Entsorgungs- und Recyclingfachkraft Laurens Pregenzer mit seinem Lehrlingsausbildner Martin Karabec. Der Abfall wird jeden Tag gewogen, analysiert und zugeordnet.
Perspektiven

Neuer Lehrberuf: Entsorgungs- und Recyclingfachkraft

Laurens Pregenzer mit seinem Lehrlingsausbildner Martin Karabec. Der Abfall wird jeden Tag gewogen, analysiert und zugeordnet.
© WK Tirol

Der Fachverband Entsorgungs- & Ressourcenmanagement trägt dem erhöhten Fachkräftemangel Rechnung und bringt mit dem Lehrberuf Entsorgungs- und Recyclingfachkraft eine moderne Ausbildung auf den Weg.

 

Stellen Sie sich vor, niemand entsorgt Ihren Müll. Das würde nicht nur richtig übel riechen, sondern wäre auch schlecht für die Umwelt. Entsorgungs- und Recyclingfachleute im Bereich Abfall sorgen für die fachgerechte Behandlung und Verwertung von Abfällen und gefährlichen Problemstoffen wie zum Beispiel Altöle, Lacke, Batterien, Kunststoffe oder Elektronikschrott. Einer davon ist Laurens Pregenzer. Der 18-jährige absolviert derzeit die Lehre zum Entsorgungs- und Recyclingfachmann bei der Freudenthaler GmbH & Co KG in Inzing.

„In der Früh werden jene Abfälle verwogen, die bereits am Vortag bei den Kunden abgeholt und zugeliefert wurden. Der Abfall kommt in Fässern oder großen Containern. Ich mache dann die Eingangsanalyse, wiege, schaue welcher Abfall das ist – ob Chemikalien, Medikamente, brennbare Farben oder auch Lebensmittel. Es gibt verschiedene Schienen, denen die Abfälle dann zugeordnet werden“, erklärt der angehende Recyclingfachmann begeistert. Laurens hat zuvor die Neue Mittelschule in Kematen und die Waldorfschule in Innsbruck besucht. Nach einem vierwöchigen Praktikum hat ihn die Begeisterung für die Abfallwirtschaft gepackt und der 18-jährige ist direkt in den neuen Lehrberuf eingetaucht.

Klimaschutz

Ressourcenknappheit und Klimaschutz sind tiefgreifende Themen unserer Gesellschaft. Die Aufbereitung von Abfall erlangt angesichts der weltweit dramatisch sinkenden Rohstoffvorkommen immer größere Bedeutung. Dementsprechend hat sich auch die Abfallwirtschaft in den letzten Jahren stark verändert: Ihre Aufgabe liegt heute nicht mehr nur in der Entsorgung des Abfalls, sondern vielmehr in der Sicherung von Rohstoffen.

„Der Beruf ist nicht nur vielfältig, sondern auch krisensicher, wie uns die letzten Monate gezeigt haben. Zudem kann die Jugend an den aktuellen Problemen der Gesellschaft mitarbeiten. Das ist ein tolles Gefühl“, erklärt Geschäftsführerin Ingeborg Freudenthaler. „Wir müssen alle viel besser auf die Umwelt aufpassen, sonst bekommen wir ein riesiges Problem. Der Klimaschutz ist ein wichtiger Punkt in unserer Öffentlichkeit, dadurch ist es auch ein sehr zukunftsweisender Beruf.“

Kreislaufwirtschaft

Die Kreislaufwirtschaft und damit einhergehend der Umgang mit wertvollen Ressourcen, gewinnt zunehmend an umweltpolitischer und volkswirtschaftlicher Bedeutung. Der Bedarf an kompetenten Fachkräften in der Entsorgungsbranche mit fachübergreifendem Wissen steigt. „Ich bin ein sehr umweltbewusster Mensch. Mich interessiert es einfach, was mit den Abfällen passiert. Denn die meisten Leute wissen ja gar nicht, was mit den Stoffen gemacht wird“, erklärt Lehrling Laurens.

