Servicecoaching. Auch der Weinausschank wird im Trainingscamp geübt.
Alles Unternehmen

Mit Engagement für den Tourismus

Servicecoaching. Auch der Weinausschank wird im Trainingscamp geübt.
© Atract

Atract ist eine Initiative mit Weitblick. Sie widmet sich mit voller Kraft dem brisanten Thema rund um den Arbeitskräftemangel in Tirols Hotellerie und Gastronomie.

Die Initiative, die von Karin Lindner gemeinsam mit Josef Kirchmair und Alexander Prachensky ins Leben gerufen wurde, stellt die Problematik rund um die Beschäftigungsfrage im Tourismus in den Mittelpunkt. Der österreichische Tourismus steht vor einem Mitarbeiterproblem und es besteht dringender Handlungsbedarf. „Zwischen 7.000 und 10.000 Mitarbeiter fehlen in Tirols Tourismusbetrieben, die Corona-Krise kurbelt diese Summe weiter an. Man hat in dieser Branche in den letzten Jahrzehnten alles modernisiert und verbessert, um es dem Gast gutgehen zu lassen. In vielen Fällen kamen die Mitarbeiter dabei zu kurz“, erklärt Co-Gründerin Karin Lindner.

Als Unternehmensentwicklerin kennt sie die Fallstricke der Tourismusbranche. Lindner und ihre zwei Kollegen sind mit langjähriger Erfahrung Experten auf ihrem Gebiet – sei es im Tourismus, in der Unternehmensberatung oder im Marketing. „Wir sind als Unternehmer alle aufgefordert, unser eigenes Denken zu verändern und zu schauen, dass es auch unseren Mitarbeitern gut geht. Da braucht es schon eine gehörige Portion Mut und auch Innovationskraft, um neue Wege zu gehen. Man könnte auch sagen, der Mitarbeiter ist eine weitere, neue Zielgruppe“, so Lindner.

Atract Co-Gründer Alexander Prachensky, Karin Lindner und Josef Kirchmair (v.l.)
Atract Co-Gründer Alexander Prachensky, Karin Lindner und Josef Kirchmair (v.l.)
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Zuverlässigkeit für alle

Ziel von Atract ist es, Sicherheit und Verlässlichkeit zu bieten – für Mitarbeiter ebenso wie für die Unternehmen. „Wir wollen das Problem an der Wurzel packen. Das heißt, es braucht auch ein Umdenken bei vielen Hoteliers selbst, um die Bindung ihrer Mitarbeiter an das Unternehmen längerfristig zu gewährleisten und ihre Attraktivität als Arbeitgeber anzuheben.“ Laut Lindner wird besonders das Thema Führung nach wie vor als wertvolle und wesentliche Ressource in einem Unternehmen unterschätzt. „Gelebtes und authentisches Employer Branding schafft Erleichterung und Freiheit. Wir coachen auch die Arbeitgeber, da wir für alle die bestmöglichen Bedingungen schaffen wollen.“ Um als Unternehmen Arbeitskräfte von Atract vermittelt zu bekommen, ist das sogenannte Fairness-Programm zu absolvieren, bei dem unter anderem Führungsseminare für die Unternehmensleitung und deren Führungskräfte gegeben werden.

Wer sucht, der findet

Der Hauptsitz der Initiative befindet sich im Milser Industriegebiet. Den drei Experten war von Beginn an klar, dass der Personalmangel im Tourismus aufgrund der aktuellen Entwicklungen nur EU-weit zu lösen sein wird, daher schauten sie über Österreichs Grenzen hinaus. Angeworben werden die Mitarbeiter derzeit aus sieben EU-Ländern: Portugal, Spanien, Italien, Griechenland, Kroatien, Polen und der Slowakei. Hierbei kooperieren eigens geschulte Scouts mit hiesigen Arbeitsämtern und Tourismusschulen, aber auch persönliche Netzwerke und der freie Markt werden für die Suche nach möglichen Kandidaten genutzt. „Dabei sind auch Quereinsteiger willkommen. Über 80 Prozent der Teilnehmenden haben bereits eine Berufsausbildung oder einen höheren Schulabschluss. Die überwiegende Mehrheit ist zwischen 20 und 35 Jahre alt, wobei sich quer durch auch Personen mit einem Alter bis zu 50 Jahren bewerben“, so die Experten.

Atract - Küchencoaching
Servicecoaching. Auch der Weinausschank wird im Trainingscamp geübt.
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„Persönliche Betreuung ist der Schlüssel zum Erfolg.“

In einem Intensivkurs werden den Teilnehmern die Grundlagen der Sprache, kulturelles Verständnis und fachliche Kompetenzen vermittelt. Berufsausbilder möchte Atract allerdings nicht sein. „Wir sind keine Bildungseinrichtung, aber wir arbeiten eng mit ihnen zusammen und vermitteln sie“, erzählt Lindner.

„Wir wollen, dass die Personen, die zu uns kommen, eine Freude haben, im Tourismus zu arbeiten und bereiten sie im Trainingscamp auf die Tätigkeit in Österreich vor.“ Dabei wird auch die fachliche Kompetenz überprüft, aber auch mögliche Talente werden entdeckt. „Im Camp war einmal ein Simone aus Italien, der nichts mit dem Tourismus zu tun hatte und eigentlich aus der IT-Branche kam. Er hat als Abwäscher angefangen und kurz darauf eine große Faszination an der Küche entwickelt.“ In solchen Fällen wird dann mit dem jeweiligen Betrieb gesprochen und mit Bildungseinrichtungen kooperiert, um eine Berufsausbildung möglich zu machen. Für die Coaches im Camp wird derzeit ein spezielles Atract-Trainerkonzept ausgearbeitet, das 2021 beginnen soll.

Crew-Dating: Der Beginn einer (Arbeits-)Beziehung

Nach dem Intensivkurs werden die zukünftigen Mitarbeiter, abhängig von Können und Bedarf, an das jeweils passende Unternehmen vermittelt. Das erste Treffen findet schließlich beim Crew-Dating statt, bei dem sich alle Beteiligten vorerst kennenlernen und dann weitere Bewerbungsgespräche vereinbaren können.
Aktuell hält die Initiative circa 50 potenzielle Mitarbeiter für den österreichischen Arbeitsmarkt bereit. „Wir waren ganz überrascht, dass so viele trotz Corona in unserem Programm geblieben sind, obwohl die Aussichten für diese Wintersaison sehr mau waren“, freut sich Lindner abschließend. Umso besser: sobald Atract-Mitglieder wieder Tür und Tor für Gäste öffnen dürfen, haben sie innerhalb weniger Tage gut vorbereitete Mitarbeiter im Haus.

Weitere Informationen: www.atract.at