Optronia macht digitale Rehkitz-Rettung möglich

Lesezeit 0 Minuten
Traktor mit Mähmaschine
Optronia hat Mähmaschinen mit "elektronischen Augen" ausgestattet.
© Optronia

Das Start-up Optronia hat sich auf die Entwicklung und Integration optischer Sensortechnik spezialisiert und sich einem verbreiteten Problem beim Einsatz von Mähmaschinen angenommen.

Rehe sind von Natur aus scheu. Ausgewachsen suchen sie in der Regel ihr Heil in der Flucht, wenn Gefahr droht. Doch Jungtiere sind oft noch nicht schnell genug, um Räubern zu entkommen. „Deswegen ist es der natürliche Instinkt von Kitzen, sich zu verstecken – bevorzugt in hoher Vegetation“, erklärt Ulrich Hausmann, Mitbegründer des Innsbrucker Start-ups Optronia. Leider bieten den Tieren deswegen Wiesen oft vermeintlich idealen Schutz. Denn während hochgewachsenes Gras ein hervorragendes Versteck vor Fressfeinden bietet, werden die dort eingesetzten Mähmaschinen zur tödlichen Gefahr.

„Alleine in Österreich werden durch Mähunfälle jedes Jahr rund 20.000 Rehkitze getötet oder verletzt“, berichtet er. Und das ist nicht „nur“ ein moralisches Problem im Hinblick auf das Tierwohl. Auch wirtschaftlicher Schaden ist damit verbunden. Gerät ein Rehkitz in die Mähmaschine, wird die Ernte kontaminiert. Bei der Verwendung von Heu und Silo als Tierfutter droht dann die Gefahr, bakterielle Gifte vom Aas auf Stalltiere zu übertragen.

Innovationspreis Logo Flieger
Optronia GmbH

Teillösungen

Die bisherigen Möglichkeiten, diesem Problem Herr zu werden, waren nicht nur aufwendig, sondern auch in ihrem Erfolg beschränkt: Feldbegehungen vor dem Mähen kosten Zeit und sind nur bedingt wirksam, da sich Rehkitze bis zum allerletzten Moment verstecken. Das Abfliegen der Felder mit Drohnen ist zwar etwas erfolgversprechender, die Ausrüstung ist aber teuer und ihr Einsatz bedarf nicht nur Erfahrung, sondern ist von der Tageszeit eingeschränkt und auch oft genehmigungspflichtig.

Voll integriert

Einen anderen Ansatz verfolgen Hausmann und Optronia-Mitbegründer Nicola Baldo. Anstatt ein komplett unabhängiges System zu entwickeln, haben sie Mähmaschinen mit elektronischen „Augen“ ausgestattet, die erkennen können, was sich hinter den Pflanzen verbirgt. „Schlüssel ist die Reflexion von nahinfrarotem Licht“, erklärt Hausmann. „Jede Oberfläche und jedes Material reflektiert manche Wellenlängen besser, schlechter oder gar nicht. Da das Infrarotspektrum das dichte Gras am besten durchdringt, kann das System erkennen, was sich hinter ihnen verbirgt – und weil die Strahlung auch bei Sonnenlicht erkannt wird, funktioniert das zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Die Gründer von Optronia: Nicola Baldo und Ulrich Hausmann (r.)
Die Gründer von Optronia: Nicola Baldo und Ulrich Hausmann (r.)
© Patrick Saringer/Optronia

Kooperation

Die Sensoren des Sensosafe getauften Systems werden dazu als Balken vor den Mähwerken eines Mähdreschers oder Traktors montiert. Im Betrieb leuchten sie das Feld in Fahrtrichtung mit infrarotem Licht aus. Werden spezifische Wellenlängen, die mit Tieren assoziiert sind, zurückgeworfen, reagiert das System, das zudem auch die Form des gefundenen Objekts analysiert. „Wir hatten bei der Entwicklung das Glück, Pöttinger als Partner mit an Bord zu haben“, berichtet Hausmann. Der weltweit tätige Landwirtschaftsmaschinenhersteller kooperiert seit 2018 mit Optronia. Dadurch hatten die Entwickler die Möglichkeit, Sensosafe direkt in die Bordelektronik der Mähmaschinen zu integrieren. „So kann der Mäharm automatisch gehoben und die Maschine angehalten werden, wenn sich ein Tier in Gefahr befindet.“ Aber auch ältere Traktoren können nachgerüstet werden. Hier dient das Smartphone als Schnittstelle. Verbunden mit Sensosafe ertönt ein Alarmsignal, wenn das System Gefahr erkennt.

Mehrstufige Premiere

Sensosafe beweist sich mittlerweile in der Praxis und wird bald weithin verfügbar sein: Wurden die ersten Systeme dieses Frühjahr schon an ausgewählte Kunden ausgeliefert, erfolgt die offizielle Markteinführung im kommenden August. Doch die wirklich große Vorstellung steht noch aus: „Im Februar 2021 werden wir gemeinsam mit Pöttinger auf der Agritechnica in Hannover zu Gast sein“, erzählt Hausmann. Auf der weltweit größten Messe für Agrartechnik werden Aussteller und Publikum aus aller Welt erwartet. „Dort ist dann die offizielle Präsentation von Sensosafe geplant.“

Mehr Informationen: www.optronia.com