Um fünf Ecken denken: vom Lehrling zum Meister

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Michael Wechselberger, jüngster Meister Tirols, bei der Arbeit
Michael Wechselberger bei einer seiner vielfältigen Aufgaben: Vorbehandeln, reinigen und glätten des Bodens. Herstellung des Mörtelbettes, Auftragen der Klebemasse.
© Christian Vorhofer

Michael Wechselberger hat im elterlichen Betrieb eine Lehre zum Platten- und Fliesenleger absolviert. Mit 19 Jahren hängte er gleich die Meisterprüfung dran und war fortan der jüngste Meister Tirols.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, aber eines ist klar: Was ein wunderschönes Bad ausmacht, sind meist die Fliesen. Die richtigen Platten für Treppen, Wände und Böden im Wunschhaus zu finden, ist keinesfalls einfach. Denn die ausgesuchte Ware soll nach Möglichkeit ein Leben lang halten und auch gefallen. Für das Team vom Fliesenpark Mils ein wahres Vergnügen. Denn das Unternehmen lässt keine Wünsche offen, wenn es um das Thema Fliesen und Bodenplatten geht.

Geschäftsführer Hermann Wechselberger hat den Betrieb vor mehr als 20 Jahren aufgebaut. Sohn Michael hat 2015 im eigenen Betrieb eine Lehre als Platten- und Fliesenleger begonnen und erfolgreich abgeschlossen. „Kompetenz, Einsatzfreude und Liebe zum Detail, das sind die wichtigsten Komponenten in diesem Beruf“, freut sich Michael Wechselberger.

Kreativität & Know-how

Manchmal muss man groß denken, manchmal klein und manchmal um mehrere Ecken. Am Ende sollte immer etwas Schönes dabei entstehen. Der Fliesenpark Mils ist zum Anschauen, Fühlen, Vergleichen, um sich inspirieren und beraten zu lassen. „Die Bandbreite ist groß. Wir bieten das gesamte Komplettservice von der Beratung über die Planung bis hin zur Verlegung in Privathäusern, Industriebauten und öffentlichen Gebäuden. In der Hotellerie verlegen wir Zimmer, Gastroküchen und den gesamten Wellnessbereich sowie Außenanlagen in Natur- und Kunststein“, erklärt Geschäftsführer Hermann Wechselberger. Derzeit beschäftigt das Unternehmen saisonal bedingt um die 20 Mitarbeiter am Bau, im Verkauf und der Bauleitung sind sechs Mitarbeiter involviert.

Michael Wechselberger (l.) mit Hermann Wechselberger, Geschäftsführer des Fliesenpark Mils.
Eingespieltes Team: Michael Wechselberger (l.) mit Hermann Wechselberger, Geschäftsführer des Fliesenpark Mils.
© WK Tirol

Der Beruf

Derzeit werden am Unternehmensstandort in Mils zwei Lehrlinge ausgebildet. Michael Wechselberger hat nach der Lehrabschlussprüfung 2018 gleich den Meisterkurs besucht und im Mai 2020 die Meisterprüfung abgelegt. Er gilt seither als der jüngste Meister seiner Zunft. „Bevor ich mich für die Lehre als Platten- und Fliesenleger entschieden habe, habe ich in mehrere Bereiche hineingeschnuppert. Doch was hat am Ende des Tages gezählt? Ich habe ein fertiges Produkt gesehen und das fasziniert mich noch heute. Ein fertig verfliestes Bad und die Freude der Besitzer sind für mich unbezahlbar.“

Platten- und Fliesenleger bearbeiten und verlegen Platten und Fliesen aus Keramik, Naturstein, Beton und Kunststein als Wand- und Bodenbelag. Dabei verwenden sie Werkzeuge wie Fliesenschneider, Flex mit Diamantscheiben, Wasserwaagen, Zahnspachteln, Fliesenzangen usw., aber auch Lasermessgeräte. Sie arbeiten auf Baustellen, vor allem in Innenräume, teilweise aber auch an Außenflächen. „Mein Arbeitsplatz ist die Baustelle. Ich freue mich jeden Tag darauf. Auch wenn es oftmals chaotisch und hektisch wird. Hier habe ich Kontakt zu Fachkräften aus anderen bauhandwerklichen Bereichen und ihren Auftraggebern. Das macht Spaß und ich mache meine Arbeit einfach gern.“

Fliesenleger bei der Arbeit
Fliesenkünstler. Verlegen von Fliesen, Mosaiken oder Platten ganz nach den Wünschen der Kunden. Kreativies Gespür ist hier oft gefragt.
© Christian Vorhofer

Mit der Zeit gehen

„Die Ansprüche sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Fliesen und Bodenplatten werden immer großformatiger und wir müssen teilweise auf den Millimeter genau arbeiten. Eine Platte mit 3,60 Meter Länge war vor ein paar Jahren noch unvorstellbar“, so Junior Michael Wechselberger. „Heute spielt die Kreativität mit. Wenn es um Raumgestaltung geht, sind wir beinahe Alleskönner und natürlich Schönfärber. Selbst auf der Baustelle werden wir noch nach unserer Meinung gefragt und können einen letzten Input oder Verbesserungsvorschlag geben. Dass die eigene Fachmeinung geschätzt wird, macht einfach stolz und zufrieden.“

Fachkräfte

Der Fachkräftemangel ist auch bei den Platten- und Fliesenlegern zu spüren. „Uns wäre es wichtig, selber neue Lehrlinge auszubilden. Ich habe in meiner Zeit als Auszubildender drei Jahre lang den gleichen Ausbilder an meiner Seite gehabt. Egal welche Baustelle, egal welches Problem: Von ihm habe ich alles gelernt und ich konnte immer Fragen stellen. Das gibt Vertrauen, und ich habe eine wirklich tolle Ausbildung genossen. Nicht nur, weil ich der Sohn bin“, so der junge Meister, Michael Wechselberger, schmunzelnd.

„Die Aufgaben sind vielfältig, doch im Grunde zählt ein guter Wille, Genauigkeit, eine ruhige Art im Baustellentumult und Fleiß. Der Rest ergibt sich von selbst“, spricht der Meister aus Erfahrung. Die nächsten Jahre möchte Michael noch die Arbeit auf der Baustelle genießen, dann ins Büro wechseln und später den Fliesenpark Mils von seinem Vater übernehmen.

Weitere Informationen: Fliesenpark Mils