Spartenobmann Franz Jirka und Barbara Traweger-Ravanelli (IMAD-Marktforschung) skizzierten ein Stimmungsbild des Tiroler Gewerbe und Handwerks.
Spartenobmann Franz Jirka und Barbara Traweger-Ravanelli (IMAD-Marktforschung) skizzierten ein Stimmungsbild des Tiroler Gewerbe und Handwerks.
Aktuelles

Den Betrieben geht die Arbeit aus

Spartenobmann Franz Jirka und Barbara Traweger-Ravanelli (IMAD-Marktforschung) skizzierten ein Stimmungsbild des Tiroler Gewerbe und Handwerks.
© WK Tirol/Die Fotografen

Spartenobmann Franz Jirka präsentiert aktuelle Zahlen zur Situation von Gewerbe und Handwerk in Tirol und erklärt, welche Maßnahmen die Betriebe jetzt brauchen.

Das Tiroler Gewerbe und Handwerk blickt mit gemischten Gefühlen auf das Corona-Jahr 2020 zurück. Einerseits gibt es Bereiche wie etwa den Bau und die baunahen Branchen, die vergleichsweise gut durch das Krisenjahr gekommen sind. Andererseits mussten viele Berufsgruppen, vor allem im Dienstleistungsbereich, massive Umsatzeinbrüche hinnehmen. Allen voran sind hier die Eventtechniker zu nennen, die praktisch einen Totalausfall verzeichnen müssen.

Diese ambivalente Entwicklung setzt sich in den ersten Wochen des neuen Jahres fort. Die Verlängerung des Lockdowns und der damit verbundene Ausfall der Tourismusbranche stellt auch das Gewerbe und Handwerk vor enorme Herausforderungen.

Sorge um Auftragsbestände

Konkret zeigt der Rückblick auf das vierte Quartal 2020 durch die KMU-Forschung Austria einen Rückgang für das Gewerbe und Handwerk in Tirol um 12,8 Prozent. „Das ist um rund eineinhalb Prozent mehr als im Österreichschnitt und liegt daran, dass auch das Gewerbe und Handwerk in Tirol viele Aufträge aus dem Tourismus erhält, der von den Lockdowns am härtesten betroffen ist“, erklärt Franz Jirka.

Auch hier gibt es große Unterschiede innerhalb der verschiedenen Fachgruppen: Im Bau beträgt der Rückgang 5,8 Prozent, in den Gesundheitsberufen 21,6 Prozent. Einen tiefen Einblick in die Lage der Unternehmen bieten die aktuellen Auftragsbestände: Vier Prozent der Betriebe haben keinerlei Polster und können neue Aufträge sofort abarbeiten, 26 Prozent verfügen über einen Auftragsbestand für die kommenden ein bis vier Wochen, 50 Prozent für die kommenden fünf bis neun Wochen, 14 Prozent für die kommenden zehn bis neunzehn Wochen und sechs Prozent haben die Auftragsbücher über die nächsten zwanzig Wochen hinaus gefüllt.

„Das bedeutet, dass die Betriebe im Schnitt noch für fünfzehn bis zwanzig Wochen Aufträge haben und ihnen danach die Arbeit ausgehen wird“, erklärt Franz Jirka. Diese Befürchtung ist begründet: „Die Stimmungslage bei den Kunden ist verhalten. In den kommenden Wochen werden großteils nur Notmaßnahmen und Reparaturen vorgenommen. Aufgrund der kritischen Wirtschaftslage sind keine großen Aufträge in Sicht“, so Jirka.

Spartenobmann Franz Jirka
Spartenobmann Franz Jirka

Ein Drittel von hohen Umsatzrückgängen betroffen

Das Marktforschungsinstitut IMAD hat die Stimmungslage in Tirol erhoben. 46 Prozent der Betriebe sind aktuell mit der wirtschaftlichen Situation (sehr) zufrieden, 37 Prozent (sehr) unzufrieden, 17 Prozent unentschlossen. Hinsichtlich der Aussichten für das neue Jahr aus unternehmerischer Sicht zeigen sich die Unternehmer gespalten: Während 31 Prozent positiv und zuversichtlich ins neue Jahr starten, äußern 30 Prozent Bedenken, 39 Prozent bewerten die Aussichten neutral.

