Betriebe wieder öffnen
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„Die Rollläden müssen endlich hoch“

© kasto/stock.adobe.com

Wirtschaftsvertreter verweisen auf die geringen Infektionszahlen im wirtschaftlichen Bereich und die kritische Situation vieler Betriebe. Sie fordern ein Aufsperren am 8. Feber.

Dieser Tage entscheidet sich die weitere Vorgangsweise ab dem 8. Februar. WK-Präsident Christoph Walser spricht sich klar für deutliche Öffnungsschritte aus und legt dafür klare Fakten auf den Tisch. „Es zeigt sich, dass wir auch nach der Verlängerung des dritten Lockdowns mit den Infektionszahlen nicht auf Null kommen. Es bleibt immer ein Sockel, mit dem wir uns wohl abfinden müssen“, erklärt Walser.

Fest steht jedenfalls, dass nur ein verschwindend kleiner Teil der Infektionen auf die Wirtschaft zurückzuführen ist. Derzeit erfolgen laut Untersuchungen der Ages nur 1,6 Prozent der Infektionen am Arbeitsplatz, selbst vor dem Lockdown waren es nur 4,3 Prozent. Diese österreichweiten Daten korrespondieren mit den Erhebungen in Tirol: 65 Prozent der Infektionen stammen aus dem privaten Umfeld, 22 Prozent aus der Freizeitgestaltung, zehn Prozent aus dem Gesundheitsbereich. „Der Anteil der Infektionen mit Wirtschaftsbezug ist äußerst gering – trotzdem sind große Teile der Wirtschaft geschlossen“, kritisiert Walser.

Bevölkerung steht hinter Lockerungen

Über diese Zahlen hinaus gibt es weitere gute Gründe, den harten Lockdown zu beenden: Die Betriebe haben bereits im Vorjahr bewiesen, dass sie über wirksame Präventions- und Sicherheitskonzepte verfügen. Verlängerte Schließungen erfordern umfangreiche Entschädigungszahlungen seitens der öffentlichen Hand, was zu einem enormen Budgetdefizit und einer massiven Belastung für die Zukunft führt. „Abseits aller Zahlen geht es aber auch um die persönliche Betroffenheit der Menschen. Tausende betriebliche Existenzen stehen auf dem Spiel, von den psychologischen Folgen ganz zu schweigen. Die Schäden, die eine inadäquate Fortführung des Lockdowns verursachen würden, sind irreparabel und durch kein wie immer geartetes Hilfsprogramm zu retten“, betont der Präsident.

Es ist angesichts dieser klaren Fakten völlig überschießend, weiterhin ganze Branchen zuzusperren. „Es ist höchste Zeit, den Lockdown weitgehend zu beenden. Der Handel und die persönlichen Dienstleister müssen am 8. Februar wieder aufsperren. In der Folge braucht es auch im Tourismus sowie in weiteren seit Monaten brachliegenden Branchen Öffnungsschritte“, fordert der Präsident, „gleiches gilt für Schulen und Berufsschulen. Wir riskieren enorme Bildungsdefizite und müssen unseren Kindern Präsenzunterricht ermöglichen, freilich unter strengen Corona-Auflagen.“ Die WK verweist auf den breiten Rückhalt in der Bevölkerung: In einer aktuellen Market-Umfrage sprechen sich 72 Prozent für Lockerungen im Handel und den persönlichen Dienstleistern ab 8. Februar aus.

Spartenobmann Dieter Unterberger
Spartenobmann Dieter Unterberger

Enormer Kaufkraftabfluss an Online-Giganten

Den Ruf nach Öffnung unterstreicht auch der Obmann der Sparte Handel, Dieter Unterberger: „Jeder Tag mit geschlossenen Geschäften führt dazu, dass mehr und mehr Konsumenten auf den Onlinehandel ausweichen – leider oft nicht auf die Webshops heimischer Anbieter, sondern auf die Plattformen internationaler Onlinegiganten. Es ist höchste Zeit, diesen Abfluss an Kaufkraft und Steuerleistung zu stoppen“, fordert Unterberger. Die WK Tirol macht zwar mit der Kampagne „Ja zu Tirol“ Stimmung für regionale Einkäufe, aber dieser Aufruf wird mit jeder Woche Lockdown schwieriger. Der Spartenobmann verweist auf das Arsenal an Covid-Maßnahmen, das Handelsbetriebe für einen sicheren Betrieb einsetzen können. Diese reichen von Registrierungen über Zutrittsbeschränkungen bis hin Teststationen und FFP2-Masken. „Die Rollläden müssen hoch, sonst bleiben viele für immer unten“, weist der Spartenobmann auf die kritische Situation zahlreicher Handelsbetriebe hin.

Tourismus braucht Perspektiven

Für den überdurchschnittlich getroffenen Tiroler Tourismus fordert Spartenobmann Mario Gerber klare Perspektiven. „Wir müssen aus der Spirale des Auf- und Zusperrens herauskommen. Tourismusbetriebe brauchen einen entsprechenden Vorlauf und ein gewisses Maß an Planungssicherheit“, so Gerber. Der Spartenobmann verweist auch auf die internationale Komponente – denn so lange die Gäste aus Kernmärkten fehlen, ist Tourismus de facto nicht möglich. Gerber fordert einen bundeseinheitlichen Test- und Impfpass, um beim Neustart des Tourismus möglichste Sicherheit gewährleisten zu können. Der Spartenobmann betont die enge Verflechtung von Handels- und Gastronomiebetrieben und ist überzeugt, dass die Gastronomie mit ihren Präventionskonzepten ein sicheres Öffnen ermöglichen kann. „Wir haben auch eine Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung und möchten diese wahrnehmen“, betont Gerber und gibt zu bedenken, dass ansonsten auf den privaten Bereich ausgewichen wird – „aber ohne Covid-Konzepte und mit den entsprechenden Folgen.“

Mario Gerber, Spartenobmann Tourismus
Spartenobmann Mario Gerber

Corona-Maßnahmen verbessern

Die Wirtschaftsvertreter betonen ihre Bereitschaft, sämtliche verfügbaren Maßnahmen umzusetzen und fordern in diesem Zusammenhang von der Politik, optimale Voraussetzungen zu schaffen. Dazu gehört die Verbesserung des Contact Tracings. „Derzeit gelingt es laut aktuellen Zahlen der Ages nur bei 55 Prozent der Infektionen, die Quelle festzustellen. Das muss mit verstärktem digitalem Contact Tracing professioneller werden!“ fordert Christoph Walser. Darüber hinaus sind Testungen auf breiter Basis einzusetzen, etwa in Form von Eintritts- und Berufsgruppentests. Und natürlich müssen Impfungen so vorbereitet werden, dass sie bei Verfügbarkeit der Impfstoffe ohne Zeitverzögerung durchgeführt werden können. „Das Desaster rund um die Lieferung von Impfstoffen wird die Durchimpfung bis in den Herbst hinein verzögern“, befürchtet der WK-Präsident, „wir können nicht bis dorthin einfach das ganze Land zusperren. Wir müssen unter Einsatz sämtlicher Corona-Maßnahmen endlich aufsperren und uns wohl oder übel bis zur Durchimpfung mit dem Virus arrangieren.“