Israel - Tel Aviv
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Panorama

Israel bietet Chance für Tiroler Exporteure

Israel hat die Pandemie überdurchschnittlich gut bewältigt und hat seine Grenzen auch schon weiter geöffnet als die meisten anderen Länder der Welt.
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Israel wurde wie alle Länder schwer von der Pandemie getroffen, hat die Krise aber vergleichsweise gut bewältigt und erwartet Wachstum. Das eröffnet Chancen  für Tiroler Unternehmen im Export.

Glimpflich mit nur 2,4 Prozent minus schnitt Israel beim BIP im Jahr 2020 ab, und heuer soll es ein Wachstum um bis zu 6,3 Prozent geben. „Der Privatkonsum wird dabei der wesentliche Treiber sein“, sagt Österreichs Wirtschaftsdelegierter Markus Haas. Die Impfung der Bevölkerung geschah so rasch wie in keinem anderen Land der Welt, die Infektionszahlen gingen rasant zurück. Zwar gibt es nach wie vor einige Covid-Beschränkungen und der Tourismus wird erst gegen Jahresende wieder auf altem Niveau erwartet.

Dennoch hat Israel die Pandemie unbestritten gut bewältigt. Wie ist das gelungen? Israel hatte einen Vorteil, sagt Eyal Benjamin von der Coller School of Business der Universität Tel Aviv: „Die Überlebens-Mentalität, die die israelische Bevölkerung schon aufgrund der konfliktreichen Beziehungen zu seinen Nachbarn seit Jahrzehnten aufgebaut hat. Die Menschen sind seit jeher auf Krisen vorbereitet und sind auch stark im Netzwerken.“ Israels Bevölkerung sei als Gesellschaft besonders resilient.

Porträtfoto Markus Haas
Österreichs Wirtschaftsdelegierter Markus Haas

Zukunftssichernde Maßnahmen

Geholfen hat auch die Tatsache, dass Israel schon vor der Pandemie stark in Hightech-Förderung und Start-up-Förderung investierte. Dann hat die Regierung in der Pandemie aber nicht nur Lockdown-geschädigte Branchen (wie den Tourismus) unterstützt, sondern hat auch aktive zukunftssichernde Maßnahmen ergriffen, sagt Anya Eldan, Chefin der Start-up-Divison bei der Israel Innovation Authority: So habe Israel etliche bürokratische Regelungen für die Wirtschaft entschärft. Dann wurde ein Programm implementiert, um es institutionellen Investoren (Banken, Versicherungen, Pensionsfonds) zu erleichtern, in den israelischen Hightech-Sektor zu investieren. Und schließlich habe die Regierung die Hightech-Ausbildung zusätzlich angeschoben.

Folge: Israels Start-up-„Ökosystem“ brach 2020 alle Rekorde: Man registrierte Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Dollar in junge Unternehmen. Vor allem Firmen aus den Bereichen Cyber Security, Fintech and IoT (Internet of things) fanden Investoren. Und heuer im ersten Quartal gab es erneut Rekordwerte, berichtet Eldan. Israel hat nach dem Silicon Valley heute die höchste Konzentration von Hightech-Unternehmen.

Höchste Start-up-Dichte

Außerdem verfügt Israel über die weltweit höchste Konzentration von Start-up-Unternehmen pro Einwohner. Auch investiert das Land weiter kräftig in den Ausbau der Infrastruktur, vor allem Schienentransport, Straßenbau, Energie (konventionell und solar) und Entsalzungsanlagen. Insgesamt stehen über die nächsten Jahre Projekte im Wert von 70 Milliarden Dollar an. Davon können auch Tiroler Unternehmen profitieren.

