Symbolbild für das Erweiterungsstudium Entrepreneurship
Perspektiven

Studium Entrepreneurship startet

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Universität und Wirtschaft rücken enger zusammen. Die Uni Innsbruck bietet Studierenden und Absolventen nicht-betriebswirtschaftlicher Studiengänge ein Erweiterungsstudium zum Thema Unternehmertum an.

Die Wirtschaft, das unbekannte Wesen. So stellt sich für viele Schüler und Studenten das Wirtschaftsleben dar. Die Wirtschaftskammer drängt seit langem darauf, mehr praxisbezogene unternehmerische Inhalte in die Lehrpläne aufzunehmen. „In den letzten Jahren sind hier einige Fortschritte gelungen, auch die Berufsorientierung ist wesentlich professioneller geworden und wird mehr und mehr zum Standard in den Schulen“, erklärt der für den Bildungsbereich zuständige Vizepräsident, Manfred Pletzer. Die Projekte „KiWi – Kinder entdecken Wirtschaft“ und „Junior Company“ bringen die Welt der Wirtschaft in den Klassenraum und machen Unternehmertum erlebbar.

Das setzt sich auch auf akademischer Ebene fort. Hier der Elfenbeinturm, dort der ungebremste Kapitalismus – dieser Widerspruch muss nicht sein. Es war und ist ein großes Anliegen der Wirtschaftskammer, die Zusammenarbeit zwischen Universität und Wirtschaft zu intensivieren. Ein großer Schritt auf diesem Weg war die Etablierung des InnCubators, dem gemeinsamen Gründer- und Innovationszentrum von Universität Innsbruck und WK Tirol.

Der InnCubator hat sich seit seiner Eröffnung 2016 zu einer Institution im unternehmerischen Ökosystem Tirols entwickelt. Über die letzten Jahre erarbeitete sich der InnCubator die Position als Startup-Programm, das für innovative Unternehmensgründungen von der Ideenphase über den Prototyp bis hin zum Markteintritt die erste Anlaufstelle in Tirol ist. „Wir bieten als Knotenpunkt zwischen Wirtschaft, Forschung und Weiterentwicklung perfekt abgestimmte Angebote“, erklärt der Leiter des InnCubators, Robert Schimpf.

Wirtschaftskompetenz auf akademischem Niveau

Die Universität Innsbruck lässt nun mit einem neuen Angebot aufhorchen: Sie bietet ab kommendem Wintersemester ein Erweiterungsstudium Entrepreneurship an. Dieses neue Curriculum richtet sich an ausgewählte Master- und Diplomstudenten, die sich zum Thema Unternehmertum weiterbilden wollen. Die Zielgruppe umfasst bewusst nicht-betriebswirtschaftlichen Studiengänge, um in diesem Bereich eine hochwertige Erweiterung der Ausbildung zu bieten. Studierende können in der 45 ECTS-Punkte umfassenden Erweiterung betriebswirtschaftliche Inhalte erlernen und praktisch anwenden. Der Praxisbezug wird durch das Besuchen von Startup-Events und einer abschließenden Projektarbeit sichergestellt, bei der Studierende ihr eigenes Unternehmen gründen, ein Praktikum absolvieren oder ein innovationsrelevantes Projekt in einem etablierten Unternehmen begleiten können.

Robert Schimpf, Leiter des InnCubators
Robert Schimpf, Leiter des InnCubators
Fakten: Erweiterungsstudium Entrepreneurship

Träger: Universität Innsbruck
Start: Wintersemester 2021
Umfang: 45 ECTS Punkte

Pflichtmodule:

  • Unternehmerische Kompetenzen
  • Entrepreneurship 1
  • Grundlagen des Managements – Strategie und Marketing
  • Produkt- und Serviceentwicklung
  • Entrepreneurship 2
  • Unternehmens- oder Innovations-projekt

Wahlmodule:

  • Corporate Sustainability
  • Externes Rechnungswesen
  • Internes Rechnungswesen
  • Wirtschaftsinformatik und digitale Transformation
  • Gender, Diversity und Management
  • Integriertes Management mit Enterprise-Resource-Planning-Systemen
  • Betriebliche Entscheidungen und gesellschaftliche Verantwortung
  • Aktuelle Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft

InnCubator ist mit dabei

Der maßgebliche Impuls für dieses neue Angebot kam von der Forschungsgruppe Innovation und Entrepreneurship der Universität unter Prof. Johann Füller und Prof. Katja Hutter. Die Forschungsgruppe, die bereits bei der Initiierung des InnCubators beteiligt war, konnte gemeinsam mit der Betriebswirtschaftlichen Fakultät und dem Vizerektorat für Lehre unter Prof. Bernhard Fügenschuh eine wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Zusatzausbildung im Bereich Entrepreneurship entwickeln. Der InnCubator wird zum einen seine Räumlichkeiten und sein Netzwerk zur Verfügung stellen, zum anderen Lehrleistungen einbringen. Der Leiter des Inncubator Robert Schimpf wird die Rolle des Studienbeauftragten übernehmen.

