Werkstätte Plansee Group
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Urkraft cleverer Metalle: 100 Jahre Plansee Group

Der idyllisch gelegene Plansee ist Namensgeber für das Traditionsunternehmen, das mit einzigartigem Know-how in Sachen Metalle vom Außerfern aus weltweit für Furore sorgt – damals wie heute.
© Plansee Group

Gelockt von der Wasserkraft des Plansee und befeuert durch das unerschöpfliche Potenzial der Werkstoffe Molybdän und Wolfram gründete Paul Schwarzkopf vor 100 Jahren das Metallwerk Plansee.

Um den runden Geburtstag eines Welt-Konzerns zu feiern, reicht keine Torte. Da bedarf es vielmehr richtig starker Worte. Vor allem wenn es sich um ein Unternehmen handelt, das Verantwortung als Tradition versteht und mit seinen Produkten stets an vorderster Front von Entwicklungssprüngen dabei war, die die Welt veränderten. Im Großen wie im Kleinen. Genau das tun sie schon immer – die Metalle beziehungsweise Komponenten der Plansee Group. Und sie tun es in erstaunlichem Takt und mit nicht minder erstaunlicher Konsequenz.

Von der Fadenproduktion für Glühlampen zu Beginn der unternehmerischen Weltreise über Kontaktplättchen aus Wolfram für die ersten Automobile Henry Fords hin zu all den versteckten Plansee-Komponenten, die für Smartphones, Computer oder Hightech-Geräte des täglichen Bedarfs essenziell sind. Aktuell werden von den weltweit mehr als 13.000 Mitarbeitern in 50 Produktionsstandorten der Gruppe mehr als 75.000 Produkte hergestellt und machen eine vollständige Aufzählung unmöglich.

Fähigkeit zur Metamorphose

„Das Wesen von Plansee liegt in der Fähigkeit zur Metamorphose. Seit 100 Jahren bauen wir unseren Kunden immer wieder Brücken in neue Anwendungswelten und dabei verwandeln wir uns mit“, bringt Wolfgang Köck, Vorstand der Plansee Group, den roten Faden der Unternehmensgeschichte auf den Punkt und Vorstandssprecher Karlheinz Wex hält zur Wandlungsfähigkeit des Unternehmens fest: „Im Zuge der Digitalisierung liegen die neuen Herausforderungen darin, Teil hochkomplexer, weltweiter Wertschöpfungsketten zu werden und jedes Produkt zum genau definierten Zeitpunkt in der richtigen Menge, Qualität und in einer bestimmten Region zu produzieren und zu liefern.“

Vom Stammsitz Breitenwang im Außerfern aus werden Produktion, Vertrieb, Logistikabläufe und administrative Bereiche in diesem Sinne orchestriert. Ganz im Takt des Firmengründers Paul Schwarzkopf, der schon früh wusste: „Unsere Metalle treiben Maschinen an, bringen Licht in unsere Häuser, übertragen Wort und Bild über große Entfernungen und leisten tausend andere nützliche und wichtige Dienste.“

Die Plansee-Vorstände Karlheinz Wex und Wolfgang Köck (v.l.).
Unter der Leitung der Vorstände Karlheinz Wex (l.) und Wolfgang Köck (r.) werden bei Plansee auch 100 Jahre nach der Unternehmensgründung ständig neue Anwendungsfelder für die besonderen Metalle erschlossen.
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Tirol – kein Zufall

Seine kreative Weitsicht könnte die Ur-Vision des nach wie vor privat geführten Unternehmens sein, das nicht zufällig in Tirol „sitzt“, wohin Paul Schwarzkopf erstmals in den finsteren Zeiten des Ersten Weltkrieges gekommen war.

Paul Schwarzkopf, am 13. April 1886 in Prag geboren, hatte zu dem Zeitpunkt, als die Welt auf ihren ersten verheerenden Flächenbrand zusteuerte, bereits enorme Erfolge im Bereich der Pulvermetallurgie vorzuweisen gehabt. Er war Chef einer Berliner Fabrik gewesen, in der 1914 rund 400 Arbeiter die ersten industriell gefertigten Wolframdrähte für Glühlampen herstellten, als der Erste Weltkrieg jäh die Klingen mit diesem Erfolg kreuzte. Schwarzkopf musste sich dem Dienst in der Armee stellen, wurde einem böhmischen Regiment beigestellt und hatte eine Ausbildung zum Einjährig-Freiwilligen zu leisten. In Tirol, in Wattens.

Schwarzkopf startete durch

Paul Schwarzkopf hielt später launig fest, dass er zur Zeit seiner militärischen Ausbildung in Tirol, in Berlin bereits als ein „gut situierter, ziemlich dicker Industrieller“ gegolten habe. Sein Freund aus der Prager Schulzeit, Egon Erwin Kisch, soll Schwarzkopf einmal als Prototyp eines westlichen Kapitalisten bezeichnet haben. Der Krieg unterbrach die genussvolle Zeit und brachte ihn mit dem Tiroler Landesschützenbataillon an die italienische Front.

