WK-Präsident Christoph Walser
Kommentar

Elchtest

WK-Präsident Christoph Walser
© WK Tirol/Frischauf

„Wir müssen jetzt die Wirtschaft wieder in Schwung bringen und dürfen den Betrieben nicht neue Hürden aufstellen“, fordert WK-Präsident Christoph Walser.

KOMMENTAR

Die letzten 14 Monate waren von einem einzigen Thema beherrscht: Corona, Corona und nochmals Corona. Verständlich, denn noch nie mussten die Bevölkerung und die heimischen Betriebe mit derart massiven Einschränkungen zurechtkommen. Jetzt können wir endlich wieder aufsperren, wenn auch noch schaumgebremst, da das Virus zwar nicht weg ist, aber immerhin in Schach gehalten werden kann. Freilich gilt es zunächst noch, die Bürde der Pandemie endgültig loszuwerden und die massiven Auflagen, die derzeit noch wie ein Bremsklotz das unbeschwerte Durchstarten verhindern, auf das Allernötigste zurückzuschrauben. Corona-Maßnahmen sind kein Selbstzweck, sie haben nur so lange ihre Berechtigung, wie sie unbedingt erforderlich sind.

Danach kann es nur ein Ziel geben: Die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und die Rekordarbeitslosigkeit abzubauen. Das gelingt am besten, wenn man die Unternehmen „machen“ lässt und ihnen möglichst wenig Prügel vor die Beine wirft. Da der allergrößte Prügel, nämlich Corona, mehr und mehr verschwindet, wird der Blick darauf frei, was sonst noch alles so herumliegt. Das ist so einiges, worauf wir in den letzten 14 Monaten gar nicht geachtet haben.

Unser Standort leistet sich eine der höchsten Steuerquoten weltweit – mit massiven Nachteilen gegenüber internationalen Mitbewerbern. Unsere Bürokratie breitet sich an manchen Stellen immer noch ungebremst aus – und raubt so manchem Mittelständler den letzten Nerv. Der Fachkräftemangel verlangt nach konkreten Lösungen anstatt unverbindlicher Ansagen in Sonntagsreden – sonst fehlt die Man-Power für den ReStart. Und zwischen Ökonomie und Ökologie müssen wir noch die richtige Balance finden – denn reflexartig jedes neue Projekt abzuwürgen ist keine Lösung.

WK-Präsident Christoph Walser

Es gibt also einiges zu tun, um die Strecke wieder frei zu machen. Zu allem Überfluss arbeiten manche daran, künstliche Schikanen aufzubauen, obwohl die Wirtschaft gerade dabei ist, halbwegs Tempo aufzunehmen. Ich spreche von Arbeitszeitverkürzungen bei vollem Lohnausgleich. Von einem erhöhten Arbeitslosengeld. Und von den Rufen nach Vermögenssteuern. All diese Forderungen verkennen den Ernst der Lage – wir müssen jetzt die Wirtschaft wieder in Schwung bringen und dürfen den Betrieben nicht neue Hürden aufstellen, noch bevor sie richtig in Fahrt gekommen sind.

Die kommenden Monate werden nicht leicht. Aber wir haben jetzt die einmalige Chance, bei all unseren Systemen einen Elchtest durchzuführen und das zu belassen, was gut ist, aber beherzt auszumisten, was ausgedient hat. Erst dann können wir mit Recht sagen: Wir haben alles getan, um Corona endgültig hinter uns zu lassen.

E christoph.walser@wktirol.at

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