Martin Köll
Alles Unternehmen

„Wir machen alles effizienter“

Der Experte. Martin Köll hat seine Leidenschaft für Information zum Beruf gemacht.
© WK Tirol

Der Tiroler Unternehmer Martin Köll ist IT-Techniker aus Leidenschaft. Er hat eine Software entwickelt, die es auch kleinen Unternehmen ermöglicht sehr effizient Prozesse zu digitalisieren.

Beim Betreten von Martin Kölls Büro im Osten von Innsbruck wird auf den ersten Blick eines klar: Hier wird nicht nur geredet, sondern gearbeitet. Die Forschungsfreude ist allgegenwärtig. Im Eingangsbereich steht ein Reinraum der Klasse ISO 5, wie er in der Halbleiterfertigung verwendet wird. In naher Zukunft sollen im Reinraum Festplattenlaufwerke unter einem Mikroskoparbeitsplatz repariert werden. Auch an den anderen Arbeitsplätzen sieht man, hier wird gelötet, geschraubt und programmiert. Auch der eigene Green-Room fällt sofort auf. „In der IT hilft es ein Nerd zu sein“, erklärt Geschäftsführer Martin Köll lachend.

Er ist seit gut zehn Jahren selbstständig. Angefangen hat seine EDV-Laufbahn mit einem „Frael Bruc 100“-Computer, den er von den Nachbarn geschenkt bekommen hat. Der hatte noch ein Kassettenlaufwerk für die Daten. „Damals war ich elf Jahre alt und habe sofort begonnen zu Programmieren. Auf einer Legoplatte habe ich schließlich die Grassmayr-Kreuzung nachgebaut und über den Druckeranschluss Ampeln und Fussgängerknöpfe angesteuert. Das wurde in der Schule vorgeführt – das war der Startschuss“.

Fingerscan, Ablage, Dokumentation
Digitale Welt. Vom Fingerscan gehen die Daten direkt ins System.
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Alles in Bewegung

Der heute 38-Jährige hat bis 2001 die Lehre zum Elektronik- und Fernsehtechniker mit Auszeichnung absolviert und war einer der ersten, der diese mit der Matura abgeschlossen hat. Nach dem Grundwehrdienst hat Köll die Unteroffiziersausbildung gemacht und war für die UNO in Syrien. Weitere Einsätze im Inland, Fortbildungen zum Offizier und langjährige Tätigkeiten in der Forschung an zwei Instituten an der Universität Innsbruck folgten. „Ich wollte jedoch immer selbstständig sein. Aber der Anfang war schwierig, weil ich niemanden hatte, der mich richtig beraten hat. Mein Glück war, dass ich als Betriebshelfer in ein Unternehmen gekommen bin, das in einer ordentlichen Schieflage war. Der Betrieb hatte alles, nur keine Organisation. Da habe ich mein erstes Programm für Ordnung und Struktur geschrieben.“

So fing alles an in die richtigen Bahnen zu kommen. Die digitale Transformation hilft den Unternehmen effizienter zu werden. „Das hat sich in meinem Umfeld herumgesprochen und so wurden die Anfragen nach individuellen IT-Lösungen immer mehr.“ Für die Firma „Mail Boxes Etc“ hat Köll damals eine Touchscreenkassa programmiert, die selbst nach 15 Jahren noch in Verwendung ist. „Für mich ist das nach wie vor etwas ganz Besonderes, dass ich in die Betriebe gebeten werde und mir ganz offen gesagt oder auch gezeigt wird, wo das Problem liegt. Ich bin sehr kreativ und kann mit meinen IT-Lösungen quasi eine zweite Haut über das Unternehmen stülpen. Das ist einzigartig.“

Martin Köll
Mit dem QR-Code-Stempel werden Rechnungen direkt eingescannt und an die Buchhaltung gesendet.
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Faszination IT

„Man kann aus ganz wenig ganz viel machen und das fasziniert mich jeden Tag aufs Neue an der IT“, so der Innsbrucker Computerspezialist strahlend. Unternehmen jeder Größenordnung sehen sich zunehmend mit Digitalisierungsthemen konfrontiert. Martin Köll beschäftigt mehrere Mitarbeiter und bietet individuelle Rundum-Pakete für vorwiegend mittelständische Unternehmen. „Um sich ihren Vorsprung zu sichern, spielen zuverlässige Cloud und Clustertechniken für Firmen eine wesentliche Rolle“, so Köll, der auch selbst Staatlich zertifizierter Datenschutzbeauftragter ist.