Das Studium ist den sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studien zugeordnet. Es richtet sich an Studierende und Absolventinnen und Absolventen aus nicht-betriebswirtschaftlichen Studien. Die Lernziele umfassen das Verständnis zentraler Konzepte des Unternehmertums und das Beherrschen von Methoden und Werkzeugen zur systematischen Umsetzung einer Geschäftsidee.

Prof. Johann Füller
Prof. Johann Füller

„Die zusätzliche Entrepreneurship-Qualifikation ist nicht nur für die Gründung eines eigenen Start-ups relevant, sondern auch für die digitale Transformation etablierter Unternehmen oder die Entwicklung und Einführung von innovativen Produktneuentwicklungen in Betrieben“ erläutert Johann Füller. Die Zulassung zum Erweiterungsstudium Entrepreneurship setzt die Zulassung zu einer Reihe von Diplom- bzw. Masterstudien voraus, die in Innsbruck angeboten werden. Die Liste reicht von Architektur über Mechatronik und Physik bis hin zu Umweltingenieurwissenschaften.

Für Wirtschaftskammer-Vizepräsident Manfred Pletzer stellt das Erweiterungsstudium Entrepreneurship einen Meilenstein für den Standort Tirol dar: „Mit dem Zusatzstudium wird Studierenden abseits der klassischen betriebswirtschaftlichen Studien Unternehmertum auf höchstem Niveau nähergebracht und ein klares Signal in Richtung Selbständigkeit gesetzt.“ Die Begleitung durch den InnCubator stellt die Praxisnähe sicher und vermittelt daher den Absolventen genau jene Qualifikationen, die im Wirtschaftsleben gefragt sind.

Weitere Informationen: Erweiterungsstudium Entrepreneurship

Prof. Katja Hutter
Interview mit Katja Hutter, Johann Füller und Robert Schimpf
Prof. Katja Hutter

Katja Hutter (Professorin für Innovation & Entrepreneurship an der Universität Innsbruck), Johann Füller (Professor am Department of Strategic Management, Marketing and Tourism der Universität Innsbruck) und Robert Schimpf (Leiter des InnCubators, dem Innovationszentrum von Uni Innsbruck und WK Tirol) sprechen im Interview über die Hintergründe des neuen Erweiterungsstudiums.

Sie haben die Inhalte für dieses Erweiterungsstudium entwickelt. Was waren die Beweggründe für dieses neue Angebot?

Füller: Das unternehmerische Denken und auch das Gründen von Unternehmen stellen wesentliche Säulen unseres wirtschaftlichen und auch gesellschaftlichen Lebens dar. Dinge anzupacken und Probleme selber zu lösen sind wichtige Voraussetzungen für eine lebenswerte Zukunft. Mit dem Erweiterungsstudium wollen wir allen Studenten die Möglichkeit bieten, zu lernen, was es braucht, um ein Unternehmen zu gründen. Sie können auch auszuprobieren, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen bzw. an innovativen Projekten anderer mitarbeiten.

Hutter: Innovationen sind in jedem Bereich notwendig, um unsere zukünftigen Herausforderungen zu meistern und ein starkes Ökosystem zu formen. Somit sind auch alle Fakultäten gefordert, in Zusammenarbeit diese anzugehen und zu entwickeln. Methoden aus dem Entrepreneurship können für viele Lebensbereiche wertvoll sein – auch abseits des Gründens. So oder so, freuen wir uns, mit Studiereden in diesem interdisziplinären Programm Zeit zu haben, an Ideen zu arbeiten. Und das nicht nur für einen kurzen Workshop, sondern über mehrere Semester. Hier lassen sich wirklich handfeste Geschäftsideen entwickeln.

Woran ist sichtbar geworden, dass der Bedarf für dieses Erweiterungsstudium besteht?

