Alles aus einer Hand – Michael Rüscher schmiedet, schleift, lötet, hämmert und feilt.
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Alte Handwerkskunst neu interpretiert

Alles aus einer Hand – Michael Rüscher schmiedet, schleift, lötet, hämmert und feilt.
© Maria Kirchner

Seit 30 Jahren ist Christian Schröder Goldschmied aus Leidenschaft. Gemeinsam mit Michael Rüscher führt er in der Altstadt einen Handwerksbetrieb, in dem kreative Schmuckstücke vor den Augen der Kunden entstehen.

Abseits vom geschäftigen Treiben und dem Rummel der Innsbrucker Altstadt lassen die beiden Goldschmiedemeister Christian Schröder und Michael Rüscher ihrer Kreativität freien Lauf. Ihr exklusiver Handwerksbetrieb im 1. Stock eines spätgotischen Kaufmannshauses wirkt auf den ersten Blick versteckt, nur drei Schaukästen erwecken die Aufmerksamkeit. Erst nach Betätigung einer Glocke kann die Werkstatt und der großzügige Store, welcher traditionelles Handwerk und edle Schmuckstücke in einem Raum vereint, betreten werden.

„Doch gerade das schätzen unsere Kunden sehr, denn sie ziehen es vor, in Ruhe über ihre Wünsche zu reden. Passanten können keine Blicke erhaschen, eine großzügige Diskretionszone ist gewährt“, erzählt Christian Schröder, der 1991 seine Lehre begann und damals schon genau wusste, was er wollte. Gemeinsam mit Michael Rüscher entwickelte er das Konzept „die Werkstatt im Schauraum“ und setzte dieses 2015 in den Räumlichkeiten des bereits seit mehreren Jahrzehnten bestehenden Goldschmiedebetriebs in Innsbruck um. Dieselbe Idee bringt seit 2019 auch in ihren zweiten Standort in Dornbin frischen Wind.

Goldschmied Christian Schröder legt seine handwerklichen Tätigkeiten gerne beiseite, um persönlich zu beraten. Die Kunden profitieren vom meisterlichen Know-how.
Goldschmied Christian Schröder legt seine handwerklichen Tätigkeiten gerne beiseite, um persönlich zu beraten. Die Kunden profitieren vom meisterlichen Know-how.
© Maria Kirchner

„Unser Konzept hat durchwegs nur Vorteile. Besucher werden immer von einem Handwerksmeister bedient und können ihre Anliegen direkt äußern. Anschauungsstücke stehen als Inspiration zur Verfügung. Hauptsächlich werden die Schmuckstücke aber als Unikate entworfen und vor den Augen der Kunden in Handarbeit an den Werkbänken produziert“, erklärt Christian Schröder und ergänzt: „Das ist unsere Kernkompetenz. Jeder sieht, wo wir arbeiten und wer wir sind.“

Handwerkskunst wie eh und je

Keine CNC-Maschinen, kein 3D-Druck, keine zugekauften Produkte. Bei Schröder & Rüscher hat sich die ursprüngliche Arbeitsweise des Goldschmieds bis heute kaum verändert. Wie vor über 650 Jahren wird geschmiedet, gegossen, gehämmert, gelötet und poliert. Ein Paar Eheringe entsteht in drei bis sechs Stunden, aufwändigere Stücke können auch eine ganze Arbeitswoche in Anspruch nehmen. „Heutzutage werden Dinge oft als Handwerk bezeichnet, auch wenn nur ein menschlicher Handgriff getätigt und der Rest von einer Maschine erledigt wird. Doch wir haben das radikale Handwerk für uns definiert, weil wir von A bis Z alles selbst machen. Dabei ist mir am liebsten, jemand kommt mit einer groben Vorstellung vorbei und ich entwickle anschließend einen Entwurf. So kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen und mein Know-how einsetzen“, so Rüscher. Wenn die Zahlen passen, wird das fünfköpfige Team in naher Zukunft wieder von einem Lehrling unterstützt, um das handwerkliche Wissen weiter zu überliefern.

Im passenden Ambiente entstehen in der Innsbrucker Altstadt individuelle Kreationen. Alte Handwerkskunst kommt dabei ebenso wenig zu kurz wie die Liebe zu wertvollen Schmuckstücken.
Im passenden Ambiente entstehen in der Innsbrucker Altstadt individuelle Kreationen. Alte Handwerkskunst kommt dabei ebenso wenig zu kurz wie die Liebe zu wertvollen Schmuckstücken.
© Maria Kirchner

Den Abnehmern geht es grundsätzlich um Individualität und darum, dass der Schmuck nicht von der Stange ist: „In Schmuckstücken kommen sowohl die Charakterzüge der Trägerinnen und Träger als auch die Handschrift des Goldschmieds zum Ausdruck. Wir fertigen materielle Stücke, die meist einen großen emotionalen Wert darstellen. Die Verarbeitung von neuem Material ist dabei genauso wichtig wie die Wiederverwertung. So kam es beispielsweise auch schon vor, dass wir aus dem Ehering des verstorbenen Partners ein neues Schmuckstück kreierten.“

Trotz alter Handwerkskunst fehlt es den beiden Unternehmern nicht an innovativen Ideen. Neben dem Privatkundengeschäft arbeiten Schröder & Rüscher mit ausgewählten Partnern zusammen. „Wir wollen nicht nur von einem Standbein abhängig sein. Daher war es in unser beidem Interesse, eine zweite Filiale in Dornbirn zu etablieren,“ erzählt der gebürtige Vorarlberger Michael. Vor zwei Jahren haben die beiden eine etwas kleinere Dependance im Ländle eröffnet. Wie in Innsbruck gibt es hier eine Werkstatt direkt im Geschäft. Der einzige Unterschied – die Werkbank ist zugleich Verkaufstheke und Handwerkerbar. Doch ihrem Konzept bleiben sie treu.

Weitere Informationen: Goldschmiede Schröder&Rüscher