Im Bezirk Lienz werden dringend Fachkräfte benötigt.
Lienz

Fachkräftemangel als größte Herausforderung

Im Bezirk Lienz werden dringend Fachkräfte benötigt.
© WK Tirol/Christian Vorhofer

Für Auspendler, die wieder in Osttirol arbeiten und leben möchten, bieten sich aktuell eine Vielzahl an qualifizierten Arbeitsplätzen an. Denn heimische Firmen suchen intensiv Fachkräfte.

In den letzten Monaten hat das Thema Corona Betriebe und Mitarbeiter intensiv beschäftigt. Jetzt, wo wir langsam wieder in die Normalität zurückkehren, sind die Betriebe mit dem Thema Nummer eins: „Fachkräftemangel“ beschäftigt. 70 Prozent der heimischen Firmen suchen ganz intensiv nach Fachkräften.

Eine Befragung der Wirtschaftskammer zeigt folgendes Bild:

  • 60 % der Unternehmen spüren einen starken oder sehr starken Fachkräftemangel.
  • 61 % der Betriebe spüren Umsatzeinbußen durch den Fachkräftemangel.
  • Bei 4 von 10 Betrieben führt der Mangel an Fachkräften bereits zur Einschränkung bei Leistungen.
  • 86 % der mitarbeitenden Angehörigen in Familienbetrieben und der Firmenchefs sind durch den Fachkräftemangel zusätzlich belastet.

Der Fachkräftemangel hat negative Auswirkungen für die betroffenen Betriebe, Branchen und für die gesamte Region.

Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten im Bezirk ist in den letzten Jahren ständig gestiegen. Im Jahr 2020 hat es einen leichten Einbruch gegeben:

Stichtag jeweils Juni
Jahr 2017: 19.656
Jahr 2018: 20.081
Jahr 2019: 20.229
Jahr 2020: 19.814
Jahr 2021: 20.539

In diesem Zeitraum hat es zwischen den Wirtschaftsbereichen insgesamt Verschiebungen gegeben.

Die Bereiche „Herstellung von Waren“ (Veränderungen 2017-2021 + 349 Beschäftigte) und „Gesundheits- und Sozialwesen“ (Veränderung 2017-2021 + 210 Beschäftigte) sind stark gewachsen und im Bereich „Beherbergung und Gastronomie“ ist die Anzahl der Beschäftigten rückläufig (Veränderung 2017-2021 -162 Beschäftigte). diese Zahlen machen auch sichtbar, wie sehr Gastronomie und Beherbergung von der Pandemie betroffen waren und sind. In diesem Bereich müssen die Kräfte gebündelt werden, um den Aufschwung zusätzlich zu unterstützen.

Ein aufschlussreiches Bild ergibt auch der Vergleich Arbeitslose und offene Stellen:

Jahr 2019
Arbeitslos gemeldet: 677
Lehrstellensuchende: 14
Offene Stellen: 313
Offene Lehrstellen: 22

Jahr 2020
Arbeitslos gemeldet: 1.244
Lehrstellensuchende: 17
Offene Stellen: 228
Offene Lehrstellen: 37

Jahr 2021
Arbeitslos gemeldet: 648
Lehrstellensuchende: 27
Offene Stellen: 673
Offene Lehrstellen: 58

Diese Zahlen verdeutlichen, dass mittlerweile mehr offene Stellen beim AMS gemeldet wurden, als Menschen arbeitslos gemeldet sind.

Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass Angebot und Nachfrage nicht deckungsgleich sind und, dass Menschen, die Rehabilitationsmaßnahmen in Anspruch nehmen müssen, auch beim AMS Leistungen beziehen.

Die Detailauswertung von Juni 2021 zeigt, dass z. B. im Tourismus 204 Mitarbeiter (52 Kellner, 27 Zimmermädchen, 20 Köche, usw.), im Produktionsbereich 123 und im Handel 86 Mitarbeiter gesucht werden. Bei den Lehrstellen werden z. B. zum Stichtag 01.06.2021, 30 Lehrlinge im Tourismus und 10 im Handel gesucht.

Welche strategischen Lösungsansätze gegen den Fachkräftemangel müssen angedacht werden?

  • Lehre als Top-Ausbildung

Der berufspraktische Bildungsweg „Lehre“ muss aufgewertet werden. Ziel muss es sein, den beruflichen Ausbildungsweg mit dem schulisch-akademischen System gleichwertig zu organisieren bis zur höchsten Qualifikationsstufe im nationalen Qualifikationsrahmen.

Aktuell macht die WK Tirol mit der Kampagne #träumweiter den hohen Level der dualen Ausbildung und die vielfältigen Berufschancen für Fachkräfte nach einer Lehre sichtbar. (wirtschaft.tirol berichtete: Träume leben – die Lehre macht’s möglich)

  • Auspendler- und Zuzugspotential nutzen

Wenn Betriebe ihren Fachkräftebedarf nicht mehr in der Region abdecken können, müssen sie verstärkt Auspendler und Menschen, die in Osttirol leben und arbeiten möchten ansprechen und bewerben. Um das Potential abschätzen zu können, schauen wir uns die Pendlerbewegung 2018 an.

Die Pendlerbewegung zeigt den Anteil an Auspendlern unter den Erwerbstätigen an. Im Jahr 2018 lag der Anteil von Auspendlern in Tirol bei 5,1 %, in Kärnten bei 8,9 %. Bei den Bezirkszahlen liegt der Anteil von Pendlern im Bezirk Spittal bei 30,9 %, Hermagor bei 28,6 % und im Bezirk Lienz bei 16,2 %. Bei einer Zahl von Erwerbstätigen (Juni 2018) von 20.081 Beschäftigten und einer Pendelbewegung von 16,2 % können wir von rund 3.200 Pendlern ausgehen.

Michaela Hysek-Unterweger dazu: „Es gibt genug Arbeitsplätze in Osttirol. Wenn wir Auspendler zurück zu den Arbeitsplätzen im Bezirk bringen, dann hilft das den Betrieben genauso, wie den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die Fahrzeiten und Doppelstrukturen sparen und wieder in Osttirol in ihrem sozialen Umfeld leben können.“

Die erfolgreiche Idee der Jobmesse „Zruck hoam“ von der Innos GmbH muss ausgebaut und insgesamt rasch eine Rück- und Zuwanderungsstrategie ausgearbeitet werden, damit Menschen den Lebens- und Arbeitsort Osttirol attraktiv und zukunftsfähig wahrnehmen.

  • Vereinbarkeit Familie und Beruf

Die Vereinbarkeit von Familie & Beruf ist trotz dem Ausbau des Kinderbetreuungsangebotes für viele Familien eine Herausforderung. die Verbesserung der Rahmenbedingungen (Ganztags- und Ganzjahresangebot in Kindergärten und Schulen, Verbesserung des Angebotes im öffentlichen Nahverkehr, usw.) unterstützt Familien und Betriebe.

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