„Gerade bei Lebensmitteln hat es mich am Anfang erschreckt, wieviel da an Abfall anfällt. So hat sich auch meine Denkweise und das Verhalten zuhause verändert. Joghurtbecher zum Beispiel werden jetzt immer ausgewaschen, denn es sollten ja keine Verunreinigungen in den Plastiksorten sein. Auch meine Freunde denken jetzt schon um, das gefällt mir.“ Der Arbeitstag fängt für die Recyclingfachkraft um 7:30 Uhr morgens an. Das Team besteht aus insgesamt acht Mitarbeitern. „Mein Lehrlingsausbilder Martin hilft immer und erklärt viel und sehr genau. Er zeigt mir auch regelmäßig Versuche, damit ich die chemischen Reaktionen der Abfälle anschaulich sehe und verstehe.“

Entsorgungs- und Recyclingfachkraft ist ein Lehrberuf mit Zukunft: Laurens Pregenzer mit Geschäftsführerin Ingeborg Freudenthaler.
Entsorgungs- und Recyclingfachkraft ist ein Lehrberuf mit Zukunft: Laurens Pregenzer mit Geschäftsführerin Ingeborg Freudenthaler.
© WK Tirol

Zentrale Neuerung bei der Lehrausbildung ist die Aufnahme von Ausbildungsinhalten für den Abfallbeauftragten, dessen Namhaftmachung gemäß dem Abfallwirtschaftsgesetz (AWG 2002) für Unternehmen mit über 100 Arbeitnehmern verpflichtend ist. Diese speziellen Kenntnisse und Fertigkeiten werden nun u.a. im Rahmen der Lehre vermittelt. Damit wird diese Ausbildung wesentlich aufgewertet. Gleichzeitig wurden die Inhalte des Chemie-Bereiches an die Bedürfnisse in der Praxis angepasst.

Laurens besucht die Berufsschule in Linz, jedes Jahr zehn Wochen. In den Fächern Entsorgungstechnik und Naturwissenschaften lernen die Berufsschüler auch viel über die chemischen Vorgänge. „Aber die Laborarbeit ist durch Homeschooling dieses Jahr leider weggefallen. Die ganzen Übungen waren leider nicht möglich.“

Zukunftspotenzial

„Das vielseitige Betätigungsfeld weist großes Karrierepotenzial für junge Menschen auf, die einen verantwortungsvollen Job im Umweltbereich anstreben. Die Ausbildungsziele orientieren sich stark an den aktuellen Herausforderungen sowie zukünftigen Bedürfnissen der Abfallwirtschaft“, erklärt Ingeborg Freudenthaler. Aufgrund steigender Mitgliederzahlen, der generellen Entwicklungen im Umweltschutzbereich sowie unter anderem auch aufgrund des Kreislaufwirtschaftspakets, befindet sich die Branche in einem Wandel hin zu einer Zukunftsbranche, die vielseitige und innovative Greenjobs in einem spannenden, herausfordernden Betätigungsfeld bietet.

„Ich habe einen sehr guten Beruf für die Zukunft gewählt. Denn ich kann so viele verschiedene Richtungen einschlagen, dass mir auch in Zukunft ganz viele Türen offenstehen werden“, erklärt Laurens Pregenzer. „Auch meinen Nachbarn habe ich schon für diesen Lehrberuf begeistern können. Er hat bereits geschnuppert und fängt im August an. Das zeigt schon, wie sehr ich diesen Beruf mag und dass es genau das richtige für mich ist. Ich versuche die Menschen für diesen Beruf zu begeistern.“

Weitere Informationen:
Helmut Wittmer
Lehrvertragsservice der Tiroler Wirtschaftskammer
T 05 90 905 7301
E helmut.wittmer@wktirol.at
W wko.at/bildung

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