Firmensitz Aberjung GmbH
Alles Unternehmen

Vom Start-up zum weltweit gefragten Design-Büro

Im Einklang mit dem Naturambiente steht der neue Aberjung-Firmensitz am Iselsberg.
© Aberjung GmbH

Produkte nicht bloß zu verhübschen, sondern sie auch zu verbessern, ist das Credo des Osttiroler Unternehmerduos Aberjung. Viel Platz für Kreativität gibt es im neuerrichteten Firmengebäude.

Der gebürtige Imster Christoph Aschaber und der Lienzer Lukas Jungmann haben sich beim Industrial Design-Studium an der Grazer Fachhochschule Joanneum kennengelernt. „Wir hatten das Glück, dort jeweils einen der raren und daher enorm begehrten Studienplätze zu ergattern“, erzählt Christoph Aschaber. In Graz begann 2012 auch die Zusammenarbeit der beiden Tiroler und die Gründung der Aberjung OG.

Anfangs lag der Fokus auf Industriedesign, wobei ein spektakuläres Projekt die beiden Jungunternehmer nach Osttirol brachte. „Wir durften den mit 113 Kilo Leergewicht leichtesten Doppelrotor-Hubschrauber der Welt für ein chinesisch-deutsches Unternehmen gestalten. Den 1:1 Prototyp konnten wir in unserem Minibüro natürlich nicht unterbringen. Lukas hat geeignete Räume in Lienz gefunden, wo wir im ständigen Austausch weiter an diesem Projekt arbeiten konnten. Jeweils von Graz nach Lienz zu pendeln, war schließlich zu aufwändig, weshalb wir 2015 den Standort nach Lienz verlegt haben“, so Aschaber. Dort stieß der Grafikdesigner Lukas Nöckler, heute Leiter der Kommunikationsabteilung, als erster Vollzeitmitarbeiter zum Team.

Aberjung GmbH - Christoph Aschaber
Christoph Aschaber

Es gelang den Aberjung-Chefs, den Aktionsradius in geographischer, aber auch in inhaltlicher Sicht ständig auszuweiten. „Im Gespräch mit unseren Kunden, zu denen wir vielfach auch freundschaftliche Beziehungen aufbauen konnten, ergaben sich Aufgabenstellungen, die weit über das Produktdesign hinausgingen, für die wir aber auch Lösungen anbieten konnten. So positionierten wir uns als Komplettanbieter von der Produktgestaltung über alle Bereiche des Corporate Designs bis zu Visualisierungen; auch architektonische Gestaltungsvorschläge, etwa für Point of Sale-Lösungen, gehören zu unserem Portfolio. Wir beschäftigen uns aber nicht nur mit Auftragsarbeiten, sondern verfolgen auch innovative Eigenprojekte. ‚Aberjung Objects‘ nennt sich unsere eigene Möbelkollektion, für die wir die Tischlerei Lanser aus Innervillgraten als handwerklich exzellenten Partner gewinnen konnten.“

Nationalparkhaus Hohe Tauern
Die Gestaltung von Ausstellungen – mit allem, was dazugehört – zählt zum Aberjung-Standardrepertoire. Hier die neue Dauerausstellung „Tauernblicke“ im Nationalparkhaus Hohe Tauern in Matrei, die mit dem Tirolissimo ausgezeichnet wurde.
© Aberjung GmbH

Erstmalig präsentiert wurde die exklusive Möbelserie 2019 auf der Möbelmesse in Mailand. Die minimalistischen Objekte aus gebürstetem Lärchenholz und Messing stießen auf eine erfolgversprechende Resonanz beim Fachpublikum. „Eigentlich hätte die Serienproduktion schon starten sollen; momentan warten wir aber noch auf Messingelemente eines italienischen Produzenten, der Corona-bedingt in Lieferverzug geraten ist“, erzählt Christoph Aschaber. An Ideen und bereits umsetzungsreifen Plänen herrscht bei Aberjung kein Mangel, etwa für modulare Chalets in der Art von „Tiny Houses“ mit einem perfekt durchdachten Interieur.

