Bezirk Schwaz: Bezirksobfrau Martina Entner und Bezirksstellenleiter Stefan Bletzacher
Schwaz

Im Bezirk Schwaz fehlen derzeit 2.250 Mitarbeiter

Bezirksobfrau Martina Entner und Bezirksstellenleiter Stefan Bletzacher
© TT, Fankhauser

Die WK-Bezirksstelle Schwaz mit Obfrau Martina Entner und Bezirksstellenleiter Stefan Bletzacher luden zu einem Pressegespräch über die Lage der Wirtschaft im Bezirk Schwaz.

In der Regel ist es nicht nur beim Wetter so, sondern auch in der Wirtschaft: Auf Regen folgt Sonnenschein. Mit den Fortschritten beim Impfen und den behördlichen Lockerungen hat sich die Corona-Situation auch bei uns im Bezirk seit April spürbar entspannt.

Es kam zu einem rasanten Aufschwung. Das führte wiederum zu einer Verknappung von Rohstoffen und Lieferengpässen. Höhere Rohstoff-, Erdöl- und Frachtkostenpreise und der Mangel an Arbeitskräften bewirken einen Preisdruck nach oben, die pandemiebedingt aber eher nur temporär ausfallen werden.

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel

Digitalisierung, Fachkräfte, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind Schwerpunkte, die mittel- und langfristig unsere Betriebe ganz massiv beschäftigen werden. Weitere Anliegen der Wirtschaft sind das Impfen und die Regionalität.

Die Digitalisierung in den Betrieben muss beschleunigt werden. Bei der Digitalisierung gibt es bei uns zwei Geschwindigkeiten: Einerseits Großbetriebe mit internationaler Erfahrung und digitalisierungsaffine Betriebe, die sehr weit fortgeschritten sind, andererseits unsere Klein- und Mittelunternehmen, die sich manchmal schwer tun. Wir müssen gerade diesen KMUs Unterstützung geben und Mut machen. Die Wirtschaftskammer präsentiert sich dazu als Ansprechpartner für die Betriebe. Dabei geht es nicht nur um Hardware, sondern auch um Software und entsprechende Fertigkeiten. Durch individuelle Beratungsangebote für die Betriebe zu den Chancen der Digitalisierung soll die Kompetenz und deren Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden. Zudem wird der Einstieg in die Digitalisierung vom Land und vom Bund gefördert.

Mit „Coding4Kids“-Kursen im Sommer in der WK Schwaz brachte die WK Schwaz auch heuer wieder in zwei Kursen 30 Kindern von 10 bis 15 Jahren spielerisch Programmieren bei. Solange das kein Unterrichtsfach in den Schulen wird, wie das Lernen einer Fremdsprache, soll diese „hochwertige Ferienbetreuung“ auch in den nächsten Jahre in der WK angeboten werden.

Arbeitskräftepotenzial schrumpft

Bei Fachkräften ortet die Wirtschaftskammer bereits ein „strukturelles Problem“ , das sich noch verstärken wird. Das „Arbeitskräfte finden“ geht sich schon jetzt in Österreich nicht mehr aus. Demographie und Nachfrage klaffen beim Arbeitsmarkt bereits jetzt zu weit auseinander. Und, bedingt durch Pensionierungen der starken Babyboom-Jahrgänge wird das Arbeitskräftepotenzial weiter schrumpfen. Ganz Europa sucht nach Arbeitskräften. Unser Arbeitskräftebedarf wird sich auch in Europa nicht mehr lösen lassen. Daher müssen wir uns schon jetzt auf eine systematische und verstärkte Gewinnung von Fachkräften vorbereiten, die man in Zukunft brauchen wird, nicht nur im Tourismus, in allen Branchen.

