E-Commerce-Kaufmann: die digitalen Newcomer

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Die E-Commerce-Kaufmann Lehrlinge Thijmen Schrama (l.) und Laura Platzgummer mit ihrem Chef Frank Schrama.
Die Lehrlinge Thijmen Schrama (l.) und Laura Platzgummer mit ihrem Chef Frank Schrama.
Chef Frank Schrama mit seinem Lehrling Laura Platzgummer.
© WK Tirol

Der Onlinehandel geht durch die Decke. Laura Platzgummer und Thijmen Schrama absolvieren eine Lehre zur E-Commerce-Kauffrau/zum E-Commerce-Kaufmann und gewähren einen Blick hinter die Kulissen.

Click, click, click: Onlineshopping ist heutzutage nicht mehr wegzudenken. Laura Platzgummer sitzt vor ihren zwei Bildschirmen und schreibt gerade eine neue Produktbeschreibung, nebenbei bearbeitet sie noch ein Bild und legt eine Bestellung aus dem Onlineshop ab. Thijmen wartet gerade den digitalen Verkaufsraum. Bei 6.000 Artikeln muss hier mit höchster Genauigkeit gearbeitet werden. Der 16-jährige aus Stumm i. Zillertal und seine 18-jährige Kollegin absolvieren derzeit eine Lehre zum E-Commerce-Kaufmann bzw. -frau bei der Schrama Handels GmbH in Mayrhofen. Die Schrama Handels GmbH ist Spezialist in den Bereichen Sanitärausstattung und Hygiene, besitzt jedoch auch ein sehr breites Sortiment an Produkten für Insektenvernichtung und Wickeltische.

Das Unternehmen blickt auf über 25 Jahre an Erfahrung im Bereich Hygienebedarf, Sanitär und europaweiter Logistik zurück. „Hier läuft alles digital ab“, freut sich der Geschäftsführer Frank Schrama. Der gebürtige Niederländer hat die Hygieneprodukte am Anfang noch selbst mit dem Auto ausgeliefert. Seit 2008 hat er komplett auf Digitalisierung umgestellt. Die Bestellungen kommen vorrangig aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Beneluxländern.

Thijmen stellt eine Lieferung aus den 6.000 Verkaufsartikeln zusammen.
Thijmen stellt eine Lieferung aus den 6.000 Verkaufsartikeln zusammen.
© WK Tirol

Beruf der Zukunft

E-Commerce-Kaufleute sind für die Betreuung von Onlineshops, Webshops und Internet-Verkaufsplattformen zuständig. Sie halten die Webseiten der Onlineshops auf dem aktuellen Stand, in dem sie laufend Produkte und Preise aktualisieren und Sonderangebote und andere Verkaufsaktionen gestalten und online stellen. Sie nehmen die Onlinebestellungen auf und leiten diese an die Vertriebs- und Logistik-Abteilung weiter. Mitunter übernehmen sie auch buchhalterische Aufgaben wie Kontrolle der Online-Bezahlung der Kunden oder Überwachung der Mahnungen. Laura und Thijmen besuchen einmal wöchentlich die Berufsschule in Innsbruck. Derzeit stehen Artikeldesign, Sortimentsmarketing, Google Antalytics und Webseitenoptimierung am Stundenplan.

„Wir lernen so viele spannende und interessante Inhalte. Am besten gefällt mir, dass die Ausbildung wirklich sehr abwechslungsreich und vielfältig ist.“ Einerseits könne man seine Zahlenaffinität ausleben und auf der anderen Seite durchaus auch kreativ sein. „Kein Tag ist wie der andere und ich habe genau den richtigen Lehrberuf für mich gefunden“, so die beiden Lehrlinge. Thijmen kümmert sich mittlerweile um die Reklamationen und schätzt seinen Beruf als absoluten Zukunftsberuf ein. Er habe immer schon ein Händchen für Computer gehabt, so der Jugendliche. „Ich bin vor allem für die Shopweiterentwicklung und Technik im Einsatz. Ein gutes Beispiel ist die Filteroption. Der Kunde soll schnell und sehr genau finden, wonach er sucht. Dass er das tut, ist mein Job als E-Commerce-Kaufmann.“

