Körpernahe Dienstleister: Durchwachsene Testerfahrungen
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Körpernahe Dienstleister: Durchwachsene Testerfahrungen

In einer repräsentativen Umfrage hat Anfang April ein Drittel der 1.500 Befragten angegeben, zwischen Mitte Februar und Mitte März 2021 nie „testen gewesen“ zu sein, ein Fünftel war nur einmal.
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Die Erfahrungen, welche die körpernahen Dienstleister seit „ihrer“ Öffnung sammeln durften, sind durchwachsen. 30 Prozent der Kunden fallen weg.

„Natürlich wäre es für unsere Psyche wichtig, verwöhnt zu werden“, sagt Astrid Westerthaler. Damit spricht die Landesinnungsmeisterin der Tiroler Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure nicht nur die psychischen Folgen der Corona-Krise an, die sich im Schlagschatten der sozialen Distanz, der Berührungsverbote und Ängste entwickelten. Damit spricht sie auch aus dem Herzen ihrer Branche, deren Mitglieder sich durch ihre „körpernahe Kunst“ auch um das psychische Wohl der Kunden kümmern.

Zeitgleich mit den Friseurbetrieben durften auch die anderen körpernahen Dienstleister am 8. Februar 2021 ihre Türen öffnen. Dann, wenn die Kunden einen negativen Antigen-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Dann, wenn die Dienstleister selbst sich wöchentlich testen lassen und bei der Arbeit eine FFP2-Maske tragen. In gewisser Weise wurden diese Dienstleistungsbetriebe damit zu Test-Branchen für Eintrittstests als Bedingung für Öffnungsschritte. Die Erfahrungen der körpernahen Dienstleister sind durchwachsen (mehr dazu unten im Interview mit Astrid Westerthaler).

Auch die Tiroler Friseure haben mit hohen Umsatzeinbußen zu kämpfen. „Dass wir in der größten Krise unserer Zeit keine Umsatzzuwächse haben würden, war jedem klar. Wir drehen an allen Schrauben, um Kosten einzusparen. Wir sind alle sehr gefordert“, stellt Clemens Happ, Landesinnungsmeister der Tiroler Friseure, fest. Die Erfahrungen mit den Tests sind positiv. „Am Anfang wussten wir nicht, wie das wird. Aber die Kunden kommen, zeigen problemlos ihre Tests und wir hatten nie das Gefühl, Polizei spielen zu müssen“, so Happ.

Clemens Happ, Landesinnungsmeister der Tiroler Friseure
Clemens Happ, Landesinnungsmeister der Tiroler Friseure

In seinem eigenen Betrieb in Hall musste er in der ganzen Zeit nur zwei Kunden wegschicken, weil sie keinen Corona-Test vorweisen konnten: „Bei den Leuten, die sich testen lassen, gibt es überhaupt kein Problem.“ Was allerdings ein Problem für die körpernahen Dienstleister des Landes ist, ist die Tatsache, dass sich jeder dritte Österreicher ganz grundsätzlich nicht testen lassen will.

Anfang April 2021 hatte im Rahmen einer repräsentativen Umfrage des „Austria Corona Panel“ ein Drittel der 1.500 Befragten angegeben, zwischen Mitte Februar und Mitte März 2021 nie „testen gewesen“ zu sein, ein Fünftel war nur einmal.
„Wenn sich bis zu 30 Prozent nicht testen lassen beziehungsweise sich das nicht von der Regierung vorschreiben lassen wollen, können wir daran nichts ändern“, stellt der Innungsmeister klar. Diesbezüglich sind den Betrieben schlicht die Hände gebunden. „Und weil die Regierung nun einmal auf das Testen setzt, müssen wir Unternehmer das Beste daraus machen. Es hilft nichts, darüber zu diskutieren“, so Happ.

Ergänzende Selbstschnelltests gefordert

Worüber es sich aus seiner Sicht aber zu diskutieren lohnt, ist, die Teststrategie der Regierung um so genannte Selbtsschnelltests zu ergänzen. 50 Tiroler Friseure waren in dem Zusammenhang an einem Pilotprojekt beteiligt. Wie der Dienstleister-Testbus, eine mobile Teststation, die seit Anfang März 2021 den Kunden im wahrsten Sinn des Wortes „entgegenkommt“, so ist auch das Selbstschnelltest-Projekt ein starkes Zeichen für die lösungsorientierten Initiativen dieser Dienstleister-Branchen.