Alle Standorte der Server befinden sich dabei in Tirol und auch in eigener Hand. Weiters benötigen vor allem kleinere Betriebe hochflexible Infrastrukturen, mit denen Prozesse und Applikationen schnell und ohne großen Aufwand an neue Herausforderungen anpassen können. Professionell wird auf Flipcharts entworfen, wie das Programm umgesetzt werden soll – bildhaft, damit es auch wirklich jeder versteht. „Von Telefonie, SMS über Lager bis hin zur Buchhaltung kann man ja quasi alles programmieren. Der Kunde sagt uns, was er braucht. Dann wird die individuelle Unternehmenssoftware geschrieben. Durch meinen elektronischen Background kann ich auch Geräte bauen. Kurzum: wir machen einfach alles effizienter.“ Gekauft werden kann die Softwarelösung von Martin Köll nicht. „Der Kunde bezahlt stattdessen eine monatliche Lizenzgebühr. Wir stehen dauerhaft aktiv zur Seite und die Software wächst wie ein Organismus mit dem Kunden mit. Das Verhältnis zu unseren Kunden ist von gegenseitigem Vertrauen geprägt.“

Martin Köll
Effizientes Arbeiten. Mit dem Erpex-Programm wird die Tages-Agenda geplant.
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Gelebte Beispiele

„Unser Kunde Bioline hat selbstreinigende Automatiktoiletten in ganz Europa verteilt. Wir haben ihm bereits die Vertriebsplattform programmiert, doch dann wurde es plötzlich notwendig alle Sensoren und Verbrauchsmaterialien in Echtzeit zu überwachen.“ Martin Köll setzte sich ins Auto nach Italien entwickelte in der Fabrik des Herstellers ein Facility-Observation-System. Nun wird in jeder Toilette eine Blackbox eingebaut, welche jedes einzelne von hunderten Signalen pro Sekunde an das Rechenzentrum übermittelt. Die Software informiert über Ereignisse und jeder Störungsfall kann Jahre später lückenlos und sekundengenau nachvollzogen werden. „Somit sieht der Kunde in unserer App alle Toiletten live und sieht auch ob das Toilettenpapier ausgeht“.

Der Unternehmer selbst arbeitet in seinem Unternehmen ebenfalls mit Erpex, so der Name der Software. Ein System welches auf einem großen Screen alle Aufträge anzeigt, die anstehen und abgearbeitet werden müssen. Das hilft, die Arbeitszeit richtig zu nützen. Die digitale Transformation ist einer der wichtigsten Trends für Unternehmen. Dadurch eröffnen sich ihnen neue Geschäftsfelder, sie sollen dadurch aber auch in der Lage sein, ihr Potenzial besser auszuschöpfen und effizienter zu werden. „Unternehmen können ihre Zeit besser nutzen und mehr Wertschöpfung erzielen. Unsere Softwareprogramme sind wie Assistenten die Hilfeleistungen stellen.“

Köll wächst mit den Kunden

Ein weiteres Beispiel ist die Schneeräumung in Wien. „Wir haben an den Immobilien eines großen Kunden Beacons montiert, ein rund fünf Zentimeter großes Gerät, welches in regelmäßigen Abständen ein digitales verschlüsseltes Leuchtfeuer mit Informationen über Temperatur und Lichtverhältnisse aussendet“, so Köll fasziniert. „Unsere Software am Schneepflug erkennt das und weiß, dass er in der Nähe war. Somit weiß der Kunde es wurde Schnee geräumt und ist von der Haftungspflicht befreit.“

So ist auch das Dokumentenmanagement ein großes Thema: „Jedes Blatt der von uns produzierten Notizblöcke hat einen eigenen Code. Und wenn ich darauf schreibe und scanne das dann ein ist es automatisch im System. Über den Code kann das Blatt dann geteilt werden. Wir haben auch einen QR-Code-Stempel. Wenn ich den einscanne, geht der Zettel direkt zum Buchhalter. Das ist alles so spielerisch und kreativ.“ Für die Zukunft wünscht sich Köll, beständig und bodenständig weiterarbeiten zu können. „Wir möchten vertrauensvoll mit unseren Kunden mitwachsen“, so der Innsbrucker abschließend.

Weitere Informationen: koell.gmbh