Homeoffice - schematische Darstellung
Homeoffice - schematische Darstellung
Perspektiven

Homeoffice: „Gekommen, um zu bleiben“

Homeoffice wird auch nach Corona einen fixen Platz haben.
© stock.adobe.com - goodzone95/Bildungsconsulting

Arbeiten auf Distanz wurde durch Corona salonfähig gemacht und wird auch nach der Krise eine Rolle spielen. Homeoffice ist mit neuen Anforderungen an die Führung verbunden.

Homeoffice hat in Österreich durch die Pandemie an Bedeutung gewonnen, Arbeitsprozesse sind im Wandel. Klar ist, Homeoffice ist gekommen um zu bleiben und wird uns auch nach der Pandemie im Arbeitsleben weiter begleiten.“ Das sagte Arbeitsminister Kocher anlässlich der Präsentation der neuen Homeoffice-Studie. Für diese Studie hat OGM im Auftrag des Arbeitsministeriums über 1400 Erwerbstätige und mehr als 1600 Unternehmen bzw. Dienststellen befragt. Fast 40 Prozent aller unselbständig Beschäftigten haben 2020 zumindest zeitweise im Homeoffice gearbeitet.

Unter den rund 60 Prozent der Arbeitnehmer, die nicht im Homeoffice waren, gaben neun von zehn als Grund an, dass Distanz-Arbeiten auf Grund ihrer Tätigkeit nicht möglich war. Auch seitens der Arbeitgeber wurde diese Begründung mit Abstand am häufigsten genannt. Für die Mehrheit der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stellte das Jahr 2020 eine Premiere dar, sie waren zum ersten Mal im Homeoffice. In Betrieben der Informations- und Kommunikationstechnologie, des Finanz- und Versicherungswesens sowie im Bildungswesen war Homeoffice fast universell im Einsatz. Großbetriebe nutzten Homeoffice deutlich häufiger als Kleinbetriebe.

Auswirkungen auf die Lebensqualität

Trotz der zumeist sehr kurzfristigen und improvisierten Einführung hat Homeoffice aus Sicht aller Beteiligten mehrheitlich gut funktioniert. Positive Auswirkungen bei arbeitsbezogenen Aspekten waren für beide Seiten vor allem die Arbeitsergebnisse und der Erwerb neuer Kenntnisse und Fähigkeiten im Homeoffice. Kritisch bewertet wurden die Bereiche Kommunikation, Kooperation, Arbeitsklima und soziale Aspekte. Die Grundzufriedenheit mit Homeoffice ergab sich vor allem aus günstigen Auswirkungen auf die Lebensqualität bei den Beschäftigten. Die Zufriedenheit war bei Männern und Frauen gleich hoch, bei Jüngeren noch deutlicher als bei Älteren.

Im Homeoffice wurde häufiger selbstgestaltet zu unregelmäßigen Zeiten gearbeitet, was sowohl von den Arbeitnehmern als auch von den Arbeitgebern im Wesentlichen akzeptiert wurde. Ein abweichendes Meinungsbild besteht jedoch beim möglichen Anspruch auf Zuschläge durch Mehrarbeit oder als Folge von in Eigeninitiative in den Abend oder ins Wochenende verlagerten Arbeitszeiten. Die Meinung zur Finanzierung der technischen Ausrüstung ist ebenfalls unterschiedlich, die Arbeitnehmer befürworten in der Studie eine Abgeltung allfälliger Mehrkosten durch eine Homeoffice-Pauschale, während Arbeitgeber die Geräte lieber selbst beschaffen und zur Verfügung stellen wollen.

Und wie soll es weitergehen?

Die OGM-Studie geht davon aus, dass Homeoffice auch nach dem Ende der Corona- Pandemie in mehr Branchen und Betrieben zur Anwendung kommen wird als davor. Das aber weniger als generellen Wandel zum mobilen Arbeiten, sondern in Form einer flexiblen Koexistenz des traditionellen Arbeitsplatzes und eines bestimmten Stundenanteils Homeoffice pro Woche für geeignete Tätigkeiten und Branchen. Tatsache ist, dass Homeoffice insgesamt für rund 80 Prozent sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer in Frage kommt. Was die Ausprägung betrifft, so treten die Arbeitgeber tendenziell für ein geringeres Ausmaß ein.

