Ein eingespieltes Team: Anthea und Christof Althaler bei einer heiklen Wrackbergung.
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Althaler denkt alpine Bergetechnik neu

Ein eingespieltes Team: Anthea und Christof Althaler bei einer heiklen Wrackbergung.
© Althaler

Abschleppen, Bergen, Mobilität herstellen: Dafür sorgt die Althaler GmbH seit 40 Jahren in Osttirol und den angrenzenden Regionen – rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr.

In den letzten Monaten wurde viel von den „Helden des Alltags“ gesprochen. Zu dieser Spezies zählt zweifellos der in Tristach bei Lienz ansässige Abschlepp- und Bergeunternehmer Christof Althaler mit seinem kleinen Team – und das seit vier Jahrzehnten. Tag und Nacht, bei jeder Witterung und auch im schwierigsten Gelände gilt es, verunfallte oder liegengebliebene Fahrzeuge zu bergen und für die betroffenen Menschen rasche Hilfe zu organisieren.

Was Christof Althaler zusätzlich auszeichnet: Er ist Vordenker nicht nur für seine eigene Branche, sondern auch für unterschiedlichste Notfall- und Katastropheneinsätze, die er mit seinem Knowhow und laufenden Neuentwicklungen sicherer und effizienter macht.

Unter schwierigsten Bedingungen

Ursprünglich hat der Chef der Althaler GmbH eine Kunstschlosser-Lehre absolviert. „Ich sah in dieser Branche keine Zukunft für mich, weshalb ich für einige Jahre in den Freileitungsbau im hochalpinen Bereich wechselte. Was ich dort bei schwierigsten Gelände- und Wetterbedingungen gelernt habe, kommt mir auch heute noch zugute – so etwa Seilzugtechniken, Setzen von Ankerpunkten und vieles mehr. 1980 habe ich mich dann als Autoverwerter selbstständig gemacht; ein Jahr später legte ich die Güterbeförderungs-Konzessionsprüfung ab und konnte so meine betrieblichen Aktivitäten um den Abschleppdienst erweitern“, erzählt der Unternehmer.

Es war zunächst die Autoverwertung und der Handel mit sogenannten „Hochwert-Teilen“, für die Christof Althaler eine ganze Reihe von Innovationen erdachte und auch umsetzte. Mit Softwarelösungen für Auto-Demontagen wurde seine damalige „Althaler Softwarehaus GmbH“ ein früher Vorreiter der Digitalisierung. Die ursprünglich entwickelten Programme sind weiterhin als „ALKA-Software“ am Markt, nachdem ein bayrisches IT-Unternehmen die Lizenzen vor rund zehn Jahren übernommen hat und sich seither um Aktualisierung und Vertrieb kümmert.

Erworbenes Wissen durch Pilotanlage

Christof Althaler hat auch viel Geld, Zeit und Energie investiert, um die ökonomisch und ökologisch unbefriedigende Situation bei der Behandlung von Altautos zu verbessern. „Auch wenn sich mein fertig ausgearbeitetes Projekt einer Pilotanlage für die umwelt- und ressourcenschonende Altautodemontage auf unserem Firmengelände leider nicht realisieren ließ, profitierte ich durch das dabei erworbene Wissen für meine heutige Haupttätigkeit – vor allem durch die intensive Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik“, stellt Althaler im Rückblick fest.

Kombinierte Seilwinden- und Kranbergung eines Kühlwagens.
Herausfordernd und aufwändig: Die kombinierte Seilwinden- und Kranbergung eines Kühlwagens auf einer schmalen Bergstraße.
© Althaler

Tochter Anthea ist für ihren Vater mittlerweile eine unverzichtbare Stütze im Betrieb. Sie absolvierte zunächst eine Kochlehre und arbeitete danach in erstklassigen Restaurants, bis sie sich vor sechs Jahren zum Einstieg in das väterliche Unternehmen entschied. Es gibt vermutlich nicht viele Frauen, die so wie sie auf eine in Deutschland erfolgreich absolvierte Ausbildung zur Bergeleiterin für LKWs und Busse verweisen können – sozusagen die Königsdisziplin in diesem Metier.

