Lebensmittel-Großhändler verzeichnen als Zulieferer für Gastronomie und Hotellerie Millionenverluste.
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Hilferuf des Gastro-Großhandels

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Totalausfall. Lebensmittel-Großhändler verzeichnen als Zulieferer für Gastronomie und Hotellerie Millionenverluste. Der angekündigte Umsatzersatz für indirekt betroffene Betriebe ist dringend nötig.

Die aktuelle Lage der Gastro-Lebensmittelgroßhändler wird in der öffentlichen Wahrnehmung von der – durchwegs guten – Geschäftssituation des Lebensmittel-Einzelhandels überdeckt. Übersehen wird dabei, dass sich der Großhandel fundamental vom gut frequentierten Lebensmittel-Einzelhandel unterscheidet.

„Die Großhandelsbetriebe befinden sich durch die Corona-Maßnahmen in einer der am meist betroffenen Wirtschaftssegmente, da nahezu alle Geschäftskunden von heute auf morgen schließen mussten“, erklärt Gremialobmann Stefan Mair. Erschwerend kommt hinzu, dass es speziell in Westösterreich zahlreiche Großhändler gibt, die über keine Einzelhandelsstruktur verfügen und ausschließlich an die Gastronomie bzw. Hotellerie ausliefern, die sich bekanntlich seit Monaten im Lockdown befindet.

Rascher Umsatzersatz ist überlebensnotwendig

Die betroffenen Betriebe haben alle in deren Macht stehenden Möglichkeiten bereits ausgeschöpft. Dazu zählen unter anderem die Einreichung von Kurzarbeit, Fixkostenzuschüsse, Kredite, massive Abverkäufe und Warenretouren an Industriebetriebe. In Summe generieren die Zulieferer im Lockdown täglich massive Verluste und können deren Kosten kurz- und auch mittelfristig nicht decken. Seit Monaten wartet die gesamte Gastro-Großhandelsbranche auf zusätzliche Hilfsgelder. Es handelt sich um Zuschüsse, die anderen Branchen schon länger zur Verfügung stehen. Der seit Dezember angekündigte Umsatzersatz für indirekt betroffene Betriebe wurde immer noch nicht final beschlossen.

„Für die Betriebe, die um das nackte Überleben kämpfen, benötigt es umgehend ein positives Zeichen in Form eines Umsatzersatzes als zusätzlichen Zuschuss – neben Fixkostenzuschuss, Kurzarbeit und sonstigen Hilfsgeldern“, fordert Stefan Mair. Elementar ist auch, dass sich die Bundesregierung für eine weitere Erhöhung der EU-Beihilfedeckel (800.000 bzw. 3 Millionen Euro) einsetzt, da mit den aktuellen Obergrenzen die vorwiegend großen Betriebe dieser Branche nicht das Auslangen finden. Manche Großhändler mussten alleine im Dezember einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag an Umsatzausfall verkraften. „Wir fordern daher die Bundesregierung dringend auf, das angekündigte Hilfspaket rasch und unbürokratisch umzusetzen, damit der Fortbestand dieser Betriebe gesichert ist und sie ihre zentrale Funktion beim Neustart des Tourismus wahrnehmen können“, erklären Mair und Wedl.

Gremialobmann Stefan Mair
Stefan Mair, Gremialobmann

Letzte Reserven aufgebraucht

Die Zuliefererbetriebe der Gastronomie und Hotellerie stehen nicht mehr nur mit dem Rücken zur Wand, sondern sind zum Teil bereits am Ende und müssen endgültig schließen. Darunter finden sich viele Familienbetriebe (Metzgereien, O&G Händler, Vollsortimenter, etc.), die seit Jahrzehnten am Markt bestehen und über Generationen hinweg durch harte Arbeit Weltkriege und diverse Wirtschaftskrisen überleben konnten.

Die Erfahrungswerte der Gastronomie und Hotellerie in den ersten zwei Lockdowns haben bereits klar aufgezeigt, dass die Zuliefererbetriebe als indirekt betroffene Unternehmen zum Großteil mit einem nahezu totalen Umsatzausfall konfrontiert sind. Diverse Fixkosten bleiben allerdings bestehen bzw. sind nur mit Verzögerung abbaubar. Die Lage wird von Tag zu Tag dramatischer. Ein Großteil der Lebensmittel in den Lagern der Großhändler war und ist aufgrund der großen Verpackungseinheiten auch mit Abverkaufsaktionen nicht für Endverbraucher geeignet, was die Lebensmittelabschriften und den damit verbundenen monetären Verlust für die Branche täglich in die Höhe treibt.

Lorenz Wedl, Obmann-Stellvertreter
Lorenz Wedl, Obmann-Stellvertreter

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