Die größte Schnittmenge zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ergibt sich bei ein bis zwei Tagen Homeoffice pro Woche. Das sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Homeoffice von beiden Seiten auch nach der Krise aufrecht bleiben wird. Letztlich wird dieses Thema zu einem entscheidenden Kriterium für das Employer Branding. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels steigert das Angebot von Arbeitsplätzen mit einem gewissen Anteil an Homeoffice die Attraktivität als Arbeitgeber und kann bei besonders gefragten Berufen den Ausschlag geben, ob Unternehmen offene Stellen besetzen können oder nicht.

Neue Anforderungen an die Führung

Das Nebeneinander von Präsenz- und Distanzarbeit führt zu völlig neuen Herausforderungen an die Führung von Unternehmen. Teams brauchen andere Führungsinstrumente, wenn sie nicht zusammen unter einem Dach sitzen, sondern zuhause am Schreibtisch arbeiten. Die renommierte deutsche „Haufe-Akademie“ hat sechs Tipps zusammengestellt, mit denen virtuelle Führung gelingt:

1. Transparenz leben: Klären Sie die unterschiedlichen Erwartungen: Ihre an das Team und die des Teams an Sie.
2. Fehler zulassen: Erklären Sie, dass in der ersten Zeit eventuell nicht alles gleich funktioniert. An die neue Situation müssen sich erst alle anpassen.
3. Klaren Rahmen bieten: Vertrauen in Ihre Mitarbeiter ist die Voraussetzung dafür, dass Sie und das Team auch Homeoffice erfolgreich meistern. Die Basis für Vertrauen sind ein klar definierter Rahmen fürs tägliche Tun – und laufende Kommunikation.
4. Gemeinsam in den Tag starten: Vereinbaren Sie ein tägliches Teammeeting zum Start in den Tag. Mit Tools wie Microsoft Teams, Zoom oder ähnlichem ist das kein Problem.
5. Fixpunkte beibehalten: Führen Sie gewohnte Gesprächstermine im Homeoffice fort. Aber eben virtuell. Vereinbaren Sie feste Termine für Einzelgespräche – diese sind wichtiger denn je.
6. Erreichbar sein: Machen Sie deutlich, dass Sie für alle jederzeit ansprechbar sind, über E-Mail, Telefon oder Video.

Die (psychische) Gesundheit im Auge behalten

Das Homeoffice ist mit neuen Anforderungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbunden – auch in Hinblick auf die (psychische) Gesundheit. Die Herausforderung ist, trotz der räumlichen Distanz den direkten Draht zu den Mitarbeitern nicht zu verlieren. „Managerseminare“ hat die fünf wichtigsten Felder zusammengefasst, in denen die Betriebe Maßnahmen ergreifen oder zumindest zu Bewusstseinsbildung beitragen sollten: Aufforderung zu regelmäßiger Bewegung; Beratung bei der ergonomischen Gestaltung des Heim-Arbeitsplatzes; Tipps für die gesunde Ernährung; Organisation der Arbeitszeiten; Pflege des virtuellen Kontakts mit den Mitarbeitern. Um auch beim Arbeiten auf Distanz die erforderliche Gesundheitsvorsorge professionell zu betreiben, kann es sinnvoll sein, auf die Expertise externer Anbieter zurückzugreifen (siehe Interview mit Cornelia Strecker, humanearbeit).

So unterstützt das Bildungsconsulting

Das Bildungsconsulting unterstützt Unternehmer und Führungskräfte im Sinne des New Excellence. „Corona hat das Homeoffice nicht erfunden, nur dessen breite Umsetzung beschleunigt. Neben Anpassungen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen braucht es auch eine andere Führungskultur“, erklärt der Leiter des Bildungsconsultings, Wolfgang Sparer. Die Experten des Bildungsconsultings unterstützen mit Beratung und Coaching Unternehmen dabei, die durch die jüngsten Ereignisse ausgelösten Entwicklungen bestmöglich für das Unternehmen zu nutzen und die passenden Instrumente einzusetzen.

