WK-Präsident Christoph Walser
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Kommentar

Die schwierigste Phase

WK-Präsident Christoph Walser
© WK Tirol/Frischauf

„Wir müssen die Betriebe unter strengen Sicherheitsmaßnahmen wieder öffnen“, fordert WK-Präsident Christoph Walser.

KOMMENTAR

„Die Zeit bis Ostern wird die schwierigste Phase der Pandemie“, meint der Gesundheitsminister. Er hat derartige Superlative schon öfter verwendet, aber diesmal wird er wohl recht haben. Wir befinden uns in der gleichen Situation wie ein Abfahrer beim Einbiegen in den Zielhang der Streif. Die Unterschenkel brennen, die Konzentration lässt nach. Auch den Tiroler Betrieben steckt nun schon fast ein Jahr Corona-Ausnahmezustand in den Knochen. Der Zieleinlauf in Form der Durchimpfung ist in Sicht. Aber es gibt noch ein paar Schlüsselstellen zu bewältigen. Die Lieferung der Impfdosen zieht sich, das Virus schlägt mit neuen Mutationen einen Haken nach dem anderen, und auch die Infektionszahlen bewegen sich nur zäh nach unten – trotz verlängertem Lockdown.

WK-Präsident Christoph Walser

Wir müssen jetzt alles dazu tun, um eine weitere Verlängerung der Verlängerung zu verhindern. Dazu gehört einerseits, die Corona-Regeln ernst zu nehmen und dem aufs Doppelte angewachsenen Babyelefanten seinen Raum zu lassen. Andererseits gilt es, sorgsame Abwägungen vorzunehmen: Sollten wir die angepeilte Inzidenz von 50 wie alle anderen Länder auch nach Wochen des Lockdowns nicht erreichen, müssen wir diesen Wert wohl hinterfragen. Unser Gesundheitssystem ist trotz deutlich höherer Inzidenzen in den letzten Wochen nicht zusammengebrochen.

Folglich müssen wir uns wohl mit einer realistischen Senkung zufriedengeben – und unter strengen Voraussetzungen die Betriebe wieder öffnen, allen voran den Handel. Wenn wir die Wirtschaft bis zum Sommer abwürgen, riskieren wir reihenweise Pleiten und reißen das Staatsbudget für Jahre unsanierbar ins Minus. Die Geschäfte haben bereits bewiesen, dass sie mit wirksamen Präventionskonzepten nur zu einem Bruchteil der Infektionsfälle beitragen. Das unterstreichen auch die neuesten Handy-Bewegungsdaten: Während die Mobilität im ersten Lockdown um 70 Prozent abgenommen hat, liegen wir derzeit bei einem Rückgang von maximal einem Viertel. Trotz geschlossener Geschäfte findet privat offenbar jede Menge Bewegung statt.

WK-Präsident Christoph Walser

Ausdrücklich festhalten möchte ich, dass Österreich im Vergleich zu anderen Staaten großzügige Rettungspakete geschnürt hat. Viele Förderungen werden problemlos abgewickelt, doch an einigen Stellen gibt es unzumutbare Härten. Wir legen die Schwachstellen der Bundespolitik inklusive Fallbeispielen laufend auf den Tisch. Umso unverständlicher ist es, dass diese Problemfälle nur schleppend repariert werden, da es sich im Vergleich zur Gesamtsumme um keine ausufernden Positionen handelt. Ich bin überzeugt, dass wir in der Lage sind, auch mit „der schwierigsten Phase“ der Pandemie fertig zu werden – mit Eigenverantwortung, mit Solidarität, mit Mut zur Lücke und mit einer Politik, die beherzt dort nachbessert, wo es angebracht ist.

E christoph.walser@wktirol.at

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