Max Kloger, Spartenobmann der Tiroler Industrie (l.), WK-Präsident Christoph Walser (r.) skizzierten aktuelle Herausforderungen für den produzierenden Bereich der Tiroler Wirtschaft.
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Industrie vs. Virus: Produktions-Betriebe als stabile Säule

Max Kloger, Spartenobmann der Tiroler Industrie (l.), WK-Präsident Christoph Walser (r.) skizzierten aktuelle Herausforderungen für den produzierenden Bereich der Tiroler Wirtschaft.
© WK Tirol/Die Fotografen

Für die Industrie ist der Fachkräftemangel nach wie vor eine zentrale Herausforderung. Große Zukunftschancen liegen in klimafreundlichen Technologien und im Ausbau der Wasserkraft.

Die Industrie, das Gewerbe und die Bauwirtschaft haben sich im vergangenen Corona-Jahr als Konjunkturstützen herausgestellt. Sie konnten im Gegensatz zu anderen Branchen wie etwa dem Tourismus und zum Teil auch dem Handel im Wesentlichen durcharbeiten. Die Tiroler Industriebetriebe verfügen über umfassende Präventionskonzepte – daher sind auch keine Corona-Cluster in den Unternehmen aufgetreten. Dies gilt im Übrigen für die gesamte Wirtschaft und es hat sich herausgestellt, dass der Wirtschaftssektor quer über alle Branchen sicherer als der private Bereich ist, wie auch WK-Präsident Christoph Walser betont.

Optimismus steigt

Eine aktuelle Umfrage der WK Tirol zeigt, dass die Industrie in Bezug auf die wirtschaftliche Lage grundsätzlich optimistisch eingestellt ist – 45 Prozent der Tiroler Industriebetriebe sehen die Lage positiv, 24 Prozent negativ. Der Spartenobmann der Industrie, Max Kloger, dazu: „Der Optimismus der Industrie steigt von Woche zu Woche. Die Auftragslage entwickelt sich gut, auch wenn die Pandemie zu Einschränkungen für die Betriebe führt.“ Die Industrieunternehmen kämpfen mit laufenden Engpässen bei Rohstoffen und haben derzeit einen viel höheren Aufwand, um normale Prozesse umsetzen zu können. Die Wiederöffnung der Grenzen ist für Spartenobmann Max Kloger ein entscheidender Faktor.

Zurückhaltung bei Investitionen

Feststellbar ist allerdings auch eine sehr abwartende Haltung, was die weitere Entwicklung betrifft (12 % der Tiroler Industriebetriebe sind optimistisch, 63 % neutral, 25 % pessimistisch). Das führt zu einer großen Zurückhaltung bei Investitionen (22 % wollen mehr investieren, 31 % weniger). Um dem entgegenzuwirken, braucht es dringend Anreize. Die angekündigte Verlängerung der Investitionsprämie ist für Präsident Walser hier genau das richtige Signal. In diesem Zusammenhang fordert er mehr Planungssicherheit, auch wenn das aufgrund der ständigen Schwankungen bei den Infektionszahlen nicht einfach ist. „Der Beginn der Impfung im Bezirk Schwaz ist ein erster wichtiger Meilenstein am Weg zur Normalität“, erklärt Walser, „darin liegt die Basis für Investitionen, für die Einstellung neuer Mitarbeiter und für die Entwicklung neuer Produkte.“

Max Kloger, Spartenobmann Industrie
Industrie-Spartenobmann Max Kloger

 

Schlüsselarbeitskräfte bei Impfungen vorziehen

Die größte Hoffnung der Industrie liegt in den Impfungen. 60 Tiroler Industriebetriebe haben sich bereiterklärt, betriebliche Impfungen durchzuführen. „Wir sind gerüstet – die einzige Beschränkung ist die Verfügbarkeit der Impfdosen. Wenn wir heute Impfstoffe bekommen, wird morgen geimpft“, betont Max Kloger. Für die Betriebe ist einerseits wichtig, so schnell wie möglich zu impfen, andererseits verbindliche Termine genannt zu bekommen. „Das ist für die entsprechende Planung von Geschäftsreisen und Auslandsterminen wichtig“, so Spartenobmann Kloger. Die Industrie fordert, bei den Impfungen Schlüsselarbeitskräfte mit Auslandskontakten vorzuziehen. „Diese vergleichsweise wenigen Mitarbeiter sind für die Beschaffung neuer Aufträge und die Geschäftsbeziehungen mit internationalen Kunden wichtig und sollten daher so früh wie möglich in der Impfstrategie berücksichtigt werden“, betont auch Präsident Walser.

Klimafreundliche Technologien als Zukunftschance

Für die Zukunft sieht Max Kloger große Herausforderungen, aber auch Chancen im Klimabereich: „Die EU investiert massiv in klimafreundliche Technologien – da sollten Tiroler Industriebetriebe ganz vorne mit dabei sein.“ Die Energiewende ist für den Spartenobmann nur mit dem Ausbau der Wasserkraft zu schaffen. „Jedes Projekt, das hier umgesetzt werden kann, ist ein gutes Projekt. Das hält den Strompreis stabil, die Versorgungssicherheit aufrecht und dient dem Hochwasserschutz. Letzterer Punkt ist nicht nur für rund 900 Tiroler Betriebe, die in gelben und roten Zonen stehen, essenziell, sondern auch für alle Tirolerinnen und Tiroler, die in diesen Zonen leben“, so Kloger.

WK-Präsident Christoph Walser
WK-Präsident Christoph Walser

Akuter Fachkräftemangel

Nach den derzeitigen Reisewarnungen stellt der Fachkräftemangel die größte Herausforderung für die Betriebe dar (53 %). „Wir haben unverändert zu wenig Fachkräfte. Unsere Industriebetriebe könnten auch deutlich mehr Lehrlinge aufnehmen“, ergänzt Kloger. Die Kurzarbeit hat sich als wichtiges Instrument für die Betriebe herausgestellt, um Schlüsselarbeitsplätze in Betrieben zu halten. Die Wirtschaftskammer unterstützt die Unternehmen intensiv bei ihrer Suche nach Fachkräften – von der aktuellen Lehrstellenaktion bis hin zur Berufsorientierung und Bewerberauswahl am Bildungsconsulting.

Starker Tiroler Pharma-Sektor

Tirols Industrie-Exporte haben 2020 einen moderaten Rückgang von rund 6 Prozent verzeichnet, das ist weit besser als der Österreich-Schnitt mit minus 11 Prozent. Im Pharma-Bereich konnte Tirol sogar deutlich zulegen. „Gerade jetzt kann Tirol seine Stärke bei Pharma-Exporten nutzen“, so WK-Präsident Walser, der ergänzt: „Allerdings müssen die schädlichen und überzogenen Grenzschikanen endlich aufhören.“ Die Aufwertung des Standortes Novartis-Sandoz ist für ihn in diesem Zusammenhang ein äußerst positives Signal.