„Auch bei der Mitarbeiterauswahl und -weiterentwicklung spielen die neuen Anforderungen eine wichtige Rolle. Das Bildungsconsulting hat die passenden Methoden dafür, um in diesen Bereichen gezielt steuern zu können“, so Sparer. Selbständigkeit, Organisationsfähigkeit und die Affinität zu digitalen Medien können im Rahmen von Testungen erfasst und bewertet werden. So gelingt es, die passenden Bewerber auszuwählen und das bestehende Personal in Richtung der neuen Anforderungen gezielt zu fördern.

Mehr zu den umfassenden Angeboten des Bildungsconsulting online unter www.bildungsconsulting.at

Arbeits- und Organisationspsychologin Cornelia Strecker
Interview mit Arbeits- und Organisationspsychologin Cornelia Strecker
Arbeits- und Organisationspsychologin Cornelia Strecker

Die Humane Arbeit Gmbh, ein Spin-off der Universität Innsbruck, berät Unternehmen aller Größen und Branchen bei der Optimierung ihrer Gesundheitsmaßnahmen. Geschäftsführerin Cornelia Strecker ist Arbeits- und Organisationspsychologin und erklärt, welche besonderen Anforderungen das Homeoffice stellt und wie Betriebe von der externen Expertise profitieren können.

Welche besonderen psychischen Herausforderungen sind mit der Arbeit im Homeoffice verbunden?

Cornelia Strecker: Arbeit im Homeoffice erfordert mehr Eigenverantwortung bei der Strukturierung der Arbeitszeit und -aufgaben. Auch die Grenze zwischen Arbeit und Privatsphäre ist nun aktiv zu gestalten. Sind unterstützende Ressourcen vorhanden, wie (virtuelle) soziale Unterstützung durch KollegInnen/Vorgesetzte und klare Rahmenbedingungen, kann Homeoffice durchaus motivierend wirken und ein Gewinn für Arbeit und Privatleben sein.

Und wenn diese Ressourcen fehlen?

Fehlen diese Ressourcen oder kommen zusätzliche Stressoren hinzu, wie fehlende Informationen, übermäßiger Workload oder eine ungünstige Arbeitsumgebung, sind „Nicht-Abschalten-Können“, Reizbarkeit oder Müdigkeit erste Warnzeichen für notwendige Veränderungen. Führungskräfte stehen vor der Herausforderung, deutlicher als sonst klare Rahmenbedingungen zu vermitteln und regelmäßigen Kontakt zu pflegen.

Welche Unterstützung kann „humanearbeit“ für Betriebe und Mitarbeiter leisten?

Wir können vorhandene Anforderungen, Ressourcen und Stressoren (im Homeoffice & im Betrieb) professionell analysieren, Schwachstellen identifizieren und Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigen. Durch ein geplantes Online-Portal bieten wir eine integrierte Lösung für eine langfristig ausgelegte Unternehmensstrategie zur Förderung der Mitarbeitergesundheit: Regelmäßige, unkomplizierte Kurzbefragungen liefern aktuelle Daten, auf deren Basis gezielte Maßnahmen geplant werden können – von (Führungs-)Beratung und Coaching bis hin zur Optimierung von Arbeitsabläufen.

Welcher Nutzen ergibt sich für die Betriebe?

Arbeitsbedingte Gesundheitsbeeinträchtigungen können frühzeitig erkannt bzw. verhindert werden, bevor ernsthafte Erschöpfungssymptome, psychosomatische Beschwerden, reduzierte Arbeitsfähigkeit und kostenintensive Fehlzeiten entstehen. Unnötige Kosten und Konflikte werden vermieden, die Motivation und Kompetenz der MitarbeiterInnen gefördert, was wiederum die Entwicklung einer zukunftsfähigen Arbeitsgestaltung ermöglicht.

Welche Verbesserungen sind für die Unternehmen erzielbar?

Unser Ziel ist nicht die bloße Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben (ASchG), sondern die Etablierung von nachhaltig humanorientierten Arbeitsbedingungen. Aus dem Commitment von Unternehmensleitung und Führungskräften für eine solche Arbeitsgestaltung ergibt sich ein konstruktives, motivierendes und gesundheitsförderliches Arbeitsklima, das kurzfristig gut durch die Corona-Situation hilft und mittel- und langfristig Leistungsfähigkeit, Innovationsfähigkeit und damit nachhaltigen Unternehmenserfolg sichert.

Mehr dazu unter www.humanearbeit.com

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