Unterrainer macht mehr aus Holz

Lesezeit 5 Minuten
Mitten im Wald komfortabel nächtigen kann man in den Baumhäusern „Bert“ von Holzbau Unterrainer nahe dem Wirtshaus Steirereck am Pogusch.
Mitten im Wald komfortabel nächtigen kann man in den Baumhäusern „Bert“ nahe dem Wirtshaus Steirereck am Pogusch.
© Holzbau Unterrainer

Holzbau Unterrainer aus Ainet in Osttirol produziert gebogene Bauteile aus Holz. Eine Innovation, die wirtschaftlich, ästhetisch und ökologisch überzeugt.

Schon mit zahlreichen innovativen Bauten – manche kann man durchaus auch Objekte nennen – hat Leonhard Unterrainer seit der Gründung seines Unternehmens vor 15 Jahren für Aufsehen gesorgt. Da wäre einmal das „Ufogel“ getaufte, das etwas andere Fertighaus – gleichzeitig Wohnskulptur aus Lärchenholz und als echtes Raumwunder Vorbild für die heutige Generation von Tiny Houses. Oder der Prototyp einer Biwakschachtel – natürlich zur Gänze aus Holz gefertigt. Auch das Sauna-Häuschen in Tonnenform ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch eine bis ins kleinste Detail durchdachte Unterrainer-Kreation.

Auf großes mediales Interesse stieß zuletzt das modulare Baumhaus „Bert“, welches das Pinzgauer Holzbauunternehmen Maier aus gebogenen Wandelementen von Holzbau Unterrainer errichtete. Möglich wurden die Rund-Formen und geschwungenen Holzelemente durch eine Erfindung von Leonhard Unterrainer, für die er schon 2008 mit dem Tiroler Jungunternehmerpreis ausgezeichnet wurde: Sein „Radiusholz“ brachte die Lösung für gestalterische und statische Problemstellungen, die bisher dem Holzbau Grenzen aufgezeigt hatten.

Klar, dass für die Herstellung solcher Platten keine Maschinen „von der Stange“ verfügbar waren. Mit dem Maschinenbauer Bernhard Unter-lercher aus Hopfgarten in Defereggen fand sich ein kongenialer Partner zur Konstruktion und den Bau einer speziellen Spindelpresse. Damit war auch der Weg für ein zweites Standbein der Zimmerei, nämlich einen Produktionsbetrieb sowohl für gerade Brettsperrholzplatten und Radiusholz – einem gefragten Nischenprodukt – geebnet.

Innovationspreis Logo Flieger
Holzbau Unterrainer

In der Werkstätte in Dölsach, wo sich der Betrieb anfangs eingemietet hatte, wurde es für den geplanten Entwicklungsschritt zu eng, weshalb 2013 im Gewerbegebiet der Iseltaler Gemeinde Ainet eine Halle errichtet wurde. „Mit dem Bau unserer Halle aus den selbst erzeugten Brettsperrholz-Elementen und Radiusplatten für das gebogene Dach konnten wir die optimale Eignung unserer Konstruktion auch für Gewerbe- und Industriebauten unter Beweis stellen. So besteht etwa das Dach aus modularen gebogenen Elementen, die bei einer Stärke von nur 16 cm auf 20 Meter Spannweite eine Schneelast von mindestens 450 kg pro Quadratmeter verkraften. Die Montagezeit für die ursprünglich 1.200 m2 große und inzwischen auf 1.600 m2 erweiterte Halle betrug nur acht Tage“, erklärt der Firmenchef.

„2015 wurden wir für die Halle mit dem Tiroler Holzbaupreis ausgezeichnet; 2019 gewannen wir einen weiteren Holzbaupreis in der Kategorie Gewerbeobjekte für die Qwistion-Firmenzentrale in Reith bei Seefeld“. Dass Holzbau Unterrainer als einziges europäisches Unternehmen in der Lage ist, gebogene Brettsperrholzplatten besonders rasch, kosteneffizient und zudem ressourcenschonend serienmäßig herzustellen, hat auch das Land Tirol 2019 mit dem „Cluster-Award“ gewürdigt.

