WK-Präsident Christoph Walser
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Kommentar

Probleme? Lösen!

WK-Präsident Christoph Walser
© WK Tirol/Frischauf

„Der Fachkräftemangel ist das Problem Nummer 1 unserer Betriebe“, weiß WK-Präsident Christoph Walser.

KOMMENTAR

Endlich sind sie wieder da, die Probleme. Diese Aussage mag seltsam klingen – sie hat aber einen guten Grund: In den letzten Monaten waren wir nur mit einem einzigen Thema beschäftigt – mit Corona. Jetzt, wo die Normalität Schritt für Schritt zurückkehrt, haben wir – endlich – wieder Zeit, uns mit den Herausforderungen der Zukunft beschäftigen. Die haben sich in der Zwischenzeit nicht von selber gelöst und dürfen nicht ignoriert werden. Wir müssen sie mit professionellen Konzepten anpacken. Die Wirtschaftskammer hat konkrete Vorschläge dafür auf den Tisch gelegt.

An erster Stelle betrifft das den Fachkräftemangel. Unser Top Tirol Konjunkturbarometer zeigt, dass darin das Problem Nummer 1 unserer Betriebe liegt. Ganze 70 Prozent der heimischen Firmen suchen verzweifelt nach Hilfs- und Fachkräften. Damit ist das schon vor der Pandemie drängende Thema mit voller Wucht wieder zurück – und das, obwohl die Arbeitslosigkeit immer noch auf hohem Niveau liegt. Die Lösung liegt auf der Hand. Erstens braucht es eine Aus- und Weiterbildungsoffensive, um die individuellen Kompetenzen mit den Anforderungen ausgeschriebener Stellen zusammen zu bringen. Und zweitens ist eine Reform der Arbeitsmarktpolitik notwendig, Stichwort Zumutbarkeitsbestimmungen. Wir müssen die Arbeitsaufnahme fördern, nicht die Arbeitslosigkeit finanzieren.

WK-Präsident Christoph Walser

Lieferengpässe sind ein weiterer Faktor, der den Aufschwung bremst. Zum Teil werden diese sich wieder auflösen. Aber es wird auch neue Krisen geben, und da tun wir gut daran, wenn wir unsere Abhängigkeit reduzieren. Das heißt konkret: Wir sollten die Rahmenbedingung für die Ansiedlung und Erweiterung von Produktionsbetrieben, vor allem im Inntal, fördern. Besonders, weil sich diese auch in der Krise als stabilisierender Faktor erwiesen haben. Das stärkt unsere regionalen Wirtschaftskreisläufe und macht uns widerstandsfähiger.

Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt: der Eigenkapitalquote unserer Betriebe. Diese liegt, speziell in der Tourismusbranche, auf sehr niedrigem Niveau. Wir müssen die finanzielle Basis vieler Betriebe verbessern, damit sie Durststrecken durchtauchen können. Der Vorschlag der WK dazu lautet: Richten wir einen Tirol Fonds ein und machen wir Investitionen Privater in Tiroler Unternehmen mit einer Ausfallshaftung attraktiv.

Damit wir uns überhaupt diesen brennenden Themen zuwenden können, müssen wir die Pandemie nachhaltig hinter uns lassen. Soweit ist es aber noch nicht. Ich bitte daher alle Tirolerinnen und Tiroler dringend: Lasst euch impfen und haltet euch an die bekannten Corona-Vorsichtsmaßnahmen. Wenn wir im Herbst in eine vierte Welle rasseln und die nächste Wintersaison den Bach hinuntergeht, schaut’s düster aus.

E christoph.walser@wktirol.at

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