Was die Auswirkungen der Corona-Krise betrifft, so zeigt sich, dass 27 Prozent der Unternehmer hart getroffen waren: Sie mussten Stornierungen von 50 und mehr Prozent verkraften. Noch dramatischer stellt sich die Lage dar, wenn man die Umsatzrückgänge aufgrund der Corona-Krise betrachtet: Hier steigt der Anteil der Firmen auf 30 Prozent an, die Umsatzrückgänge von 50 und mehr Prozent verzeichnen mussten. Einen Blick in die Stabilität der Sparte gibt die Frage nach der Abhängigkeit von Unterstützungen: Immerhin 77 Prozent der Betriebe geben an, dass sie die Krise ohne weitere staatliche Unterstützung überleben würden.

„Vor allem Unternehmerinnen, Jungunternehmer und Ein-Personen-Unternehmer sehen jedoch ohne finanzielle Hilfen vom Staat ihre Existenz gefährdet“, erklärt IMAD-Geschäftsführerin Barbara Traveger-Ravanelli. Was den Stellenwert von Fördermaßnahmen betrifft, so ist für 59 Prozent der Fixkostenzuschuss (sehr) wichtig, für 50 Prozent die Investitionsprämie und für 44 Prozent eine Neuauflage des Handwerkerbonus.

Barbara Traveger-Ravanelli, IMAD-Geschäftsführerin
Barbara Traveger-Ravanelli, IMAD-Geschäftsführerin

Was die Betriebe jetzt brauchen

Aus diesem Befund leitet Spartenobmann Franz Jirka eine Reihe von Forderungen ab, deren Umsetzung für den Fortbestand der Betriebe essenziell ist. An erster Stelle steht eine unbürokratische und schnelle Auszahlung der Hilfsmittel. „Bei einzelnen Unterstützungen könnte die Prüfung auch im Nachhinein erfolgen. Das Geld muss jetzt schnell fließen, viele Betriebe sind nach fast einem Jahr Corona am Limit“, erklärt Jirka.

Der Spartenobmann drängt auch auf die Wiedereinführung des Handwerkerbonus für Arbeitsleistungen und Fahrtkosten, jedoch nicht für Materialkosten. „Wir haben bereits in den Jahren 2014 bis 2017 gesehen, dass ein derart ausgestalteter Handwerkerbonus einen wichtigen Impuls für die Betriebe leistet und dem Pfusch entgegenwirkt.“ Jirka fordert die Wiedereinführung des Handwerkerbonus ab 1. April 2021.

Im Bereich Fachkräftemangel drängt der Spartenobmann auf eine Gleichstellung von Lehrlingen und Studenten. So ist es für Jirka völlig unverständlich, warum Fachkräfte zwischen 8.000 und 20.000 Euro für eine Meisterprüfung selbst bezahlen müssen (bei einer Förderung von maximal 3.000 Euro), während Studieren in Österreich praktisch gratis möglich ist. Harte Kritik übt der Spartenobmann an der neuen NoVA, die beispielsweise die Anschaffung eines Pritschenwagens für einen Handwerksbetrieb um fast 10.000 Euro verteuert.

„Unsere Betriebe brauchen ihre Fahrzeuge als Werkzeug. Den Betrieben ausgerechnet jetzt in der Krise und beim folgenden Neustart diese Belastung aufzubürden, ist der völlig falsche Weg“, so Jirka. Auch an das Land hat Franz Jirka einen Wunsch: Testungen von Unternehmern und Mitarbeitern ebenfalls kostenlos anzubieten wie für Private. „Eine Unterstützung seitens des Landes würde dieses Ungleichgewicht beseitigen und einen wesentlichen Beitrag zur Corona-Sicherheit leisten“, fordert Jirka.