Wie mit Radiusholz auch Gewerbebauten besonders attraktiv gestaltet werden können, zeigt Holzbau Unterrainer sowohl mit seiner Produktions- und Abbundhalle wie auch mit dem neuen Büro- und Verwaltungsgebäude am Firmenstandort Ainet.
Wie mit Radiusholz auch Gewerbebauten besonders attraktiv gestaltet werden können, zeigt Holzbau Unterrainer sowohl mit seiner Produktions- und Abbundhalle wie auch mit dem neuen Büro- und Verwaltungsgebäude am Firmenstandort Ainet.
© Holzbau Unterrainer

Automatisierungs-Investitionen

Begonnen hat Leonhard Unterrainer 2006 mit zwei Mitarbeitern; heute zählt die Holzbau Unterrainer GmbH mit 45 Beschäftigten zu den größten Handwerksbetrieben der Region. „In der Brettsperrholz- und Radiusholz-Produktion arbeiten wir in zwei Schichten, wobei wir in den letzten Jahren durch Automatisierungs-Investitionen die Abläufe besonders effizient gestalten konnten. So sorgt etwa ein Industrieroboter für die Beschickung der Verleimungs- und Hobelstation. Mit der CNC-gesteuerten Abbundanlage erfolgen millimetergenaue Zuschnitte der Brettsperrholzplatten.

Da wir als Zulieferer für andere Zimmereien – vor allem in Nordtirol, Oberösterreich und Bayern – tätig sind, müssen unsere Bauelemente CE-gekennzeichnet sein und dafür aufwändig geprüft werden. Wir verfügen über alle notwendigen Zertifizierungen – so etwa die Europäische Technische Bewertung, das CPR- Zertifikat der Holzforschung Austria und das PEFC-Siegel. Die laufende Qualitätsüberwachung und deren Dokumentation erfolgt in unserem hauseigenen, modernst ausgestatteten Labor“, berichtet der Unternehmer.

Firmenchef Leonhard Unterrainer setzt Visionen um.
Firmenchef Leonhard Unterrainer setzt Visionen um. Mit seinen Brettsperrholz- und Radiusholz-platten hat er neue Dimensionen im Holzbau eröffnet.
© Martin Lugger

„Wir sind natürlich auch als ‚klassischer‘ Zimmereibetrieb mit bestens ausgebildeten Facharbeitern vor allem in Osttirol und den angrenzenden Regionen tätig, wobei vom Erstgespräch mit den Kunden über die Planung und 3D-Visualisierung bis zur Montage alle Leistungen aus einer Hand angeboten werden. Seit 2018 verfügen wir zusätzlich über das Baumeister-Gewerbe, weshalb wir auch als Generalunternehmer tätig werden und somit von der Einreichplanung bis zur Ausführung vom Keller bis zum Dach alles übernehmen können.“

Die Freude über volle Auftragsbücher und den auch während der ganzen Corona-Zeit nie unterbrochenen Betrieb wird bei Holzbau Unterrainer wie bei allen Branchenkollegen durch die aktuelle Kostenexplosion auf dem Holzmarkt und die Lieferengpässe getrübt.

„Ich war über die Jahre immer der Hauptabnehmer von Schnittholz aus dem benachbarten Sägewerk. Derzeit bekomme ich nur ein Drittel der benötigten Mengen, wobei die Preise ständig nach oben klettern und eine seriöse Kalkulation fast unmöglich gemacht wird. Ich bin momentan fast ausschließlich damit beschäftigt, Preise mit meinen Kunden neu zu verhandeln und zu schauen, wo ich das benötigte Schnittholz herbekomme“, so der Unternehmer. „Ich befürchte, dass in den nächsten Monaten ein Einbruch bei den Auftragseingängen droht, weil sich die ‚Häuslbauer‘, für die wir in der Zimmerei hauptsächlich arbeiten, das Bauen einfach nicht mehr leisten können.“

Die röhrenförmigen Elemente aus Osttiroler Holz für die Baumhäuser stammen von Holzbau Unterrainer.
Die röhrenförmigen Elemente aus Osttiroler Holz für die Baumhäuser stammen von Holzbau Unterrainer.
© Holzbau Unterrainer

Aktiver Klimaschutz ist dem Unternehmen nicht nur durch die Verwendung des regionalen, nachwachsenden Rohstoffs Holz, sondern auch durch ständige Verbesserungen in den Bereichen Wärmedämmung und Energieeffizienz ein besonderes Anliegen. Mit der zwischenzeitlich patentierten Entwicklung sogenannter „Vakuum-Wände“, die ohne zusätzliches Dämm-Material auskommen, ist Leonhard Unterrainer eine weitere zukunftsweisende Innovation gelungen.

Er freut sich auch darüber, dass die im letzten Jahr auf dem riesigen Hallendach installierte Fotovoltaik-Anlage hervorragend funktioniert und den gesamten Strom für Produktion und Verwaltung liefert: „Da wir momentan einen Teil des erzeugten Solarstroms noch gar nicht selbst verbrauchen können, werden wir demnächst in elektrisch beheizte Trockenkammern investieren. Dadurch können wir Holz bei kleinen Sägewerken, die über keine eigenen Trockeneinrichtungen verfügen, und direkt bei den Waldbauern einkaufen und werden damit wieder ein wenig unabhängiger von der aktuellen Marktsituation.“

Weitere Informationen: www.holzbau-unterrainer.at