WK-Präsident Christoph Walser
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Kommentar

Die Balance finden

WK-Präsident Christoph Walser
© WK Tirol/Frischauf

„Jetzt gilt es, Weichen zu stellen und auf den Erfolgspfad zurückzukehren“, betont WK-Präsident Christoph Walser.

KOMMENTAR

Wir befinden uns derzeit noch im Niemandsland: Die Krise ist vorbei, aber nicht ganz; die Arbeitslosenzahlen sinken, aber nicht schnell genug; der Ausnahmezustand ist beendet, aber die Normalität noch nicht richtig da. Dieser Zustand ist nicht befriedigend, aber er hat auch Vorteile: Im Niemandsland gibt es noch keine Wege.

Jetzt gilt es, Weichen zu stellen und auf den Erfolgspfad zurückzukehren. Dass weder das Land noch die WK schlafen, belegen die jüngsten Aktivitäten: Die Perspektivenwoche des Landes inklusive des neuen „Tiroler Wegs“ hatte ihren Sinn darin, die Orientierung zu finden und die Richtung vorzugeben. Dasselbe gilt für das „Restart Programm“ der WK Tirol, das detailliert auflistet, welche Maßnahmen auf Bundesebene, auf Landesebene und im Tiroler Tourismus jetzt zu setzen sind. Dazu kommen beherzte Initiativen verschiedener Branchen, beispielsweise „kreativland.tirol“ im Bereich Werbung und Marktkommunikation oder „Besser als du denkst“ im Bereich Tourismus.

Jetzt braucht es viel politisches Fingerspitzengefühl, um die richtige Balance zu finden. Etwa bei den Corona-Unterstützungen. Dort ist es gelungen, wichtige Förderinstrumente für Branchen zu verlängern, die noch mitten in der Krise stecken, und in anderen Bereichen die Latte höher zu legen. Diese Nachschärfung ist notwendig – denn das Geld ist schließlich nicht geschenkt und muss von uns allen in Form von Steuern in den kommenden Jahren wieder zurückgezahlt werden.

WK-Präsident Christoph Walser

Heikel ist auch der Bereich Beschäftigung. Wir haben immer noch einen Rekordstand bei den Arbeitslosen – aber die staatlichen Unterstützungen einfach fortzuführen, ist keine Option. Der längst wieder akut gewordene Fachkräftemangel belegt, dass die Wirtschaft zum Glück wieder anzieht. Eine Reform der Arbeitsmarktpolitik muss möglichst bald auf die politische Tagesordnung: Zum einen in Form einer umfassenden Qualifikations-Offensive, um die Kompetenzen der Bewerber mit den Anforderungen ausgeschriebener Stellen zusammenzubringen. Zum anderen braucht es wirksamere Anreize als bisher, eine Arbeit anzunehmen. Es darf in Zukunft nicht darum gehen, das Leben in Arbeitslosigkeit zu finanzieren, sondern es muss das Ziel sein, die Arbeitsaufnahme in Gang zu bringen.

Am allerwichtigsten ist derzeit jedoch, möglichst schnell möglichst viel Impfstoff zu beschaffen. Nur so bekommen wir Corona in den Griff. Das möchte ich auch jenen mit auf den Weg geben, die bis jetzt einer Impfung kritisch gegenüberstehen. Es geht nur mit Pfizer & Co. Die neue Normalität ist zwar nicht geschenkt – aber ein kleiner Stich in den Oberarm ist ein Preis, der definitiv vertretbar ist.

E christoph.walser@wktirol.at

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