Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk Tirol
Aktuelles

Gedämpfte Erwartungen im Tiroler Gewerbe und Handwerk

Spartenobmann Franz Jirka mit Christina Enichlmair von KMU-Forschung Austria.
© WK Tirol/ Die Fotografen

Die Corona-Krise beschert dem Tiroler Gewerbe und Handwerk einen noch nie da gewesenen Umsatzeinbruch. Minus zehn Prozent im Jahr 2020 – skeptischer Ausblick – NoVa muss verschoben werden.

Angesichts des anhaltenden Ausfalls der Tourismuswirtschaft, die für viele Gewerbe- und Handwerksbetriebe ein wichtiger Auftraggeber ist, sind auch die Erwartungen für die kommenden Wochen und Monate sehr gedämpft. „Im Jahr 2020 musste das Tiroler Gewerbe und Handwerk einen Umsatzrückgang von knapp zehn Prozent hinnehmen“, erklärt Spartenobmann Franz Jirka, „damit sind wir unter dem Strich noch mit einem blauen Auge davongekommen“.

Jirka verweist jedoch darauf, dass es sehr große Unterschiede innerhalb der einzelnen Branchen gab. Während investitionsgüternahe Branchen wie etwa das Bau- und Baunebengewerbe nur ein leichtes Minus verzeichneten, waren die Einbußen bei den konsumnahen Branchen massiv. Bei den Eventtechnikern liegt praktisch ein Totalausfall vor. Die geringsten Rückgänge gab es im Baugewerbe (-3,1 %) und im Sektor Bauinstallation/Ausbaugewerbe (-4,6 %), die größten Einbrüche in den Sektoren Kreativ/Design (-26,8 %; z.B. Fotografen) und Gesundheit/Wellness (-22,1 %; z.B. Optiker, Friseure, Fußpflege-Kosmektik-Masseure). Diese Zweiteilung setzt sich auch bei den Betriebsgrößen fort: Die geringsten Einbußen verzeichneten Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten (-5,2 %), die größten Umsatzrückgänge Kleinstunternehmen mit 0 bis 9 Beschäftigten (-11 %).

Investitionen über Österreichschnitt

Es wurden im Jahr 2020 zwar weniger Investitionen als im Vorkrisenjahr 2019 getätigt, jedoch nahmen 51 % der Tiroler Betriebe Investitionen vor. „Das ist deutlich besser als erwartet und liegt auch über dem Österreichschnitt“, erklärte Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria. 48 % der Betriebe planen, im Jahr 2021 Investitionen vorzunehmen, vor allem im Sektor Holz/Kunststoff (69 %) und im Baugewerbe (68 %). Tirol liegt damit auch mit den Investitionsabsichten über dem Österreichwert (44 %).

Anhaltende Skepsis im 1. Quartal

„Die gedämpfte Entwicklung setzt sich auch im 1. Quartal 2021 fort“, erklärte Christina Enichlmair. Im Vergleich zum Vorquartal ist das Stimmungsbarometer deutlich gesunken.

Der Anteil der Betriebe mit einer guten Geschäftslage ist von 26 % im 4. Quartal 2020 auf 22 % im 1. Quartal 2021 zurückgegangen. Demgegenüber ist der Anteil der Betriebe mit einer schlechten Geschäftssituation im 1. Quartal 2021 (43 %) bedeutend höher als im 4. Quartal 2020 (24 %). Der Anteil der Betriebe, die eine saisonübliche Geschäftslage melden, ist von 50 % auf 35 % zurückgegangen. Per Saldo (Anteil der Betriebe mit guten abzüglich schlechter Beurteilungen) überwiegen die Betriebe mit schlechter Geschäftslage um 21 %-Punkte. Beim Auftragsbestand gibt es in den meisten Betrieben noch deutlich „Luft nach oben“.

Ausblick auf das 2. Quartal durchwachsen

Beim Ausblick auf das 2. Quartal setzt sich die Zweiteilung der Sparte Gewerbe und Handwerk fort. Der Anteil der Betriebe mit positiven abzüglich der negativen Erwartungen liegt für die Sparte in Summe bei -25 %. Die Skepsis ist jedoch bei investitionsgüternahen Branchen mit -13 % wesentlich geringer als bei konsumnahen Branchen (-51 %).

„Erfreulich ist, dass sich der kritische Ausblick nicht in der Personalplanung widerspiegelt“, erklärt Christina Enichlmair. Für das 2. Quartal planen unter dem Strich 18,6 % der Tiroler Betriebe im Gewerbe und Handwerk ihren Personalstand zu erhöhen.

Herausforderungen für 2021

Für Spartenobmann Franz Jirka ergeben sich aus diesem Befund folgende Herausforderungen für die kommenden Monate:

  1. Rückkehr zur Normalität. Möglichst rasche Öffnungsschritte werden sich auch auf das Gewerbe und Handwerk positiv auswirken. „Viele Gewerbe- und Handwerksbetriebe in Tirol sind eng mit dem Tourismus verbunden. Das betrifft beispielsweise Bauaufträge seitens der Hotellerie oder Lebensmittellieferungen an die heimische Gastronomie“, erklärt Jirka.
  2. Bürokratieabbau. Für den Spartenobmann ist der Bürokratieabbau jetzt besonders wichtig. „Vor allem Kleinbetriebe stöhnen unter der überbordenden Bürokratielast. Den administrativen Aufwand für die heimischen Betriebe zu senken, würde den Neustart deutlich erleichtern“, so Jirka. Beim Ausblick auf das Jahr 2021 geben die Gewerbe und Handwerk-Betriebe Bürokratie und Verwaltung (51 %), Steuern und Abgaben (50 %) sowie den Fachkräftemangel (46 %) als größte Herausforderungen an.
  3. Unsicherheitsfaktor Materialmangel. Für Probleme sorgen derzeit Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Materialien, vor allem im Baubereich. Positiv hebt Franz Jirka hervor, dass die drei großen Tiroler Unternehmen in der Holzindustrie in Vollauslastung produzieren und es Zusagen gibt, den heimischen Markt zu bedienen.
  4. Rücknahme der NoVA-Erhöhung. Als völlig falsches Signal zum denkmöglich schlechtesten Zeitpunkt bezeichnet Franz Jirka die für Juli geplante drastische Anhebung der NoVA. „Firmenfahrzeuge sind Werkzeuge für Handwerker. Ausgerechnet jetzt die Steuer massiv zu erhöhen, ist eine Watsche ins Gesicht für die Betriebe“. Franz Jirka rechnet vor, dass sich beispielsweise die Kosten für einen Kastenwagen MAN TGE ab Jahresmitte aufgrund der NoVA um 13.470 Euro erhöhen wird, ab 2024 um 24.500 Euro. Der Spartenobmann fordert zumindest die Verschiebung der neuen NoVA bis zur Normalisierung nach der Coronakrise, besser noch eine Streichung dieser wirtschaftsfeindlichen und überzogenen Steuer.