Schimpf: Umfragen zeigen, dass ein Drittel der Studenten Interesse an Startups hat und sich vorstellen kann, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Leider gründen immer nur sehr wenige tatsächlich ihre eigene Firma. Oft mangelt es an Wissen und Fähigkeiten. Diesen Gap wollten wir schließen und die notwendigen Fähigkeiten vermitteln. Es geht auch um die Schaffung eines Umfelds, das es erlaubt, Unternehmertum hautnah zu erleben undw ein Gefühl dafür zu entwickeln.

An wen richtet sich das Zusatzstudium?

Hutter: An Studierende der Universität Innsbruck, die sich für Start-ups, Unternehmensgründungen oder Innovationen begeistern. Das Erweiterungsstudium Entrepreneurship vermittelt die notwendigen Insights, Skills und Techniken, um ein eigenes Unternehmen zu gründen oder etablierte Organisationen erfolgreich zu begleiten.

Welche Motivation haben die Zielgruppen, dieses Zusatzstudium zu absolvieren?

Füller: Wir werden die Motivationen der Studierenden natürlich abfragen, wenn das Studium startet. Aus unseren Erfahrungen ist es neben der Neugierde nach Wissen und dem Wunsch nach Kompetenzerweiterung oft auch eine konkrete Idee, die Studierende dazu bewegt, in die Thematik einzutauchen. Das Thema Startup boomt. TV-Shows wie „2 Minuten 2 Millionen“ zeigen, dass das Startup-Fieber mittlerweile weitverbreitet ist.

Zudem füllen Gründer wie Jeff Bezos, Elon Musk, Mark Zuckerberg etc. die Zeitungen und Nachrichten. Natürlich versuchen viele junge Leute, diesen Vorbildern und Erfolgsgeschichten nachzueifern. Aber es geht eigentlich noch viel tiefer: Es gibt immer mehr Menschen, die ihren Traum verwirklichen wollen, die etwas Sinnvolles tun wollen, etwas, das einen echten „Impact“ hat. Immer mehr kommen darauf, dass dies am besten gelingt, wenn sie dabei handeln und agieren wie Gründerteams.

Gibt es internationale Vorbilder für dieses Zusatzstudium?

Schimpf: Zusatzausbildungen im Bereich Entrepreneurship sind weltweit vorhanden. Wir haben uns hier Inspiration von den Besten geholt: So bietet beispielsweise das Babson College ein internationales Entrepreneurship Programm für Studierende an. Auch unsere Nachbarn an der LMU und TU in München bieten beeindruckende Angebote für Studierende. Natürlich wurde das Erweiterungsstudium den Gegebenheiten unserer Universität angepasst.

Aus welchen Bereichen kommen die Lehrenden für dieses Erweiterungsstudium?

Füller: Die Lehrenden für das Erweiterungsstudium sind aus unserem Netzwerk sorgfältig ausgesucht. Neben dem Team der Forschungsgruppe Innovation und Entrepreneurship sowie weiteren Lehrenden der Fakultät Betriebswirtschaft der Universität werden auch UnternehmerInnen eingeladen, ihre Erfahrungsberichte zu teilen. Auch der InnCubator wird sich einbringen.

In welchen weiteren Bereichen ist aus Ihrer Sicht eine engere Zusammenarbeit zwischen Universität und Wirtschaft wünschenswert?

Hutter: Mit der Tansferstelle Wissenschaft Wirtschaft Gesellschaft, dem InnCubator und der Forschungsgruppe Innovation besteht ein enger Austausch zwischen Wirtschaftskammer und Academia. Wir sind ein großes Team, das versucht, einen Unterschied zu machen. Enger zusammenarbeiten können wir natürlich bei der Kreation von neuen Projekten, die Innovationen hervorbringen werden. Hier sind wir im stetigen Prozess der Weiterentwicklung.

Natürlich liegt uns auch die Kooperation mit Start-ups, Unternehmen, Organisationen und Gemeinden, die bestimmte Themen unternehmerisch angehen wollen, am Herzen. Sie können spannende Aufgabenstellungen in das Studium einbringen. Zudem legen wir Wert darauf Gründer, Manager, Investoren etc. in die Vorlesung einzuladen, um den Studenten die Möglichkeit zu bieten, Erfahrungen aus erster Hand zu bekommen und bereits während des Studiums wichtige Kontakte zu knüpfen und ein wertvolles Netzwerk aufzubauen.

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