Tourismus bereit für ein Comeback

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Tourismusbranche am Limit
Die Schlüssel zu den Tiroler Hotelzimmern bleiben für weitere Wochen an der Rezeption – trotz umfassender Corona-Konzepte, die ein sicheres Öffnen ermöglichen würden.
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Tirols Hotellerie und Gastronomie reagieren mit Enttäuschung auf den Dauerlockdown ihrer Branchen. Die Touristiker drängen daher auf ein verbindliches und vor allem baldiges Öffnungsdatum.

Ernüchtert und enttäuscht zeigen sich die Vertreter der Tourismuswirtschaft in Tirol von der weiteren Verlängerung des Lockdowns und einem vagen Vertrösten auf die Zeit nach Ostern – trotz intensiver Arbeit an umfassenden Sicherheitskonzepten in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium. „Die Branche verfügt über ein Bewusstsein für die Situation und hatte berechtigte Hoffnungen, dass Minister Rudolf Anschober mehr Mut zum Konzept hat“, erklärt Spartenobmann Mario Gerber.

Die Touristiker vermissen eine Perspektive für die seit Monaten geschlossenen Betriebe. Der Tiroler Tourismus verzeichnet bereits jetzt einen Umsatzausfall von 8,5 Milliarden Euro, die Wintersaison war praktisch ein Totalschaden. „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben. Einfach Zusperren bis zur Durchimpfung ist keine Option“, betont der Spartenobmann. Der einzige Lichtblick ist die Absicht der Bundespolitik, sich zukünftig weniger an Inzidenzzahlen, sondern an den wesentlich entscheidenderen Kapazitätsgrenzen der Intensivmedizin zu orientieren.

Mario Gerber, Spartenobmann Tourismus
Mario Gerber, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft

Der Spartenobmann verweist auf den erfolgreichen Betrieb im Sommer und Herbst vergangenen Jahres unter kontrollierten Bedingungen. „Und jetzt ist noch ein entscheidender Faktor dazu gekommen: die Möglichkeit von flächendeckenden Eintrittstestungen“, unterstreicht auch der Obmann der Gastronomie, Alois Rainer, „was bei den Friseuren funktioniert, funktioniert bei den Tourismusbetrieben auch.“

Planbare Öffnung

Damit können die Tourismusbetriebe einen Beitrag zur Verbesserung der Gesamtsituation leisten: Je mehr Tests, desto mehr speziell asymptomatisch Infizierte werden gefunden und können isoliert werden. „Dass sich die Bundesregierung diese Chance entgehen lässt, ist für mich selbst aus medizinischer Sicht unverständlich, ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen und psychologischen Gründen, die für ein Öffnen unter der Bedingung von Eintrittstests sprechen“, erklärt Gerber.

Die Mitarbeiter wie auch die Betriebe stoßen an ihre wirtschaftlichen und psychischen Grenzen. „Und die Bevölkerung sehnt sich nach sozialen Kontakten. Zusammenkünfte verschieben sich in den privaten Bereich. Dort fehlen aber zuverlässige Rahmenbedingungen und daher kommt es in diesem Rahmen zu mehr als 50 Prozent aller Infektionen“, betont Mario Gerber, „professionelle Konzepte der Betriebe bieten hier ein ganz anderes Maß an Sicherheit – aber die Politik verzichtet leichtfertig für weitere Wochen auf diese Möglichkeit.“ Mit jeder weiteren Verschiebung verlieren immer mehr Unternehmen, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Vertrauen in eine planbare, baldige Öffnung. Je länger eine solche rausgezögert wird, um so schwieriger wird es, Mitarbeiter zu halten oder für die kommende Saison zu finden.

Alois Rainer, Fachgruppenobmann Gastronomie
Alois Rainer, Fachgruppenobmann Gastronomie

Acht Monate Lockdown sind genug

Unternehmern liegt es im Blut, etwas zu unternehmen. Dazu gehört auch, den Umgang mit Corona in ihren Alltag zu integrieren. „Fast acht Monate Lockdown sind genug. Auch wenn das Arbeiten unter Corona-Bedingungen nicht einfach ist: Die Betriebe sind bereit für das Comeback und die Umsetzung strenger Maßnahmen – von der Kontrolle der Eintrittstests über Registrierungen bis hin zur FFP2-Maskenpflicht für die Mitarbeiter. Mehr geht einfach nicht“, betonen Gerber und Rainer.