Als versierte Einsatzfahrerin rückt sie mit schweren Abschlepp- und Berge-Lkw aus und bewältigt oft auch alleine anspruchsvolle Aufträge. „Ich achte besonders darauf, meine Gesundheit nicht zu gefährden. Wenn etwa ein schweres Motorrad für den Abtransport vorbereitet werden muss, dann kann ich das ohne größeren Kraftaufwand mit einer Art Schlitten, den wir selbst konstruiert haben, bewerkstelligen“, so die junge Abschleppspezialistin, die gerade das Einzelunternehmen „Alpine Bergungsakademie Althaler e.U.“ gegründet hat.

Innovative Technik im Einsatz

„Wir möchten jenes Wissen und die Erfahrungen, die mein Vater und ich bei alpinen Bergungseinsätzen gewonnen haben, weitergeben. Es hat sich gerade in den letzten Jahren gezeigt, dass die Witterungsextreme, aber auch neue Herausforderungen, wie etwa die Bergung von Elektrofahrzeugen, sorgfältige Planung und vor allem laufendes Training erfordern, um die vielfältigen Einsatzszenarien zu beherrschen. Das Übungsgelände sollte idealerweise auf unserem Firmenareal entstehen; wir bemühen uns gerade um die aufwändigen Bewilligungen“.

In das Schulungsgeschehen einfließen soll auch die Spinnanker-Technik, die von einem österreichischen Unternehmen in Kooperation mit technischen Universitäten entwickelt wurde. Die Althaler GmbH ist bereits seit einigen Jahren Vertriebs- und Servicepartner und kann auf eine Vielzahl erfolgreicher Einsätze dieser Technologie verweisen. „Wenn etwa ein LKW im steilen Gelände zu bergen ist, müssen enorme Kräfte beherrscht werden. So braucht man Ankerpunkte für die Befestigung der Anschlagmittel. Bäumen mangelt es als Folge des Klimawandels dafür zunehmend an der notwendigen Stabilität. Bei der Spinnanker-Technik sorgen Gewindestäbe, die durch eine Ankerplatte in den Boden eingebohrt werden, für den sicheren Halt. Überdies gibt es ein sehr breites Anwendungsspektrum“, zeigt sich Christof Althaler von dieser innovativen Technik begeistert.

„Ad hoc-Logistik“-Lager

Während des ersten Lockdowns im vorigen Frühjahr fand Christoph Althaler endlich Zeit, ein Projekt zu Papier zu bringen, das ihn schon seit längerer Zeit beschäftigt: Ein „Ad hoc-Logistik“-Lager, in welchem die Bergeausrüstung für eine Vielzahl unterschiedlichster Einsätze in speziellen Containern bereitgehalten und innerhalb von Minuten in ein mit einem speziellen Wechselsystem ausgestatteten Fahrzeug sicher verladen werden kann.

„Wir dokumentieren und evaluieren schon seit vielen Jahren alle schwierigen Einsätze einschließlich der jeweiligen Gelände- und Witterungsbedingungen. Aus der Sichtung dieser Unterlagen, meiner umfangreichen Fachbibliothek und aus den persönlichen Praxiserfahrungen ergab sich eine Kategorisierung und Strukturierung der jeweiligen Einsatzbedingungen, der optimalen Arbeitsweise und der dafür benötigten Hilfsmittel. Alle Parameter fließen demnächst in eine Datenbank ein, so dass der Einsatzfahrer am Tablett abrufen kann, welches fertig bestückte Einsatzset mitgenommen oder nachgeliefert werden muss“.

Weitere Informationen: Althaler Autoverwertung und Abschleppdienst