„Die Kunden haben das sehr gut angenommen und die Betriebe sagten, es sei eine gute Lösung“, so Happ. Die Idee ist, Mitarbeiter auszubilden und für die Durchführung von Corona-Schnelltests – gleichsam an der Schwelle zum Geschäft bzw. Salon – bereitzustellen. „Das wäre eine gute Ergänzung zur bestehenden Teststrategie. Wegen der Selbstschnelltests sind wir schon seit Wochen mit dem Gesundheitsministerium in Kontakt. Mit dem Pilotprojekt können wir Fakten liefern, um unsere Forderung zu untermauern.“ Dass mit diesem Zusatzangebot die Spontaneität der Kunden gefördert werden kann, die für eine annähernd „normale“ Lebendigkeit nötig ist, scheint logisch und Clemens Happ sagt: „Wir bleiben dran, bleiben am Ball.“

Astrid Westerthaler, Landesinnungsmeisterin der Tiroler Kosmetiker, Fußpfleger und Masseure
WK Tirol/Die Fotografen
Landesinnungsmeisterin Astrid Westerthaler im Interview
Astrid Westerthaler, Landesinnungsmeisterin der Tiroler Kosmetiker, Fußpfleger und Masseure
WK Tirol/Die Fotografen

Astrid Westerthaler ist Landesinnungsmeisterin der Tiroler Kosmetiker, Fußpfleger und Masseure. Im Interview spricht sie Klartext über die teils prekäre Situation der Betriebe. Und fordert, dass Selbstschnelltests in die Teststrategie aufgenommen werden.

Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure dürfen seit 8. Februar 2021 arbeiten. Die Bedingungen dafür klingen – mit wöchentlichen Antigen-Tests und dem Tragen der FFP2-Maske – herausfordernd aber den Umständen entsprechend trag- bzw. umsetzbar. Sind sie das?

Wir waren natürlich sehr froh, dass es für uns zur Öffnung kam bzw. besser gesagt, dass die Kunden wieder die Geschäfte betreten durften. Doch relativ schnell zeigte es sich, dass diese Testungen von vielen Kunden abgelehnt wurden. Sie machten uns klar, dass sie sich nicht bereit erklären und sich das von der Regierung nicht vorschreiben lassen, um unter diesen Umständen eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Leider ist das auch noch immer so. Auch von meinen Kolleginnen und Kollegen bekam ich dies berichtet und daher hat unsere Branche ein Umsatzminus von 40 bis 60 Prozent.

Die Sicherheit hat sowohl für Dienstleister wie für Kunden oberste Priorität. Wären die Regelungen Ihrer Meinung nach auch für andere Branchen geeignet, um die Sicherheit zu garantieren?

Wir fühlen uns beim Arbeiten an negativen Kunden natürlich sehr sicher und zu Beginn wurde ja immer öffentlich kommuniziert, dass unsere Betriebe sozusagen die Vorreiterbetriebe sind und den „Probebetrieb“ unter diesen Bedingungen für alle anderen machen. Doch leider wurde dies nicht so umgesetzt. Noch immer sind Gastro, Hotels, Fitnessbetriebe, Tanzschulen usw. geschlossen. Wobei – man sieht es in Vorarlberg – die Öffnung mit diesen Testungen funktioniert hat. Es wäre also schon an der Zeit, dass man das umsetzt, was zu Beginn kommuniziert wurde. Natürlich werden auch einige Kunden für diese Betriebe fernbleiben, aber für viele wäre es wichtig, dass geöffnet wird.

Für viele Mitglieder Ihrer Innung sind es richtig harte Zeiten. Wie gelingt es, Zuversicht zu wahren?

Ja, es ist wahrlich schwer, es hat sich auch keiner gedacht, dass uns die Corona-Pandemie derart lange „verfolgt“, aber wir geben unser Bestes, wir halten die hygienischen Vorgaben bestens ein – was unsere Betriebe zwar auch schon ohne Corona gemacht haben – denn wir wollen nicht mehr schließen, das wäre wirklich für sehr viele die totale Existenzbedrohung. Wir wissen auch noch nicht, wie viele Betriebe es schaffen, wenn die Stundungen zu zahlen sind.

Was sind diesbezüglich Ihre Forderungen an die Politik und ihr Öffnungsregime?

Schon lange fordere ich, dass auch unsere Betriebe nur mehr die fünf Prozent abgeben müssen, so wie viele andere Betriebe auch. Denn da hätten auch wir die Möglichkeit, den entgangenen Umsatz „aufzuholen“ oder das Minus halbwegs auszugleichen. Also: Öffnen mit Testungen oder auch Spucktests oder Lollipoptest zulassen – beispielsweise unter Aufsicht eines Mitarbeiters, der dann auch dies bestätigt. Zurzeit müssen wir das ja auch kontrollieren. Und so hat man nur getestete Kunden.

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