Tiroler Bauwirtschaft zeigt sich krisenresistent

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Der Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes, WK-Vizepräsident Anton Rieder, analysierte gemeinsam mit Landesbaudirektor Robert Müller und dem Sprecher der Tiroler Bauindustrie, Manfred Lechner (v.l.), die aktuellen Entwicklungen in der Tiroler Bauwirtschaft.
Der Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes, WK-Vizepräsident Anton Rieder, analysierte gemeinsam mit Landesbaudirektor Robert Müller und dem Sprecher der Tiroler Bauindustrie, Manfred Lechner (v.l.), die aktuellen Entwicklungen in der Tiroler Bauwirtschaft.
Der Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes, WK-Vizepräsident Anton Rieder (im Bild), analysierte gemeinsam mit Landesbaudirektor Robert Müller und dem Sprecher der Tiroler Bauindustrie, Manfred Lechner, die aktuellen Entwicklungen in der Tiroler Bauwirtschaft.
© WK Tirol / Die Fotografen

Der Bausektor ist eine stabile Konjunkturstütze in der aktuellen Krise. Lieferengpässe, Kostentreiber und Fachkräftemangel belasten die Branche.

Im Rahmen eines Pressegespräches zur „Tiroler Bauvorschau“ analysierten der Sprecher der Tiroler Bauindustrie Manfred Lechner, der WK-Vizepräsident und Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes Anton Rieder sowie Landesbaudirektor Robert Müller die aktuellen Entwicklungen in den Bereichen Wohn-, Hoch-, Tunnel- und Tiefbau. „Allen Schwierigkeiten zum Trotz hat sich die Baubranche einmal mehr als Konjunkturstütze bewährt und sich weitgehend als krisenresistent erwiesen“, erklärt Anton Rieder. Real hat sich das Baubudget von 2019 auf 2020 immerhin um 0,9 Prozent erhöht, während viele andere Branchen Rückgänge hinnehmen mussten. Im Jahr 2020 betrug das Tiroler Baubudget 2.038 Millionen Euro. Für das Jahr 2021 werden 2.143 Millionen Euro prognostiziert; das entspricht einem Anstieg von 5,2 Prozent. Die stärksten Zuwächse werden in den Bereichen Verkehrswegebau und sonstiger Tiefbau erwartet.

Innungsmeister Anton Rieder

Stimmung trübt sich ein

Rückblickend auf die letzten zwölf Monate verzeichnete knapp jedes vierte Unternehmen (24 %) einen Anstieg des bauwirksamen Produktionswertes (Umsatzes). Für jedes zweite Unternehmen (51 %) ist der Umsatz gleichgeblieben. Ein weiteres Viertel der Unternehmer (25 %) gibt an, dass der Umsatz ihres Unternehmens in den vergangenen zwölf Monaten gesunken ist. Auch wenn die Branche verhältnismäßig gut durch das schwierige Jahr gekommen ist, beeinträchtigen die Auswirkungen der Corona-Pandemie das Stimmungsbild. „Beurteilten Anfang 2020 noch drei Viertel der Unternehmer die aktuelle Geschäftslage des eigenen Unternehmens mit Sehr gut (25,2 %) bis Gut (50,7 %) so ist diese positive Beurteilung um 20 % gesunken (55,6 %). 30,7 % bewerten die aktuelle Geschäftslage mit Befriedigend. 13,6 % benoten die aktuelle Geschäftslage mit Genügend bis Nicht Genügend – ein absoluter Negativstand seit Erstellung der Tiroler Bauvorschau. Für das Jahr 2021 sind die Aussichtgen durchwachsen: Rund 25 % erwarten einen Rückgang ihres Umsatzes; 17 % erwarten eine Steigerung; mehr als die Hälfte (57,6 %) sieht für 2021 einen gleichbleibenden Umsatz“, berichtet Manfred Lechner.