Porträtfoto Anya Eldan
Anya Eldan, Chefin der Start-up-Divison bei der Israel Innovation Authority

Österreich erwirtschaftet schon jetzt einen Handelsbilanzüberschuss im Geschäft mit Israel: Im Vorjahr exportierten heimische Unternehmen Waren im Wert von 405 Millionen Euro nach Israel, der Handelsbilanzüberschuss betrug 243,4 Millionen Euro. Die wichtigsten österreichischen Ausfuhren waren pharmazeutische Erzeugnisse, mechanische Maschinen, Apparate und Geräte, Zugmaschinen, Kfz und Motorräder, elektrische Maschinen, elektrotechnische Waren, Mess- und Prüfinstrumente.

Chancen für Tiroler Unternehmen

Kooperationsmöglichkeiten sieht Eldan für österreichische Unternehmen unter anderem auch in den Bereichen Medizintechnik und Umwelttechnik, hier vor allem bei Wasser- und Solartechnologie, aber auch Abfallwirtschaft und Recycling. Das vom Energieministerium verabschiedete Programm zur Steigerung der Energieeffizienz bietet Geschäftschancen für österreichische Unternehmen. Dies gilt sowohl für Anlagenhersteller, Lieferanten von Komponenten, Montagefirmen als auch Beratungsunternehmen.

Wirtschaftsdelegierter Haas empfiehlt auch, Israel als „Innovationswerkbank“ zu nützen. Israel könne heimischen Unternehmen Komplementärtechnologie liefern. Zudem suchen viele israelische Firmen Kooperationspartner, die die Märkte in Europa für sie betreuen können. Und dann ist Israel auch ein hervorragendes Pflaster für junge innovative Unternehmer, die ihr Produkt vor dem großen internationalen Rollout testen möchten.

Auch könnte es für Österreicher interessant sein, in israelische Start-ups zu investieren: „Es ist viel Know-how vorhanden, das gerne mit internationalen Investoren besprochen und geteilt wird.“ Das AußenwirtschaftsCenter Tel Aviv vernetzt hier gerne österreichische und lokale Investoren, sagt der Wirtschaftsdelegierte Haas.

Porträtfoto Eyal Benjamin
Eyal Benjamin, Coller School of Business der Universität Tel Aviv

Schließlich wird Israel auch für die Kreativwirtschaft interessanter: Tel Aviv hat sich zu einem pulsierenden internationalen Hotspot gemausert, gilt als Top-Adresse in den Bereichen Interior-, Schmuck- und Modedesign sowie Film. Hier können sich österreichische Unternehmen einklinken, raten die Experten.

Österreich als Urlaubs-Destination

Auch touristische Chancen gibt es für Tirol: Israelis gelten als die reisefreudigsten Menschen der Welt. Rund fünf Millionen der acht Millionen Einwohner machten vor der Pandemie jedes Jahr eine Flugreise ins Ausland. Österreich ist für Israel sowohl im Sommer als auch im Winter eine sehr attraktive Urlaubsdestination. Potenzial birgt vor allem der Aktiv- und Familienurlaub – wenn die Corona-Beschränkungen fallen, ist das interessant für Tirol.

Die 2020 in die Wege geleitete Aussöhnung Israels mit arabischen Ländern sollte die Wirtschaftsentwicklung weiter stärken, meint Benjamin. Bestimmendes Element der zwischenstaatlichen Beziehungen sind allerdings weiterhin mögliche Reisebestimmungen im Zuge der Covid-19-Pandemie. Israel hat freilich seine Grenzen deutlich weiter geöffnet als andere Länder.

Informationen dazu und zur aktuellen Corona-Situation in Israel

Informationen über den Exportmarkt Israel

Ansprechstation ist das AußenwirtschaftsCenter Tel Aviv: https://wko.at/aussenwirtschaft/il, Tel. +972 3 51 68 685, E-Mail: telaviv@wko.at

Wirtschaftsinformationen über Israel gibt es auf https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/israel-wirtschaftsbericht.pdf

Aktuelle Corona-Informationen zur Lage in Israel gibt es auf https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/coronavirus-infos-israel.html

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