Als Schwarzkopf 1918 nach Berlin zurückkehrte, ließ er sich von den Trümmern seiner Existenz offenkundig nicht groß beeindrucken, startete er doch schon Ende 1918 als Partner in der „Deutschen Glühfadenfabrik“ durch und gründete 1920 im holländischen Nijmegen eine Fabrik, in der Wolframdraht in großen Mengen hergestellt wurde.

Werkstätte Plansee Group 1970
Ein Blick hinter die Kulissen: Fachkräfte der Plansee Group in den 70er Jahren.
© Plansee Group

Wolfram und Molybdän

Wolfram und Molybdän. Die beiden besonders widerstandsfähigen Werkstoffe hatten es Schwarzkopf schon angetan, als er die Technischen Universitäten in Prag und Berlin besuchte. Anders als andere Metalle können Wolfram und Molybdän nicht im Gussverfahren bearbeitet werden, dafür ist ihr Schmelzpunkt viel zu hoch.

Vor dem Hintergrund und ausgestattet mit umfangreichem Wissen und noch größerem Forscherdrang fand Schwarzkopf ein Verfahren, um die harten Metalle in die Knie zu zwingen und ihre Eigenschaften zu nutzen. Pulvermetallurgie nennt es sich und verrät in gewisser Weise schon, was dabei passiert. In einem komplizierten Verfahren werden die Metalle zu Pulver zerstampft und dann unter hohem Druck und mit Wärme behandelt in die gewünschte Form zu bringen. Was sich so flockig schreibt und liest, war eine Sensation in der Metallverarbeitung und wurde zur Basis eines Weltkonzerns, in dessen Namen sich eine entscheidende Wendung in Schwarzkopfs Leben versteckt.

Unerschöpfliche Energiezufuhr

Selbst wenn für die pulvermetallurgischen Verfahren kein energiereicher Schmelzprozess notwendig ist, ist Energie ein entscheidender Faktor. Der Strompreis in Berlin war offensichtlich derart hoch, dass sich Paul Schwarzkopf mit seinem Partner per Zeitungsinserat in Österreich auf die Suche nach billigen Stromzentren machten. 1921 erhielten sie ein Angebot aus dem Tiroler Außerfern, wo der Plansee unerschöpfliche Energiezufuhr versprach.

Es zählt zu den netten Legenden des Unternehmens, dass Schwarzkopf Reutte anfangs mit Reith bei Seefeld verwechselte und sich angesichts des Angebotes sehr freute, weil er den idyllischen Ort am Seefelder Plateau im Rahmen seiner Soldatenzeit lieben gelernt hatte. Erst in Tirol angekommen soll er den Irrtum bemerkt haben, doch war die eventuelle Enttäuschung rasch verflogen, weil Breitenwang und der Plansee in Windeseile sein Herz eroberten.

Foto von Paul Schwarzkopf
FIrmengründer Paul Schwarzkopf hat den Grundstein für den Weltkonzern im Außerfern gelegt.
© Plansee Group

100 kraftstrotzende Jahre

Am 21. Juni 1921 kam er in Reutte an und am 24. Juni 1921 wurde bereits der Vertrag unterzeichnet, der als Gründungsurkunde der „Metallwerke Plansee Ges.m.b.H.“ gilt. Zu behaupten, dass der Rest Geschichte ist, die darin mündete, dass die Plansee-Gruppe ein den Globus umspannender Branchenprimus wurde, wäre viel zu leichtlippig. Dem umtriebigen und regelrecht forschungssüchtigen Unternehmer gelang es beispielsweise mit den Sinterwerkstoffen die Grundlage für die härtesten Spezialstähle herzustellen.

Er gründete Tochterunternehmen, traf Henry Ford, floh 1937 vor den Nationalsozialisten in die USA und erkämpfte sich 1952 das Metallwerk Plansee zurück, wo die Mitarbeiterzahl anstieg und konsequent innovativ Märkte erobert wurden. Harte Stücke seines Genies flogen mit den Apollo-Missionen ins All und auf den Mond. Am 27. Dezember 1970 starb Paul Schwarzkopf im Alter von 84 Jahren. 84 Jahre, deren erfinderische und unternehmerische Energie kaum in Worte zu fassen sind und seien sie auch noch so stark. Die Tatsachen sprechen für sich. Und sie sprechen für den Standort im Außerfern, wo die unternehmerische Weltreise begann und von wo aus sie in die Zukunft gelenkt wird.

Weitere Informationen: Plansee Group