen muss.

Welchen Stellenwert haben in diesem Zusammenhang Impfungen und Testungen?

Ich halte nichts von einer generellen Impfpflicht. Solange es irgendwie geht, müssen wir auf Anreize und Eigenverantwortung setzen und mit Aufklärung das Vertrauen in die Immunisierung stärken. Es braucht auch weiterhin attraktive Impfangebote und kostenlose Testungen. Schließlich können sich auch Geimpfte infizieren. Wenn es uns damit gelingt, das Virus unter Kontrolle zu halten, ist das weitaus günstiger, als in der Folge mit massiven Einschränkungen die Notbremse ziehen zu müssen. Nur eine brummende Konjunktur mit dem entsprechenden Wachstum schafft Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und ermöglicht einen Schuldenabbau.

WK-Präsident Christoph Walser

Das Thema Klimawandel ist auch aufgrund der extremen Wetterereignisse in den Fokus gerückt. Die Wirtschaft wird hier oft als Blockierer dargestellt. Ist dieser Vorwurf gerechtfertigt?

Überhaupt nicht. Wir wehren uns nur gegen unwirksame Schnellschüsse wie die exorbitante Erhöhung der NoVA oder die Verteuerung des Diesels. Wir brauchen kein Flickwerk, sondern ganzheitliche Lösungen. Dazu gehört, dass wir sämtlichen Technologien eine Chance geben müssen, also etwa auch Wasserstoff oder E-Fuels. Die Energiewende wird nicht gegen, sondern nur mit der Wirtschaft gelingen. Es gibt zahlreiche innovative Betriebe im Land, die Spezialisten bei Umwelttechnologien sind.

Eine Umfrage der WKO zeigt, dass für 86 Prozent der befragten Unternehmen Klima- und Umweltschutz einen hohen Stellenwert haben. (wirtschaft.tirol berichtete: „Die Wirtschaft ist der Motor der Nachhaltigkeit“)

Die Wirtschaft ist also nicht das Problem, sondern ein wichtiger Teil der Lösung. Wir setzen in den kommenden Jahren seitens der WK Tirol einen Schwerpunkt im Bereich Nachhaltigkeit – weil wir wissen, wie wichtig dieses Zukunftsthema für unseren Standort und unsere Betriebe ist.

Geförderte Beratungen für CSR- und Nachhaltigkeit

Die Wirtschaftskammer Tirol bietet ihren Mitgliedern als Service für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen geförderte CSR- und Nachhaltigkeitsberatungen an. Diese werden im Rahmen der Tiroler Beratungsförderung abgewickelt.

Die Tiroler Beratungsförderung ist eine Förderaktion vom Land Tirol und der Tiroler Wirtschaftskammer mit dem Ziel, durch die Bereitstellung von geförderten Beratungsleistungen die Tiroler Wirtschaft in ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Schwerpunkt CSR-Beratungen

– 24 Beratungsstunden (im Ausnahmefall auch 40 Beratungsstunden) können in einem Ausmaß von 80 Prozent gefördert werden. Der Beratersatz pro Stunde beträgt 90 Euro.

– Alle Unternehmensberaterinnen und -berater mit Schwerpunkt CSR-Beratungen sind auf wko.at/tirol/nachhaltigkeit gelistet.

Weitere Informationen:

Mag. Marlene Hopfgartner
WK Tirol / Wirtschaftspolitik, Innovation und Strategie
T 05 90 90 5-1264
E marlene.hopfgartner@wktirol.at

In Tirol wird hochemotional über das Thema Wasserkraft diskutiert. Warum driften die Meinungen hier so weit auseinander?

Das verstehe ich auch nicht. Im Grunde wollen ja alle dasselbe – die Klimawende schaffen. Das geht aber nur, wenn auch die Wasserkraft ausgebaut wird. Photovoltaik und Windenergie alleine reichen bei Weitem nicht. Also braucht es Wasserkraftwerke, gegen die heftig mobil gemacht wird. Dazu kommt, dass sich UVP-Verfahren endlos in die Länge ziehen. Hier brauchen wir dringend straffere Abläufe, sonst gelingt uns die Klimawende nie. Für das erklärte Ziel – hundert Prozent Ökostrom bis 2030 – bleiben uns gerade einmal neun Jahre. Die dürfen wir nicht mit Endlos-Verfahren verplempern.

Kommen wir zur WK-Tirol. Wie beurteilen Sie das Standing bei den Betrieben?

In der Corona-Krise konnten wir beweisen, dass wir ein starker Partner für die Betriebe sind. Unternehmen aller Größenordnungen haben intensiv unsere Angebote in den Bereichen Beratung, Information und Bildung genutzt. Das bescheinigt uns auch die aktuelle Mitgliederbefragung. Die Wirtschaftskammer ist klar der wichtigste Interessenvertreter für die Unternehmen.

Die Zufriedenheit hat von einem hohen Niveau aus zugelegt: Mehr als ein Drittel unserer Mitglieder bewertet uns mit der Note 1, weitere 35 Prozent vergeben einen 2er. Bei den Service- und Beratungsleistungen erhalten wir mit einer Durchschnittsnote von 1,9 ebenfalls ein sehr gutes Zeugnis von den Tiroler Betrieben. Mich freut besonders, dass wir in vielen Bereichen Bewertungen erhalten, die über dem Öster-reichschnitt liegen.

Welche Impulse können sich die Betriebe in nächster Zeit erwarten?

Interessenpolitisch werden wir auch in Zukunft die heißen Kartoffeln nicht liegen lassen, sondern klar Stellung beziehen – vom Fachkräftemangel über Verfahrensbeschleunigungen bis hin zur dringend nötigen Senkung der Steuerlast. Darüber hinaus unterstützen wir die Betriebe in Zukunftsfragen wie der Digitalisierung oder der Nachhaltigkeit und setzen mit Kampagnen etwa bei der Lehrlingsausbildung, den Wirtshäusern oder der Regionalität Impulse.

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