Maria Hauser, Stanglwirt
Stanglwirt
Maria Hauser vom Stanglwirt: „Unsere Gäste sitzen auf gepackten Koffern!“
Maria Hauser, Stanglwirt
Stanglwirt

Auch wenn die Bundesregierung immer noch kein klares Öffnungsdatum für die Hotellerie und Gastronomie festgelegt hat – die heimische Hotellerie steht in den Startlöchern und fiebert dem Neustart entgegen. Es gibt nicht wenige Ganzjahresbetriebe, die mehr als bereit dazu sind, unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen sofort aufzusperren. Auch dann, wenn die kurzfristige Nachfrage aufgrund der Grenzschließungen anfänglich noch gering sein sollte.

„Hier geht es nicht nur um eine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung, sondern um ein Zeichen an Mitarbeiter und Gäste, sobald als irgend möglich wieder für sie da zu sein“, erklärt Maria Hauser vom Tiroler Traditionshaus Stanglwirt in Going. Dass dies funktionieren kann, hat die Branche schon im vergangenen Sommer und Herbst unter Beweis gestellt. „Wir hatten einen sehr erfolgreichen Sommer und Herbst 2020 und konnten die höchstmöglichen Sicherheitsstandards mit dem größtmöglichen Wohlgefühl für Gäste und Mitarbeiter vereinen“, betont Hauser.

Enorm hoher Sicherheitslevel

Dieser hohe Sicherheitslevel wurde nun weiter erhöht. Mit den vermehrten Testungen ist ein wesentlicher Faktor hinzugekommen, der den entscheidenden Unterschied ausmacht. Das aktuelle Covid-Konzept des Stanglwirts ist definitiv geeignet, Sicherheit und damit ein entspanntes Urlaubserlebnis zu vermitteln.

Das Präventionspaket besteht unter anderem aus folgenden Elementen: Regelmäßige Testungen des gesamten Teams; verpflichtende Eintritts-tests für Gäste; eine eigene Test-Station am Hotel-Areal; FFP2-Masken für Mitarbeiter im gesamten Gastbereich; verpflichtende Gästeregistrierung – auch im à-la-carte-Betrieb im Gasthof; spezielle COVID-19-Beauftragte innerhalb des Teams; flächendeckende Desinfektion aller Zimmer und öffentlichen Bereiche, inklusive Einsatz von Kaltvernebelungsgeräten und Luftfiltergeräten; großzügige Raumreserven am zwölf Hektar großen Areal; und natürlich: die penible Einhaltung der allgemein gültigen Abstands- und Hygieneregeln.

Die Bereitschaft zur Teilnahme an den Testungen schätzt Maria Hauser hoch ein: „Die Menschen sehnen sich so sehr nach Urlaub und einem Tapetenwechsel, dass sie gerne bereit sind, sich dafür testen zu lassen. Die Eintrittstestungen werden unserer Erfahrung nach sogar als zusätzlicher Sicherheitsfaktor wahrgenommen.“

Die Verlängerung der Quarantänepflicht bei Einreisen nach Österreich bis Ende Mai ist für die Tourismusbranche völlig überzogen, das Stanglwirt-Team versucht, diesem Hindernis mutig zu begegnen: „Wir haben auch nach dem ersten Lockdown am allerersten Tag wiedereröffnet, an dem dies erlaubt war, obwohl die Grenzen auch damals noch geschlossen waren. Wir wussten nicht was uns erwartet, aber die enorme Resonanz aus dem Inland hat uns überwältigt und sehr, sehr dankbar gestimmt. Sogar zwei Familien aus unserer Heimatgemeinde haben bei uns geurlaubt.“

Offene Grenzen sind essenziell

Generell ist eine baldmögliche Grenzöffnung bzw. Gesamtlösung für Reisen innerhalb der EU für die Tourismusbranche unerlässlich. „Wir hoffen das Beste und unsere Gäste stimmen uns enorm zuversichtlich – denn sie berichten, dass sie bereits auf gepackten Koffern sitzen und nur noch auf den Startschuss warten“, so Maria Hauser. Nicht nur für die sehnsüchtig wartenden Gäste, sondern auch für tausende Zulieferer und Mitarbeiter, die von der Tourismusbranche leben und an ihr hängen, ist ein baldiger Re-Start unter strengen Sicherheitsbedingungen essenziell.

Es ist notwendig und längst überfällig, dass nun endlich ein konkretes Datum fixiert wird und bis dahin die Unterstützungen verbessert sowie rasch und unbürokratisch abgewickelt werden. Bei der Kurzarbeit sind tourismusspezifische Adaptierungen notwendig ebenso wie Liquiditätshilfen für den Neustart. „Der Dauerlockdown vergeudet viel Energie unserer Betriebe und richtet einen enormen Schaden für das Staatsbudget und den Standort an“, so die Tourismusvertreter.

Präventionskonzept Tourismus
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