Die Rot-Weiß-Rot-Card, mit der ausländische Fachkräfte aus „Nicht-EU-Ländern“ Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt bekommen, muss auf Turbo gesetzt werden. Zusätzlich wird man speziell für den Tourismus junge Menschen aus der ganzen Welt, mit Angeboten zum Arbeiten bei uns, verbunden mit Erlebnissen, wie z.B. einem Kletterkurs, mit Skifahren lernen, mit Canyoning, etc. ansprechen müssen, um sie als eigene Zielgruppe, für das saisonale Arbeiten bei uns zu gewinnen. Das bedeutet ein Umdenken in der Politik und eine noch höhere Flexibilitätsanforderung für die Betriebe.

Dazu braucht Österreich aber Netzwerke zum Finden von Arbeitskräften im Ausland. Solche Netzwerke fehlen derzeit. Möglicherweise in Zukunft auch eine Aufgabe der WKO-Außenwirtschaftscenter. Die noch bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein zusätzlicher notwendiger Lösungsansatz. Es braucht in den Gemeinden noch bessere Lösungen für eine durchgehende Kinderbetreuung, gerade in den Tourismusorten.

Offene Stellen auf Höchststand

Die Anzahl der beim AMS Schwaz als offenen gemeldeten Stellen befindet sich Ende Juli 2021 insgesamt auf einem Höchststand. Auf einen Arbeitssuchenden fallen im Bezirk Schwaz im Schnitt zwei offene Stellen.

Die Arbeitslosenquote im Bezirk hat sich Ende Juli auf unter 3 Prozent verringert. Im Bezirk Schwaz sind derzeit 1.130 Arbeitslose gemeldet. Dem stehen ca. 1.500 beim AMS gemeldete offene Stellen gegenüber. Wenn man dazu die Einschätzung der Statistik Austria teilt, dass zu den offenen Stellen beim AMS realistisch zusätzlich 50% offenen Stellen hinzukommen, dann werden derzeit alleine im Bezirk Schwaz 2.250 Mitarbeiter gesucht.

Thema Impfen

Jeder Österreicher ab zwölf Jahren kann derzeit und jederzeit eine Impfung, die weltweit zugelassen ist und eine sehr hohe Wirksamkeit besitzt, in Anspruch nehmen. Es ist sogar möglich, sich den Impfstoff selbst auszusuchen. Die Wirtschaftskammer Schwaz spricht sich gegen eine gesetzliche Impfpflicht aus. Wir müssen aber Wege finden, wie wir die bisher nicht Impfwilligen doch zum Impfen bewegen können.

37 Prozent der Menschen im Bezirk Schwaz sind nach wie vor nicht geimpft. Wir steuern derzeit in fast die exakte Richtung wie vorheriges Jahr, und das obwohl letztes Jahr um diese Zeit noch niemand im Bezirk geimpft war. Mit heutigem Tag sind im Bezirk Schwaz 63 Prozent der Menschen 2x geimpft. Im Bezirkskrankenhaus passen die Zahlen. Wir alle müssen Corona nach wie vor sehr ernst nehmen, nicht nur der Gesundheit wegen, auch der Wirtschaft, der Schule, des unkomplizierteren Zusammenlebens wegen. Es gilt alles zu tun, dass wir nicht wieder einen Lockdown brauchen. Wir appellieren hier an die Verantwortung, jedes Einzelnen, vor allem der Jugend, die noch zu wenig geimpft ist. Laßt euch impfen!

Regionalität

Zuletzt gab es jährlich einen Zuwachs beim Online-Handel von rund 0,5 Prozent. 2020 waren es 1,4 Prozent. Es wird davon ausgegangen, dass sich der Online-Anteil im Handel mittelfristig bei rund 15 Prozent einpendeln dürfte. Jüngere Käuferschichten – die noch über weniger Geld zum Ausgeben verfügen – sind aber deutlich online affiner, und wenn diese einmal mehr verdienen, könnte die Entwicklung neu bewertet werden müssen. Die Pandemie hat uns gelehrt, dass uns, wenn es darauf ankommt, das regionale Miteinander hilft. Eine regionale Versorgung ist wichtig. Die Verantwortung dafür darf aber nicht nur auf die Politik abgeschoben werden. Jeder Einzelne von uns kann dazu täglich selbst seinen Beitrag leisten. Stärken wir unsere Betriebe in unserer Region. Kaufen wir regional.

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