FireCompass als digitaler Lebensretter

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FireCompass ist ein wertvoller Helfer für Einsatzkräfte, um ihre eigene Sicherheit zu garantieren.
FireCompass ist ein wertvoller Helfer für Einsatzkräfte, um ihre eigene Sicherheit zu garantieren.
© DirFind OG

Feuerwehrleute sind auf genaue Informationen angewiesen, um ihre eigene Sicherheit und die ihrer Kameraden zu garantieren. Zwei Tiroler arbeiten nun am FireCompass. Ein System, das Einsätze sicherer machen soll.

Jedes Mal, wenn Feuerwehrleute in ein brennendes Gebäude vordringen, gehen sie ein nur begrenzt kalkulierbares Risiko ein. Dennoch ist das Wagnis oft unerlässlich – sei es, um den Brand direkt zu bekämpfen, oder um Eingeschlossene zu suchen und zu bergen.

Die größte Gefahr geht dabei nicht einmal von den Flammen selbst aus, weiß Mario Gebhart, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Inzing und Entwickler von FireCompass: „Brennende Innenräume füllen sich sofort mit Rauch. Das bedeutet schlechte bis nicht vorhandene Sicht, wodurch die Situation extrem desorientierend werden kann. Kommen dann noch brennende Möbelstücke, herabstürzende Deckenteile und mehr dazu, wird daraus schnell tödliche Gefahr.“

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FireCompass

Veraltete Ausrüstung

Für die Einsatzkräfte ist es deswegen extrem wichtig, immer zu wissen, wo sie und ihre Kameraden sich befinden. Denn nur so ist die Selbstrettung oder Rettung anderer möglich, sollte es zum Äußersten kommen. Bislang werden dazu Totmann-Melder eingesetzt: Geräte, die einen lauten Alarmton von sich geben, sobald ihr Träger sich länger als 60 Sekunden nicht bewegt.

„Diese Melder sind seit den 1990ern im Einsatz“, erklärt Gebhart. Was damals den besten technischen Möglichkeiten entsprach, ist aber nicht nur längst überholt, sondern bringt auch einige Tücken mit sich: „Einen akustischen Alarm klar zu verorten, kann unter normalen Bedingungen schon schwierig sein. Wird es dann noch von der Ausrüstung gedämpft, vom Lärm des Brandes und vom Geräusch des Atemschutzes überdeckt, kann es nahezu unmöglich werden.“

Mario Gebhart - FireCompass
Mario Gebhart

Technologiesprung

Inzwischen sind die technischen Möglichkeiten jedoch deutlich gewachsen. Das dachten sich auch Gebhart und Lorenz Schöllenberger, die seit vergangenem Jahr an einer zeitgemäßen Lösung des Problems arbeiten. So entstand das Konzept des FireCompass – eines Ortungs- und Navigationssystems für Einsatzkräfte.

„Das Wichtigste war, den Alarmton durch ein Sender-Empfänger-System zu ersetzen“, erklärt Gebhart. Anstatt sich auf das Gehör zu verlassen, übertragen die Geräte am Handgelenk in Echtzeit nicht nur die Position untereinander, sondern auch die Distanzen zueinander und stellen sie visuell dar. „Damit würden im Einsatz objektive Informationen zur Verfügung stehen, die im Ernstfall Leben retten können.“

Harte Anforderungen

Weil FireCompass speziell für den Nahbereich entwickelt wird, fallen auch viele Unschärfen weg, die bei „großen“ Systemen wie GPS die Präzision einschränken. „Aktuell haben wir drei Technologien im Visier, die eine sehr genaue Peilung möglich machen“, sagt der Entwickler. „Unser Ziel ist es, eine genaue Positionierung aller FireCompass-Träger in einem Einfamilienhaus auch durch Hindernisse wie Wände zu ermöglichen.“

Bereits in den kommenden Monaten wollen Gebhart und Schöllenberger einen funktionierenden Prototypen fertigen. Dabei ist nicht nur die Präzision ein wichtiger Aspekt: „Gerade im Blaulichtbereich muss ein solches System auch unter härtesten Bedingungen – das bedeutet Hitze, Stöße, Wasser und mehr – einwandfrei funktionieren“, erklärt Gebhart. „Das sind alles zusätzliche Herausforderungen, die von Anfang an in die Umsetzung miteinfließen müssen.“