Öffentliche Investitionen als Motor

Auf Basis dieser Entwicklungen sprechen die Vertreter der Tiroler Baubranche zentrale Herausforderungen für die kommenden Monate und Jahre an. Lechner hebt den Stellenwert von öffentlichen Investitionen hervor: „Gerade in Krisen sind Investitionen der öffentlichen Hand essenziell. Es ist absolut wichtig, dass die Gemeinden über ihre umfangreichen Aufgaben hinaus genügend freie Mittel für Bauvorhaben und Infrastrukturprojekte zur Verfügung haben“, erklärt Lechner. Landesbaudirektor Robert Müller begrüßt in diesem Zusammenhang die Tiroler Konjunkturoffensive: „Bis zum Jahr 2025 werden die Landesmittel für den Hochbau jährlich von 30 auf 50 Millionen Euro angehoben, für den Straßenbau von 70 auf über 90 Millionen Euro. Das stärkt den Bausektor, der sich gerade in der Krise als Motor der Konjunktur bewährt hat“, so Müller.

Landesbaudirektor Robert Müller
Landesbaudirektor Robert Müller

Kostentreiber eindämmen

Anton Rieder erhebt beim Tiroler Top-Thema des leistbaren Wohnens die Forderung, Kostentreiber möglichst einzudämmen. „Die vorgeschriebenen Stellplätze schlagen sich massiv auf die Wohnbaukosten durch“, so Rieder. Der Innungsmeister fordert Augenmaß seitens der Politik und eine Reduktion des Stellplatzschlüssels. Bei den errichteten Wohneinheiten wurde ein Hochstand verzeichnet: Jährlich werden derzeit rund 7.000 Wohnungen errichtet – davon 1.400 von gemeinnützigen bzw. öffentlichen Wohnbauträgern, 1.600 von privaten Bauherren, 2.000 Einheiten durch Aufstockungen und Erweiterungen und weitere 2.000 Wohnungen von privaten Wohnbauträgern. „Zwei Drittel der Gemeinden orten weiterhin steigenden Wohnbedarf. Daher ist es wichtig, die Bautätigkeit weiter zu verstärken und seitens der Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür zu schaffen“, so Rieder.

Digitale Baueinreichung forcieren

Dazu gehört für den Vizepräsidenten und Innungsmeister die Forcierung der digitalen Baueinreichung. „Die Beispiele Wien und Südtirol zeigen, dass in dieser Richtung vieles möglich ist“, erklärt Rieder, „die Bauwirtschaft hat ein professionelles Konzept und wir hoffen auf die Unterstützung des Landes.“ Diese sichert der Landesbaudirektor zu: „Wir orientieren uns am Vorstoß Wiens und verfolgen diesen Ansatz in Kooperation mit anderen Bundesländern und den Gemeinden offensiv.“

Sprecher der Tiroler Bauindustrie Manfred Lechner
Sprecher der Tiroler Bauindustrie Manfred Lechner

Unsicherheitsfaktor Baustofflieferungen

Einen großen Unsicherheitsfaktor stellen die aktuellen Entwicklungen am internationalen Baustoffsektor dar. „Die Baubranche kämpft derzeit mit Preissteigerungen bei z.B. Baustahl sowie Lieferengpässen bei Dämmstoffen, Kunststoffrohren und bei Bauholz“, erklärt Manfred Lechner.

Dauerbrenner Fachkräftemangel

Einen Dauerbrenner stellt für die Branche der Fachkräftemangel dar – trotz der herrschenden Rekordarbeitslosigkeit. Rieder und Lechner betonten, dass das landläufige Image des Baus nichts mehr mit der Realität zu tun hat: „Die Bauwirtschaft hat in den letzten Jahren einen massiven Wandel durchgemacht. Digitalisierung und klimaneutrales Bauen sind gerade für junge Menschen spannende Herausforderungen. Am Bau kommt längst mehr der Joystick als der Schaufelstiel zum Einsatz“, so Lechner. Die Branche ist gewillt und verfügt mit der Bauakademie über ihre eigene, fachliche Bildungsstätte , um Höherqualifizierungen in sämtlichen Bereichen vorzunehmen.