Kreativpark Aberjung

Die bisher größte und wohl auch mutigste Entwicklungsphase hat das noch junge Unternehmen im Herbst 2020 abgeschlossen, als das neue Firmengebäude in Dölsach, direkt an der über den Iselsberg führenden Großglockner-Bundesstraße, fertiggestellt und bezogen werden konnte. „Unser Büro in einem zwar charmanten, aber desolaten Altbau in Lienz, in dem auch das Architekturstudio von Lukas Vater Peter Jungmann untergebracht war, platzte aus allen Nähten. Wir haben uns bei einer Immobilienmaklerin nach Alternativen umgesehen und wurden dort auf ein 5.000 m2 großes Grundstück mit einem Gebäude-Altbestand am Iselsberg aufmerksam. Die Maklerin meinte, das sei wohl nichts für uns. Wir beide wussten aber sofort: Dort entsteht der Kreativpark Aberjung“, erzählen die beiden Geschäftsführer der mittlerweile in „Aberjung GmbH“ umgewandelten Ideenschmiede.

Entstanden ist ein repräsentativer Firmensitz, der die Formensprache und die Philosophie des Designer-Duos widerspiegelt – Ästhetik, Schlichtheit, Transparenz und auch Bodenständigkeit. Dazu kommt noch eine absolute Traumlage hoch über dem Talboden mit einem unverstellten Blick auf die imposanten Lienzer Dolomiten. „Kürzlich waren Leute, mit denen wir einen Imagefilm produzieren, bei uns. Die hat das Ambiente so beeindruckt, dass sie fast nicht mehr von den Balkonen wegzubringen waren. Das hat uns auch gezeigt, dass das Umfeld auch für Kunden, die wir zu uns einladen wollen, und für die geplanten Kreativ-Workshops optimal ist“, freut sich Christoph Aschaber.

Office Aberjung GmbH
In den neuen Büroräumlichkeiten kann sich die Kreativität des Aberjung-Teams ebenso entfalten wie jene von den Teilnehmern der Kreativ-Workshops.
© Aberjung GmbH

Am neuen Standort hat nun die mittlerweile auf neun Personen angewachsene Belegschaft mehr als genug Platz – 400 m2 Bürofläche stehen zur Verfügung. So konnte auch Architekt Peter Jungmann, mit dem man ohnedies eine intensive Zusammenarbeit pflegt, sein Büro hierher verlegen. Für den Modell- und Prototypenbau gibt es zusätzlich eine 60 m2 große ebenerdige Werkstätte.

„Wir haben großzügig gebaut, da wir in den nächsten Jahren weiterwachsen wollen. Wir möchten aber nicht so groß werden, dass es uns beiden eines Tages nicht mehr möglich ist, Kunden persönlich zu betreuen. Bevor wir ein Projekt beginnen, wollen wir unseren Auftraggeber möglichst gut kennenlernen. Schließlich muss das, was wir ihm dann liefern, auch authentisch sein und zu seinem Formen- und Wertesystem passen. Außerdem muss Vertrauen aufgebaut werden, was nur im persönlichen Austausch möglich ist“, betonen die Firmenchefs, die sich natürlich über jene Kunden besonders freuen, die ihnen freie Hand lassen.

Aberjung GmbH - Lukas Jungmann
Aberjung GmbH

So etwa die Essig- und Edelbrand-Manufaktur Gölles in Riegersburg, für die Aberjung als Fullservice-Agentur arbeitet – von den Flaschenformen über die Etiketten bis zur Produktplatzierung in den Regalen. Auch die Gestaltung der Ausstellungs- und Verkaufsräume sowie die Konzeption der „Gölles-Erlebniswelt“ trägt die Handschrift der Osttiroler Kreativen.

„Osttirol ist cool – was man hier an Kompetenzen bei den Unternehmen vorfindet, ist beeindruckend. Obwohl wir international tätig sind, haben wir hier eine Vielzahl an gegenseitig befruchtenden Kontakten aufbauen können. Rückblickend war es sehr hilfreich, dass wir uns vor einigen Jahren bei einem Junge-Wirtschaft-Sommercocktail präsentieren durften. Solche Netzwerke muss man nutzen“, empfehlen die Aberjung-Chefs.

Weitere Informationen: Aberjung GmbH