Zuschauen, Fragen stellen und Ausprobieren bei einer Schnupperlehre: In der Praxis gewinnen Jugendliche den besten Einblick in den jeweiligen Beruf.
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Schnupperlehre ist trotz Corona möglich

Zuschauen, Fragen-Stellen und Ausprobieren bei einer Schnupperlehre: In der Praxis gewinnen Jugendliche den besten Einblick in den jeweiligen Beruf.
© Maria Kirchner

Bei Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen kann eine Schnupperlehre als individuelle Berufsorientierung absolviert werden, auch wenn Corona das Schnuppern im Rahmen von Schulveranstaltungen verhindert.

Eine so genannte Schnupperlehre ist unter bestimmten Voraussetzungen auch in Corona-Zeiten möglich. Unter Schnupperlehre wird ein kurzfristiges entgeltfreies Beobachten und Verrichten einzelner Tätigkeiten in einem Betrieb durch Schülerinnen und Schüler verstanden. Die Schnupperlehre begründet weder ein Lehr- noch ein sonstiges Arbeitsverhältnis. Derzeit sind zwar Berufspraktische Tage oder Wochen, bei denen Schülerinnen und Schüler von der Schule aus in die Betriebe zum Schnuppern gehen, nicht möglich – diese gelten nämlich als Schulveranstaltungen und sind deswegen aktuell unzulässig.

Die individuelle Berufsorientierung von einzelnen Schülerinnen und Schülern im Rahmen einer Freistellung vom Unterricht oder auch in den Ferien sind unter Beachtung aller Sicherheits- und Hygienebestimmungen aber auch derzeit durchführbar. „Damit leistet dieses individuelle Ins­trument in Corona-Zeiten einen wichtigen Beitrag bei der Berufsorientierung. Jugendliche können ihren Wunschberuf in der Praxis kennen lernen und erhalten wichtige Informationen für ihre Berufsentscheidung“, erklärt WK-Präsident Christoph Walser. Auch für Betriebe ist die Schnupperlehre in Bezug auf die Lehrlingsausbildung ein wertvolles Instrument.

Individuelle Vereinbarung

Eine Schnupperlehre als individuelle Berufsorientierung kann während der Unterrichtszeit oder in den Ferien stattfinden. Während der Unterrichtszeit ist die Schnupperlehre für alle Schüler ab der 8. Schulstufe allgemeinbildender sowie berufsbildender mittlerer und höherer Schulen möglich. Die Initiative geht von den Eltern aus, die Erlaubnis erteilt der Klassenvorstand. Erfahrungsgemäß werden die Zeiten, in denen sich der Schnupperlehrling im Betrieb aufhalten darf, individuell vereinbart.

Der Jugendliche sollte nur zu seinen typischen Unterrichtszeiten und nicht länger als acht Stunden täglich im Betrieb sein. Dem Jugendlichen stehen dafür bis zu fünf Tage unterrichtsfrei zu. Eine individuelle Schnupperlehre kann auch in den Ferien absolviert werden. Sie gilt für alle Schülerinnen und Schüler ab der 8. Schulstufe und ist an bis zu 15 Tagen in den Ferien möglich. Die Jugendlichen sind über die Schule unfallversichert, die Zustimmung der Eltern ist erforderlich und im Betrieb muss eine geeignete Aufsichtsperson vorhanden sein.

WK-Lehrlingskoordinator David Narr
WK-Lehrlingskoordinator David Narr

Das Ziel einer Schnupperlehre ist klar definiert: „Durch Zuschauen, Fragen-Stellen und Ausprobieren einfacher ungefährlicher Tätigkeiten können Jugendliche ihren Wunschberuf praxisbezogen kennen lernen“, erklärt der Lehrlingskoordinator der WK Tirol, David Narr. Bei einer individuellen Schnupperlehre gibt es einige rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten: Den Jugendlichen trifft keine Arbeitspflicht, er hat aber auch keinen Anspruch auf Entgelt.

Es darf keine Eingliederung des Jugendlichen in die betriebliche Organisation stattfinden, da in diesem Fall ein Arbeitsverhältnis mit allen arbeits- und sozialrechtlichen Konsequenzen entsteht. Der Schüler darf auch zu keiner Arbeit verpflichtet werden und unterliegt mit Ausnahme von Sicherheitsvorschriften keinen Weisungen des Betriebsinhabers. Sollte der Schüler einzelne Handgriffe ausprobieren, ist dabei auf seine Reife Bedacht zu nehmen. Der Unternehmer verstößt sonst gegen die Bestimmungen des Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetzes. Eine Schnupperlehre unmittelbar vor Beginn eines Lehrverhältnisses ist rechtlich problematisch und sollte daher vermieden werden.

Aktuelle Informationen zur Schnupperlehre

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