Abwechslungsreiche Arbeitswelt

Bei der Schrama Handels GmbH sind insgesamt neun Mitarbeiter beschäftigt. Geschäftsführer Frank hat bisher drei Lehrlinge ausgebildet. Laura ist die erste E-Commerce-Kauffrau. Eigentlich hat die 18-jährige eine Lehre zur Bürokauffrau angefangen. Die Zukunftschancen ihres jetzigen Lehrberufes lagen auf der Hand und so hat sie schnurstracks in den Onlinehandel gewechselt. „Ich habe mich immer schon für Mediendesign und Produktmanagement interessiert. In unserem Job geht es darum, den Kunden den Einkauf so angenehm wie möglich zu machen.“

Neben der Arbeit vor dem Computer gehört für die beiden Lehrlinge auch die typische Lagerarbeit dazu. Lieferscheine kontrollieren, Produkte nachbestellen und externe Lieferanten betreuen. „Die Abwechslung in unserem Job ist einzigartig. Der Tag vergeht wie im Flug“, so die beiden Lehrlinge begeistert. Gerade für den 16-jährigen Thijmen war der Start seiner Ausbildung ein Sprung ins kalte Wasser. „Das war im Mai letzten Jahres und der Anfang von Corona. Ich bin die ersten Tage nur herumgelaufen und habe geholfen, wo ich nur konnte. Das war sehr anstrengend und aufregend zugleich.“

Laura Platzgummer schreibt gerade eine Produktbeschreibung für den Onlineshop.
Laura Platzgummer schreibt gerade eine Produktbeschreibung für den Onlineshop.
© WK Tirol

Zu wenig Ausbildungsplätze

„Diesen neuen Lehrberuf gibt es erst seit 2018. Trotzdem wurde er von den Lehrbetrieben und vor allem auch von den Lehrlingen schon sehr gut angenommen. 19 Lehrlinge stehen in Tirol aktuell schon in Ausbildung. Das ist nicht selbstverständlich. Solche neuen Lehrberufe benötigen gewöhnlich mehrere Jahre um entsprechend bekannt und etabliert zu sein“, freut sich Helmut Wittmer von der Bildungsabteilung der Tiroler Wirtschaftskammer. Dennoch gibt es derzeit mehr Lehrstellensuchende als Ausbildungsbetriebe. „Suche ist finden“, so der Leitsatz des Unternehmers Frank Schrama. Wer sich auf einen Onlineshop einlässt, braucht viel Geduld und Arbeitswille.

„Design und Werbung machen schon sehr viel aus. Das Internet ist schnelllebig und wir müssen immer auf dem neuesten Stand bleiben“, so der Zillertaler. „Der Lehrberuf E-Commerce-Kaufmann ist aus meiner Sicht die Zukunft. Gerade seit Corona sehen wir, welches Potenzial in Onlineshops steckt. Wenn man als Unternehmen einen Onlineshop betreibt, sollte man auch unbedingt einen Lehrling dazu ausbilden. Das ist eine große Bereicherung für die Unternehmensstruktur und die Effizienz im Arbeitsablauf. Es sichert Arbeitsplätze und ist ein Schritt in die Zukunft.“

Weitere Informationen: www.schrama.gmbh

Weitere Infos zur Ausbildung

Der Lehrberuf des E-Commerce-kaufmanns/frau wurde im Jahr 2018 im Rahmen des Lehrberufpakets geschaffen. Die Lehre dauert drei Jahre.

Mögliche Einsatzfelder sind unter anderem: Webshopbetreuung, Webshopverkauf, Webshop-Contentmanager und E-Commerce-Manager.

Qualifikationen: Pflichtschulabschluss/Matura, gute Noten in Deutsch, Mathematik, Englisch,
technisches Verständnis (EDV), Kenntnisse über Microsoft-Office-Anwendungen, Interesse an
E-Commerce und Social Media, kaufmännisches Interesse.

Weitere Informationen: www.wko.at